antibuerokratieteam.net

Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

AfD: Über alte und neue Konstruktionsfehler

Frank Schäffler, 28.11.2014

Logo der AfDInteressierte Beobachter merken, dass die Unsicherheiten an den Finanzmärkten wieder zunehmen. Insbesondere im Euro-Raum sind die Anzeichen dafür groß. Bald wöchentlich setzt Mario Draghi eine neue verbale Injektion, um die Märkte anzufixen (FAZ). Die Aktien- und Anleihenmärkte danken es ihm aus alter Verbundenheit. Und der neue EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker schlägt Investitionen für neue Boulevards, Regierungspaläste und Flughäfen in der „Pampa“ für die lateineuropäischen Länder im Volumen von über 300 Mrd. € vor. Da die Opposition im EU-Parlament nicht weniger fordern darf als die Kommission, setzt der Vorsitzende der ALDE-Fraktion, der Parteiliberale Guy Verhofstadt, noch eins drauf und forderte ein 700 Mrd. €-Investitionsprogramm, um die alte Dame Europa neu liften zu lassen (Welt). Auch wenn jetzt „nur“ ein 21 Mrd. Euro umfassender Investitionsfonds herauskam, ist die Absicht klar: Die Krise soll mit dem Rezept bekämpft werden, das zur Krise geführt hat – mit noch mehr billigem Geld und neuen Schulden. Das wird den Euro-Club nicht retten, sondern die notwendigen Anpassungen nur hinausschieben. Die Überschuldungskrise wird dafür mit noch größerer Wucht zurückkommen.

Doch ich möchte mich an dieser Stelle den Vorschlägen der AfD widmen. Wir teilen zwar die Auffassung, dass der Euroclub in dieser Zusammensetzung und mit diesem Regelverständnis nicht dauerhaft überleben kann, dennoch halte ich die Auflösung des Euroraums und eine Rückkehr zur DM oder die Bildung eines Nord- und eines Südeuros für falsch. Beide Vorschläge folgen letztlich einer konstruktivistischen Vorstellung von Politik.

Wenn Deutschland aus der Euro-Zone austreten und die DM wieder einführen oder sich einem neuen Währungsverbund anschließen würde, wäre der Preis dafür der staatlich erzwungene willkürliche Konkurs vieler Unternehmen in Deutschland, ohne dass damit etwas gewonnen wäre. Ein Beispiel: ein deutsches Unternehmen hat während der gemeinsamen Zeit im Euroraum eine Forderung von 1 Mio. Euro gegenüber einem italienischen Kunden aufgebaut. Nach dem Ausscheiden Deutschlands aus dem Euro und der Einführung der DM wertet der Euro gegenüber der neuen DM um 50 Prozent ab. Das führt in der Konsequenz dazu, dass die Forderung ebenfalls nur noch die Hälfte wert ist. Das Unternehmen muss diese Forderung deshalb in seiner Bilanz um diesen Wert berichtigen. Dies führt zu einer entsprechenden Minderung des Eigenkapitals des Unternehmens. Hat das Unternehmen nicht genügend Eigenkapital, ist es überschuldet.

Diese Problematik käme auch bei einer Aufspaltung in einen Nord- und einen Südeuro auf diese Unternehmen zu. Zusätzlich gibt es in dieser rein statischen Betrachtung keine Gewähr dafür, dass wir in 10 Jahren nicht wieder da sind, wo wir heute stehen. Wer garantiert uns, dass sich die Länder im Nordeuro nicht ebenfalls auseinander entwickeln? Wer garantiert uns, dass dieses Mal die Verträge eingehalten werden? Dieser Vorschlag hat den gleichen Konstruktionsfehler wie seinerzeit jener bei der Einführung des Euro. Es wird von einer Ist-Situation ausgegangen, die statisch Länder in ein Währungsgebiet einteilt.

Das Modell eines atmenden Währungsraumes ist besser geeignet, dieses Problem zu lösen, da es dynamisch ist, den Austritt kleiner Länder möglich macht und deshalb Fehler leichter korrigierbar sind. Länder müssen austreten und wieder eintreten können. Sie müssen ausgeschlossen und wieder aufgenommen werden können, je nachdem, ob sie sich an die gemeinsam gefassten Regeln halten oder nicht.

Doch vielen konstruktivistischen Vorschlägen ist eines gemein, sie gehen das zentrale Problem nicht an: das derzeitige Geldsystem mit seinem staatliche Geldmonopol. Im Rahmen dieses staatlichen Geldmonopols kann nur der Staat und seine Notenbank, mit Hilfe der Geschäftsbanken, Geld durch die Kreditvergabe aus dem Nichts produzieren. Diese Geldproduktion, der kein Sparprozess an anderer Stelle vorausgeht, wird über die Geldpolitik der Zentralbank planwirtschaftlich gesteuert, um – wie bei der EZB – ein Inflationsziel von 2 Prozent zu erreichen oder die Wirtschaft in Südeuropa durch eine verstärkte Kreditvergabe der Banken anzukurbeln. Klappt es nicht, dann wird nach dem Motto verfahren: „viel hilft viel“ und noch eine Schippe draufgelegt. So macht es Mario Draghi aktuell.

Doch die beliebige Vermehrung der Kredit- und damit der Geldmenge ist die Ursache für die Überschuldungskrise von Staaten und Banken und führt zu den immer stärker wiederkehrenden Blasen an den Immobilien- und Aktienmärkten. So ist in den ersten 10 Jahren des Euro die Menge der Bankkredite im Euro-Club um fast 170 Prozent gestiegen, während die Wirtschaftsleistung in der gleichen Zeit lediglich um rund 20 Prozent zugenommen hat. Es entstand also ein Scheinwohlstand der nur auf Verschuldung aufgebaut war. Doch irgendwann wird jeder Kreditboom, der durch billiges Geld der Notenbanken entfacht wurde, als solcher erkannt und die Investoren ziehen sich daraus zurück. Der anschließende Crash ist die Folge dieser Politik.

