Ein kleiner Versuch, der FDP die Steinbrücksche Fahrradkette anzulegen.

Seit der Wahlniederlage im vergangenen September findet man fast kein Wort so häufig im Vokabular der FDP wie das Wort „Neuanfang“. Der Europaparteitag hätte diesen Neuanfang eindrucksvoll demonstrieren können. Die FDP hätte dem Wähler eindrucksvoll zeigen können, dass sie die Signale verstanden hat.

Man hätte unkonventionelle Außenseiter auf die aussichtsreichen Listenplätze wählen können, die nicht ihr ganzes Leben im Politikbetrieb verbracht haben. Die FDP Bayern hat vor zwei Monaten eindrucksvoll vorgemacht, wie das geht. Man hätte junge Leute auf die Liste setzen können. Es ging ja nicht mal um den Posten eines Außenministers, wo unsere südlichen Nachbarn gerade wagemutig vorpreschen. Apropos Österreich: Man hätte auch, wie die neue österreichische Partei Neos, die normalen Parteimitglieder, ja gar jeden Bürger, an der Listenaufstellung beteiligen können.

Man hätte die bisherige EP-Fraktion, die sich in den vergangenen Jahren bis auf wenige Ausnahmen kaum dezidiert liberal positioniert hat, darum bitten können, geschlossen nicht mehr anzutreten*. Man hätte wagemutig mit einer ganz neuen Mannschaft starten können, die für den Neuanfangsversuch in der FDP steht. Klar, man hätte dann in Kauf nehmen müssen, dass kein erfahrener Parlamentarier in der Fraktion sitzt. Aber man hätte ja auch ein dichtes Netz ehemaliger Parlamentarier zur Verfügung, die den Neulingen im Hintergrund mit Rat und Tat beiseite stehen.

Die FDP und ihr neugewählter Vorsitzender hätten beweisen können, dass sie es ernst meinen mit dem Neuanfang in der FDP und ihn nicht nur in den Sonntagsreden beschwören.

Hätte, hätte, hätte – Fahrradkette!

 

* Was der Verfasser in einem Fall in der Tat bedauert hätte