In Berlin haben Immobilienspekulanten und Miethaie, die nur an ihren Profit denken und denen das zunehmende Elend der Mieter mit geringeren Einkommen egal ist, einen weiteren Erfolg errungen. Es ist ihnen mit Hilfe einer perfiden politischen Kampagne gelungen, die teilweise Bebauung des Geländes des ehemaligen Flughafens Tempelhof mit Wohngebäuden zu verhindern. Die Berliner Wähler entschieden sich mehrheitlich dagegen und können deshalb immerhin weiter „Vögeln lauschen“ und „Wiese riechen“. Als Anhänger der freien Marktwirtschaft und der direkten Demokratie, dem jeder Spekulantenhass fern liegt, sehe ich diesen Erfolg der Spekulantenlobby skeptisch.

Plakat der Bürgerinitiative 100% Tempelhofer Feld, www.thf100.de
Plakat der Bürgerinitiative 100% Tempelhofer Feld, www.thf100.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachdem es den Spekulanten und ihren politischen Helfershelfern in den Berliner Bezirksämtern und -parlamenten schon gelungen war, in immer mehr Stadtteilen sogenannten „Milieuschutz“ zu installieren und damit fast jede neue Investition in Wohngebäude zu unterbinden, ist das ein weiterer Erfolg dabei, die Interessen einer kleinen Gruppe über die Interessen der Allgemeinheit zu stellen. Bauland in Berlin wird künstlich verknappt – das treibt die Preise nach oben und bringt denjenigen, die es besitzen, zusätzliche Profite – ohne eigene produktive Arbeit! Ein wenig Öffentlichkeitsarbeit und eine Bürgerinitiative reichen aus, um das Gemeinwohl mit Füßen treten zu können.

Hier zeigt sich, wie effektiv die kapitalistische Meinungsmaschine, bestehend aus Medien und gut getarnten Bürgerinitiativen, wirklich ist. Es gelingt ihr, Politikern und Volksabstimmungsteilnahmeberechtigten ihren Willen unterzujubeln. In einer der grünsten Hauptstädte Europas, in der es keinen Mangel an Parks und Grünflächen gibt, wird eine Kampagne gestartet, die die Bebauung eines riesigen Geländes mitten in der Stadt verhindern soll – und die Menschen machen mit. Sie werden zu Stimmvieh für Spekulanten und Immobilienhaie.

Das ist nur zu erklären, wenn man weiß, wie perfide die Spekulantenlobby tatsächlich argumentiert hat. Sie appellierte an die prinzipiell positiven Grundinstinkte der Berliner. Diese sind vor allem eines – gemeinwohlorientiert. Deshalb verfing die Losung „Gemeingut statt Bauwut“. Und sie lieben die reine Natur – deshalb ließen sie sich von Losungen wie „Weite sehen“, „Wiese riechen“ oder „Vögeln lauschen“ einfangen.
Es zeigt sich wieder einmal, wozu professionelle Öffentlichkeitsarbeit im Dienste privater Interessen in der Lage ist – gerade bei denen, die selbst noch nie auf dem Tempelhofer Feld waren. Dann wüssten sie, dass man dort zwar vieles riechen kann, Wiese aber eher nicht. Sie wüssten das man vielen Geräuschen lauschen kann, Vögeln aber eher nicht. Doch das ist in einer Öffentlichkeit, die von Miethaien und Spekulanten manipuliert wird, ja kein Argument.