In seinem bahnbrechenden Buch „Die Entnationalisierung des Geldes“ beschrieb Friedrich August von Hayek dies sehr treffend: „Die bisherige Instabilität der Marktwirtschaft ist die Folge davon, daß der äußerst wichtige Regulator des Marktmechanismus, das Geld, selber von der Regulierung durch den Marktprozeß ausgeschlossen ist.“

Deshalb ist gutes Geld, Geld, das dem Marktprozess ausgesetzt ist, so wie jedes Gut in einer Marktwirtschaft (mein Vorschlag aus 2012). Dafür bedarf es nicht viel. Der Staat muss lediglich den Euro von der Funktion des „gesetzlichen Zahlungsmittels“ befreien. Der Staat muss also sein Geld dem Wettbewerb aussetzen – dem Wettbewerb mit freiem Geld.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Newsletter „Frank und frei“ von Frank Schäffler, der unter www.frank-schaeffler.de/newsletter/ kostenlos abonniert werden kann.



3 Kommentare zu “AfD: Über alte und neue Konstruktionsfehler”

  1. Dr. Hans Hausberger

    „…Nach dem Ausscheiden Deutschlands aus dem Euro und der Einführung der DM wertet der Euro gegenüber der neuen DM um 50 Prozent ab. Das führt in der Konsequenz dazu, dass die Forderung ebenfalls nur noch die Hälfte wert ist. Das Unternehmen muss diese Forderung deshalb in seiner Bilanz um diesen Wert berichtigen. Dies führt zu einer entsprechenden Minderung des Eigenkapitals des Unternehmens. Hat das Unternehmen nicht genügend Eigenkapital, ist es überschuldet…“

    Was ist denn das für eine Logik???

    Das fragliche Unternehmen wird bis zur Bilanzumstellung ja eine Euro-Bilanz haben. Die Frage ist also, zu welchem Kurs Eigenkapital, Forderungen, Verbindlichkeiten usw. auf DM umgestellt wird. Erfolgt die Bilanzumstellung vor oder nach der Aufwertung? Und werden die Altschulden ebenfalls konvertiert? Je nachdem könnte es Umstellungsgewinne und Umstellungsverluste geben. Von einer zwangsweisen Überschuldung kann aber gar keine Rede sein.

  2. Couponschneider

    Ich stimme Herr Schäffler zu: Ein Austritt aus dem Euro bringt erstmal gar nichts. Italien oder Griechenland könnten dann abwerten und dann? Die eigentlichen Probleme würden nicht angefasst, d.h. Strukturreformen, Bürokratieabbau usw. Eine Währungsabwertung bedeutet auch, dass man mit der Rasenmähermethode alle Gehälter in gleichem Maße gekürzt, das vom Ingenieur genauso wie das vom Beamten in der Verwaltung. Würde die Exportwirtschaft profitieren? Nö, denn viele Produkte, die exportiert werden, basieren ja Rohstoffe und Bauteile, die vorher importiert worden sind.

    Heutzutage kann man nur noch im Stile einer Thatcher schmerzhafte Reformen durchpauken. Mit weniger Aufsehen haben das viele osteuropäische Staaten durchgemacht. Die haben eisern gespart, kräftig in die Hände gespuckt und die stehen gut da. Polen kann sogar eines der größten Softwarehäuser Europas vorweisen. In Deutschland gibt es viele Tankstellen, die zu einer großen polnischen Kette gehören.

    Man kann sogar dem Euro dankbar sein, da er südeuropäische Politiker zwingt, mal was anderes zu tun, als an der Währungsschraube zu drehen.

    Und man sollte nie die Menschen vergessen, die Individuen. Die sind es, die über Wohl und Wehe einer Volkswirtschaft entscheiden. Der Staat sollte den Individuen Entfaltungsmöglichkeiten geben, sie aktivieren und nicht in Lethargie fallen lassen. Da ich aus den neuen Bundesländern komme, kenne ich einige, die seit der Wiedervereinigung von Stütze leben. Sogar eine 42-jährige. Die hatte die Schule gerade beendet, da fiel die Mauer und die Welt hat ihr offen gestanden. Stattdessen: Stütze, ABM-Maßnahmen, heute Hartz IV. Für die Agenda 2010 bin ich dankbar, dass auch mal was gefordert wurde, auch wenn es bei jener Frau nichts gebracht hat.

    Unser Wohlstand hängt also mitnichten nur davon ab, wie viel Geld Draghi druckt, ob Schäubles Null schwarz ist oder ob die Südeuropäer aus dem Euro austreten.

  3. Wolfgang Prabel

    Das Problem des deutschen Betriebs, der eine Millionenforderung gegenüber einem italienischen Kunden hat, muß schon einen relativ großen Betrieb betreffen mit einer ordentlichen Bilanzsumme. Es gibt übrigens auch Italiener, die Forerungen gegenüber deutschen Schuldnern haben. Das sind beides betriebswirtschaftliche Nebenkriegsschauplätze. Das eigentliche Problem ist: was passiert mit den Targetsalden bei einer Scheidung ???
    Ansonsten, vielen Dank für den Eintrag, Herr Schäffler! Auch wenn Sie derzeit noch von der FDP sind!

Einen Kommentar schreiben

Copyright © 2017 by: antibuerokratieteam.net • Template by: BlogPimp • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.