Es gibt in der liberalen Partei seit Friedrich Naumanns Zeiten die unselige Traditionslinie einer, drücken wir es einmal zurückhaltend aus, kritischen Reserviertheit gegenüber Juden – die sich heutzutage vor allem im Eintreten für die „Sache der Palästinenser“ und gegen das als „Apartheidsstaat“ denunzierte Israel, die einzige rechtsstaatliche Demokratie in der Region, manifestiert. Manche Menschen bezeichnen derlei, aus meiner Sicht nicht ganz unberechtigt, als antisemitisches Ressentiment.

Der berüchtigte Flyer des ehemaligen stellvertretenden FDP-Vorsitzenden Jürgen Möllemann im Bundestagswahlkampf 2002 – ein perfider Versuch, die Kritiker des Antisemitismus für den Antisemitismus verantwortlich zu machen – war von so einem Kaliber. Der verstorbene FDP-Ehrenvorsitzende Otto Graf Lambsdorff meinte damals dazu, es sei „eine uralte antisemitische Position, dass man Juden vorwirft, sie dürften sich zu bestimmten Problemen nicht äußern, weil das angeblich Antisemitismus produziere.“ (Berliner Zeitung, 24.05.02)

Wenn man weiss, dass Möllemann mit Unterbrechungen seit 1981 bis zu seinem Tod 2002 Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft (DAG) war, kann dies zumindest einen Erklärungsansatz bieten. Heute sitzt, neben dem aktuellen stellvertretenden FDP-Vorsitzenden und ehemaligen Möllemann-Intimus Wolfgang Kubicki als Mitglied, die auf Platz 7 der FDP-Liste zum EU-Parlament nominierte Alexandra Thein dem Beirat der DAG vor. Die Liste ihres weiteren Engagements liest sich durchaus beeindruckend:

    Working Groups/Arbeitsgruppen

  • WG EU-Qatar (EU-Katar) – Mitglied
  • WG Euro-Palestine – Co-Vorsitzende (CEPR)
  • WG Freedom of Religion and Belief (Religions- und Glaubensfreiheit) – Mitglied
  • Friendship Groups/Freundschaftsgruppen

  • Friends of Azerbaijan (Aserbaidschan) – Mitglied
  • Friends of Lebanon (Libanon) – Mitglied
  • Friends of Taiwan – Mitglied
  • Friends of Turkey (Türkei) – Mitglied
  • Friends of the United Arab Emirates (Vereinigte Arabische Emirate) – Mitglied
  • Friends of the Gulf States (Golf Staaten) – Mitglied
  • Ehrenamtliche Tätigkeiten

  • Deutsch-Arabische Gesellschaft – Beiratsvorsitzende
  • University of Palestine – Mitglied des Kuratoriums
  • Council for European Palestinian Relations – Mitglied des Kuratoriums
  • VMW (Verband der Migrantenwirtschaft) – Mitglied des Beirat

Den „Council for European Palestinian Relations“ (CEPR) habe ich hervorgehoben. Nicht ohne Grund. Das Blog audiaturonline, eine Plattform, die rund um Israel und den Nahen Osten informiert, zeigt in dem Beitrag CEPR und das europäische Netzwerk der Hamas die Connection zum Lobby-Netzwerk der islamfaschistischem Terrororganisation auf:

Eine genauere Betrachtung des CEPR offenbart folgendes:

CEPR scheint die Nachfolgeorganisation der mittlerweile inaktiven European Campaign to End the Siege on Gaza (ECESG) zu sein. CEPR Direktor Arafat Shoukri, sein Direktor Rami Abdu sowie die beiden Trustees Anouar Gharbi und Mazen Kahel waren bereits massgeblich bei ECESG involviert. ECESG wurde von europäischen Muslimbrüdern nach dem Machtüberahme der Hamas in Gaza im Jahr 2007 ins Leben gerufen.

Die von dem CEPR durchgeführten Delegationen treffen vorrangig mit Hamas-Exponenten zusammen, bzw. mit Mitgliedern der Muslimbruderschaft (in Ägypten) und der Ennahda (dem tunesischen MB-Ableger).
CEPR äussert sich dezidiert pro-Hamas und übernimmt teilweise die Terminologie der Hamas: z.B. „IOF“ (für „Israel Occupation Forces) statt „IDF“.

