Was haben die Vereinigten Staaten von Amerika und Eritrea gemeinsam? Beide besteuern ihre Staatsbürger auch dann, wenn sie im Ausland leben. Damit dienen sie all jenen als Vorbild, die sich ein ähnliches Regime für Deutschland wünschen. Durch eine solche Maßnahme könnten wohlhabende Steuerflüchtlinge schließlich davon abgehalten werden, sich durch Umsiedlung dem Fiskus zu entziehen –um das zu erreichen, müßten sie dann die deutsche Staatsbürgerschaft ablegen.
Der Abschied von der Staatsbürgerschaft ist ein Weg den eine rasant ansteigende Zahl von Auslandsamerikanern in den letzten Jahren eingeschlagen hat. Die Ausbürgerungen von Eduardo Saverin und Tina Turner fanden erwartungsgemäß den Weg in die Schlagzeilen. Die immer häufigeren Ausbürgerungen unbekannter Amerikaner werden seltener erwähnt. Trotzdem ist die gegenwärtige Zunahme der Ausbürgerungsanträge nicht zu übersehen: 2013 legten über 3000 US Amerikaner ihre Staatsbürgerschaft ab.
Ausschlaggebend ist hier nicht etwa eine Steuererhöhung, oder die Furcht reicher Steuerflüchtlinge entdeckt zu werden. Vielmehr geht es um drakonische Strafen, die selbst bei kleinen Fehlern in der Steuererklärung erhoben werden, die daraus folgenden Ausgaben für Steuerberater und ein neues Bankentransparenzgesetz namens Foreign Account Tax Compliance Act (FATCA). FATCA ist ein Gesetz, das ausländische Banken verpflichtet US Behörden über Guthaben von ‚US-persons‚ zu informieren -unabhängig davon ob diese innerhalb der USA leben oder nicht. Kommen die Banken dieser Verpflichtung nicht nach, so müssen sie damit rechnen das 30% ihrer in den USA erzielten Einkünfte vom dortigen Finanzamt einbehalten werden. Für das neue Jahr (2014), haben es sich die USA zum schlechten Vorsatz gemacht FATCA weltweit auszurollen.
Es ist wohl kein Zufall, das sich FATCA fast wie fat cat anhört. Schließlich wird es der Öffentlichkeit als Mittel gegen Steuerhinterziehung durch Offshore-Konten präsentiert. Eine Nebenwirkung ist allerdings die, daß einige Banken US Amerikaner einfach von ihren Dienstleistungen ausschließen, weil die anfallenden Kosten zu hoch sind –für das Sparkonto oder die Hypothek eines Normalverdieners lohnt sich der Aufwand nicht. So finden sich denn einige Auswanderer mit der Alternative konfrontiert entweder ihre Staatsbürgerschaft abzulegen oder in die USA zurückzukehren wenn sie als US Bürger im Ausland kein normales Mittelstandsdasein mehr führen können oder es ihnen schwer fällt sich eine jährliche Steuerberatung zu leisten, um unverhältnismäßig hohe Geldbußen zu vermeiden.
Zur Entvölkerung der USA oder der Erosion der gesamten Diaspora (von 6-7 millionen Personen) wird diese Situation wohl nicht führen. Auch der gesamtwirtschaftliche Schaden kann sich in Grenzen halten. Was hier allerdings deutlich wird ist wie steuerpolitische Maßnahmen, die ostentativ auf eine kleine Gruppe reicher Steuerhinterzieher gerichtet sind, unabhängig vom Steuerfreibetrag existenzbedrohende Folgen für Normalverdiener haben können. Daran sollte man immer dann denken, wenn Linkspopulisten eine Schumi-Steuer fordern oder die Ausweitung des FATCA Standards auf die gesamte OSZE erwogen wird. Wer wirklich reich ist, wird sich immer die nötige Steuerberatung leisten können. Wer normal verdient, riskiert es zwischen die Fronten der Umverteilungskonflikte zu geraten. Jede Maßnahme gegen „steuerhinterziehende Bonzen“ wird deshalb ihre Opfer in der Mittelschicht fordern.