Angesichts der aktuellen Nachricht, dass die EEG-Umlage nächstes Jahr von 6,17 Eurocent/kWh auf 6,35 Eurocent/kWh steigen soll, wird Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel vorgeworfen, er habe die Energiewende-Kosten nicht im Griff. Hat er auch nicht, daran gibt es nichts zu rütteln. Doch anders als die Reformrethorik der vergangenen Jahre suggeriert, hat sich die Bundesregierung auch nie wirklich darum bemüht. Insofern verwundert es auch nicht, dass das BMWI ein dreiprozentiges Wachstum der EEG-Umlage als Stabilisierung feiert.

Wie soll die EEG-Umlage angesichts eines Ziel von 40 bis 45 % Erneuerbare Energien (EE) am Gesamtstromverbrauch bis 2025 bzw. gar 55 bis 60 % bis 35 Prozent auch fallen? Ohne Subventionen wird kein Strom in diesem Umfang aus Wind, Sonne, Biomasse und Wasser zu gewinnen sein. Deshalb wird sich die Förderung auch weiterhin am Grad der Zielerreichung ausrichten, statt kontinuierlich zu sinken. So erhalten zum Beispiel, anders als in den Jahren zuvor, neu errichtete Photovoltaikanlagen bis zu 10 Kilowatt installierter Leistung bis Ende des Jahres keine geringeren Vergütungssätze als Neuanlagen aus dem Vormonat, weil die diesjährigen Ausbauziele bei der Photovoltaik nicht erreicht wurden. Auch der Wettbewerb um die Fördermittel mittels Ausschreibungen ist Augenwischerei, denn es werden solange Förderzusagen versteigert bis Deutschland mit EE-Anlagen zugebaut ist. Es wird dabei stets genug gezahlt, dass es sich für die Bieter rechnet. Das Ausbauziel interessiert die Bundesregierung am Ende mehr als der bezahlbare Strom.

Auch wenn die Kostendegression bei den EE noch lange nicht ausgeschöpft sein mag, in unseren Breiten ist nicht mit langfristigen Durchschnittskosten zu rechnen, die die EE in Relation zu fossilen Kraftwerken auf absehbare Zeit wettbewerbsfähig machen. Selbst bei Stromgestehungskosten von gut 8 Eurocent/kWh für die Photovoltaik, wie die Förderauktionen für Flächenanlagen inzwischen offenbaren, ist das nicht der Fall. Zweifel an einem dauerhaften Abwärtstrend sind ohnehin angebracht, denn weiter sinkende Anlagenpreise sind das eine, rentable Standorte das andere. Die günstigsten Standorte sind über die Jahre bereits besetzt, die Investoren müssen sich mit immer schlechteren Wind- und Sonnenbedingungen begnügen, ein Kostenfaktor, dem nur in Grenzen mit billiger Technik beizukommen ist. Wenn der Preis fossiler Energieträger wieder steigen sollte, wird EE-Strom also nicht viel billiger, sondern bestenfalls weniger teurer als konventionell hergestellter. Dann mag zwar die EEG-Umlage als Differenz zwischen Börsenpreis und Festvergütung wieder etwas sinken, die Kosten der Stromerzeugung aber nicht. Die Strompreise werden weiter steigen.

Es nützt auch nichts, dass schon heute der Strom aus EE die Börsenpreise senkt, weil die Produktion mangels Steuerbarkeit und Abnahmegarantie billig am Spotmarkt verramscht werden muss. Die Anlagen können die Marktpreise nur drücken, weil ihre Fixkosten mit der EEG-Umlage gedeckt werden. Sinkt in Zukunft der Stromverbrauch, weil die Strompreise und Bundesregierung Bürger und Wirtschaft dazu zwingen, ist etwas weniger zusätzlich installierte Leistung erforderlich, was aber die Kosten nur unwesentlich dämpfen wird. Nicht zu vergessen sind solche Kosten der Energiewende, die durch den Netzausbau und das Vorhalten von Reservekapazitäten für Windflaute und bewölkten Himmel entstehen. Auch bei geringerem Stromverbrauch werden sie nicht wesentlich geringer, weshalb sie sich immer stärker auf die Strompreise auswirken werden.

Der Kostenanstieg der Energiewende scheint unaufhaltsam. Minister Gabriel und seine Nachfolger werden dennoch stolz verkünden, sie hätten zwar nicht die Strompreise, aber zumindest ihre Wachstumsrate stabilisiert.

Bild: eeg-milchmaedchenrechner