Mazen Kahel und Anouar Gharbi sind/waren Mitglieder zweier Schwesternorganisationen (Association de Secours Palestinien, Comité de Bienfaisance et de Secours aux Palestiniens), die zur Union of Good gehören. Die Union of Good ist ein weltweites Muslimbruderschafts-Netzwerk, das eng mit der Hamas verknüpft ist und Spenden zugunsten der Familien von palästinensischen Selbstmordattentätern gesammelt hat. Beide Organisationen wie auch die Union of Good wurden vom US Finanzdepartment als Terror-Entitäten designiert.

Der CEPR-Direktor Arafat Shoukri ist ebenfalls Direktor des Palestine Return Centre (PRC). Durch den gemeinsamen Trustee Ghassan Faour verfügt das PRC über enge Beziehungen zu Interpal, einer weiteren Mitgliedorganisation der Union of Good. Gemäss israelischen Angaben sind die PRC-Mitglieder führende Hamas-Aktivisten in Europa und zuständig für Geldbeschaffung.

Hier die Verbindungen als Grafik im Detail*:
das CEPR - Hamas Netzwerk

Nicht verwunderlich also, dass Alexandra Thein 2010 auch eine der Unterstützerinnen der Terror-Flottille zur Durchbrechung der israelischen Waffenblockade gegen das Gaza-Gebiet war und nach einem Bericht der WELT selbst erwogen hatte, teilzunehmen. Die israelische Regierung hat deshalb und wegen der Unterstützung der CEPR ein Einreiseverbot nach Israel für europäische Pro-Hamas-Aktivisten wie Álexandra Thein verhängt.

Aktuell unterstützt sie übrigens aktiv die Kampagne der Grünen und diverser „antizionistischer“ Gruppierungen für eine Kennzeichnung israelischer Produkte aus der Westbank, die entsprechende Boykott-Kampagnen erleichtern soll.

Ich will sie hier nicht weiter ausführen, die merkwürdigen Verbindungen von Frau Thein MdEP (und MdEP in Spe, falls die „neue FDP“ mit einem respektablen Ergebnis ins Europaparlament einziehen sollte – was derzeit allerdings eher unwahrscheinlich anmutet). Ich stelle nur die Frage: Was sagt es über eine Partei mit liberalem Anspruch aus, EU-Kritiker wie Holger Krahmer nicht wieder aufzustellen, aber dafür Lobbyisten im europäischen Hamas-Netzwerk?

Nein, ich bin doch noch nicht ganz fertig (mit Ihnen Alexandra Thein): natürlich muss man sich engagieren, wenns um Menschenrechte und um den Schutz von Minderheiten vor Diskriminierung und Gewalt geht. Insofern finde ich Ihr Eintreten für die Rechte von (sexuellen) Minderheiten als Mitglied in der LGBT Intergroup des EU-Parlaments durchaus löblich, aber… warum lese ich in Ihrer diesbezüglichen Selbstdarstellung allerlei über die Verfolgung von Schwulen in Serbien, Litauen oder Uganda – jedoch nichts über die Morde an Homosexuellen in Saudi-Arabien oder dem Iran? Sicher nur Zufall. Oder?

Ok ok, internationale Handelsbeziehungen sind ein schwieriges Geschäft. Skrupel sind da fehl am Platz. Man/frau will ja seine Partner nicht verärgern. Trotzdem: ginge nicht wenigstens eine öffentliche Unterstützung der Petition zur Freilassung der vergewaltigten Österreicherin in Dubai? Und/oder ein paar Worte („Klartext“ – Jürgen Möllemann) auf der nächsten Sitzung der „Friends of the Gulf States“?

Ihre Verbindungen zu einschlägigen Kreisen wären sicher hilfreich für die junge Wienerin…

* die Grafik zu den Verbindungen des CEPR zu Hamas und Muslimbruderschaft veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung von audiaturonline