Unseren geschätzten Lesern soll ein Juwel des Investigativ-Interlektualismus nicht vorenthalten werden … Der Neoliberalismus-Experte Dr. Dieter Plehwe aus Berlin hat in einem fundierten Discussion Paper die neoliberal-nationalkonservative Verschwörung aufgedeckt, die zum Entstehen der AfD geführt hat. Präzise und luzide beleuchtet er die finsteren Abgründe, die sich da auftun, wo der Kapitalismus in seiner nacktesten Form durch die öffentlichen Parks der Parteipolitik streunt und kleine Kinder erschreckt.

Der geneigte Leser möge sich nicht abschrecken lassen von den völlig freien Assoziationen in dem Paper. Dieser Stil ist Teil einer ganz neuen wissenschaftlichen Bewegung, die sich endlich löst von den traditionalistisch-rechtskonservativen Idealen einer auf Logik und Beweis fußenden Herrschaftswissenschaft.

Wir haben exklusiv für die treuen Leser des antibuerokratieteam einige für Sie besonders interessante Highlights aus dem Bericht zusammengestellt. Bitte beachten Sie, dass dies nicht die Lektüre des gesamten Berichts ersetzt!

  • Der Think Tank New Direction ist ganz offensichtlich die Spinne im Netz während das Atlas Network sich offenbar komplett aus seinen freimaureresquen Aktivitäten zurückgezogen hat – nicht einmal eine Fußnote wird ihnen mehr zuteil …
  • Der ehemalige tschechische Präsident Václav Klaus ändert seinen Nachnamen im Zusammenhang mit klimawandelskeptischen Aussagen gerne zu Claus.
  • Die kunstvolle Graphik auf Seite 18 zeigt deutlich, welche Think Tanks besonders gut vernetzt und mithin brandgefährlich sind. Die Graphik zeigt zugleich auf erschütternde Weise, wie überschätzt manche Institutionen im neokonservativen-nationalliberalen Binnendiskurs sind: Die Hayek-Gesellschaft ist offenbar ebenso zu vernachlässigen wie Agenda Austria, das Liberale Institut Zürich oder das Institute of Economic Affairs.
  • Überraschend kommt auch folgende Erkenntnis: „… kennen sich 14 von 19 der Multi-Think-Tanker unseren Recherchen zufolge also wahrscheinlich bereits aus Mont-Pèlerin-Society-Zusammenhängen.“ Wer von Ihnen, verehrte Leser, hätte bisher gedacht, dass sich die Sozialkontakte von neonationalen Konservativliberalen allein auf die Treffen der MPS beschränkt?
  • Atlas hat, wie gesagt, keine Erwähnung gefunden – dafür aber wenigstens der im reaktionären, homophoben Umfeld einschlägig bekannte Tom G. Palmer, dessen verschwörerische Tätigkeit sich ausweislich der Studie mittlerweile auf folgende Think Tanks konzentriert: Adriatic Institute for Public Policy, Center for Institutional Analysis and Development, Institute for Free Enterprise.
  • Das Liberale Institut Berlin und das Liberale Institut Zürich sind offenbar auch im Geheimen fusioniert. Wahrscheinlich Teil der Sparmaßnahmen, die die Naumann-Stiftung gerade durchführen muß …
  • Karen Horn hat ganz offensichtlich den Vorsitz der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft abgegeben. Überhaupt scheint diese Institution nur noch auf Wernhard Möschel geschrumpft zu sein. Gerd Habermann muß froh sein, dass er wenigstens einmal erwähnt wird, wenn auch wieder unter seinem Künstlernamen: „Europapolitische Rhetorik wird alleine nicht ausreichen, um die Ursachen des Aufstiegs rechtspopulistischer Kräfte zu bekämpfen und ein progressives Interesse an einem europäischen Sozialmodell zu nähren (vgl. Habermas 2013)“.
  • Bedrohlich ist die neugegründete „European Coalition for Econeinmic Growth“ – die Econeinmic ist eine besonders marktradikal ausgerichtete Strömung des Rechtspopulismus.
  • Joachim Starbattys Engagement bei der AfD läßt einen „sehr wichtige[n] historische[n] Hintergrund der Rechtsliberalen [erschliessen], der auch für die Geschichte der CDU/CSU und für die FDP eine große Rolle spielt: die soziale Marktwirtschaft.“ Hier beginnt das Herz des liberalpopulistischen Rechtsverschwörers aufgeregt zu pochen: sind vielleicht all die Politiker, die sich auf die soziale Marktwirtschaft berufen (Merkel, Hofreiter, Wagenknecht, Gabriel) heimliche U-Boote, die noch nicht identifiziert wurden? Das gäbe dem Neoliberalismus einen dringend ersehnten Kälteschub! Klar ist auf jeden Fall, dass “ mit Joachim Starbatty, Charles Blankart und anderen neoliberalen Ökonomen […] die jüngeren und älteren Traditionslinien des Rechtsliberalismus und des marktwirtschaftlichen Konservatismus in Deutschland“ erschlossen werden können.
  • Der Finanzwirtschaftler Markus C. Kerber ist unbemerkt von Partei und Fraktion Mitglied der FDP-Fraktion im Europaparlament geworden. Uns dämmert der schreckliche Verdacht, dass er unter Umständen selbst noch nichts von dieser Neuerung gemerkt hat …
  • Unklar ist noch, ob Michael Wohlgemut das „h“ am Ende seines Namens abgelegt hat, um sich mit Erik Mann solidarisch zu zeigen, die/der – vermutlich aus Tarnungsgründen – ihr/sein Geschlecht gewandelt zu haben scheint.
  • Das blanke Entsetzen kann einen packen, wenn man mit den Forschern feststellen muss: „Ebenfalls schreiben AfD- und IUF-Anhänger beim Blog ‚Eigentümlich Frei‘.“ Eigentümlich frei hat seine Printversion eingestellt? Das iuf hat Anhänger? Gut, wer Wolfgang Müllers nationalkonservativen Charme kennengelernt hat, kann wenigstens diesen Punkt verstehen …

Abschließend sei dem Autor noch ein ganz persönliches Wort gestattet: Entmutigend, ja verstörend ist die Tatsache, dass all die vielen jungen Inititativen zur Übernahme der Weltherrschaft durch marktnational-liberalpopulistische Mont-Pèlerin-Konservative wohl leider komplette Rohrkrepierer sind … Wenigstens eine Fußnote hätte man den Students for Liberty widmen können. Und auch dieser Blog hätte erwähnt werden sollen – tragen wir doch mit Stolz unseren Titel „Sektion der neoliberalen Weltverschwörung“! Aber scheinbar droht uns wirklich eine Gerontokratie von Leuten, die sich alle von der Mont-Pèlerin-Gesellschaft kennen. Bitter!