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Drei Kennzahlen der ESFLC (European Students for Liberty Conference) 2014 illustrieren vielleicht am besten, wie die Zukunft des Liberalismus aussieht:

Drei Tage. Sechshundert Teilnehmer. Null FDP.

Samstag: Zwischen perfekt sitzenden Anzügen und staatsfeindlichen Kapuzenpullis entspinnt sich in der Humboldt-Universität die Dynamik einer internationalen Freiheitsbewegung, die im besten Sinne des Wortes unpolitisch ist. Unpolitisch, weil sie Menschen in den Mittelpunkt stellt — nicht die Macht.

Johan Norberg bringt diese Grundeinstellung auf den Punkt als er in seiner Keynote sagt: «We are not pro business. We are pro market!» Der Applaus dauert. Aber er wird länger und lauter als Norberg nachlegt. «Crony capitalists», damit meint er Kapitalisten, die mit dem Staat im Bunde sind, seien «Kriminelle, die zu feige sind uns selbst auszurauben und den Staat vorschicken».

Schnitt.

Es ist verboten, den Balkon zu betreten. Absturzgefahr. In perfekt sitzenden Anzügen und staatsfeindlichen Kapuzenpullis steht die Generation der Freiheit auf dem verbotenen Balkon. Man reicht mir einen Joint.

Hatte ich schon länger nicht mehr. Tiefer Zug. Heftiger Hustenanfall. Pures Zeug. Der Auftritt von Dorian Electra und die anschließende Kneipentour werden zu einem meiner besseren Trips.

Schnitt.

Sonntag: Steve Davies bringt mir bei, warum ich im Geschichts-Leistungskurs nicht gelernt habe, was die Welt wirklich bewegt. Die Innovationen die diese Welt verbessert haben schaffen es nicht in die Geschichtsbücher. Alle wissen, wann die großen Schlachten waren. Kaum jemand weiss, wann der erste Container sich anschickte, die Frachtkosten auf ein dreissigstel (1/30) zu drücken.

Tom G. Palmer erklärt erschöpfend, warum es nicht um Zahlen geht, sondern um Menschen. Warum Kunst, Liebe, Kreativität die besten Argumente für Freiheit sind. Warum Effizienz und Wirtschaftlichkeit höchstens Hilfskonstruktionen sein können. Und Clemens Schneider erinnert mich daran, dass 25 Jahre nach dem Kollaps des eisernen Vorhangs die Festung Europa zu schleifen ist.

Ich greife ein Peace, Love, Liberty-T-Shirt ab, ergattere mir Buttons, Sticker und ein #Selfie mit Dorian Electra und ertappe mich dabei, wie ich einsam auf den Presseplätzen mitsumme, als sie singen: «We’ll meet again.»

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