Über die Zwangs-Kollektivierung von Identität und weitere Probleme.

In vielen anderen Ländern Europas und der Welt, die Frage nach der nationalen Identität gestellt. „Wer sind wir? Oder besser gesagt: Wer möchten wir eigentlich sein?“, wird hitzig und populistisch diskutiert. In Wahrheit ist die Frage falsch gestellt. In Wahrheit, müsste die Frage lauten: „Was wollen wir sein?“. Wenn gesellschaftliches Miteinander funktionieren will, kann es darauf nur eine einzige Antwort geben. Frei.

Faktum ist: Ein jeder Mensch ist ein Individuum. Es kann niemals irgendwo und irgendwann eine zwangskollektivistische Identität geben, die es vermag, die Tatsache weg zu wischen, dass Identität eine Frage der individuellen Persönlichkeit ist. Das Recht auf Freiheit qua Selbsteigentum erlaubt es dem Individuum, sich freiwillig als Mensch mit einer Bewegung oder einem Interesse zu identifizieren. Freiwillige Identifikation ist die einzig legitime Form von Identität. Jede zwangskollektivistische Form, die durch Androhung oder Ausübung von (staatlicher) Gewalt darin unterstützt, Individuen zu einer Konformität zu zwingen, die nicht der persönlichen Natur und des Selbstbestimmungsrechts des Individuums obliegen, ist ein Unrecht.

Hans ist Hans, Klaus ist Klaus, Peter ist Peter. Sie alle haben ihr eigenes Wesen, ihre Identität. Sie alle fühlen sich zugehörig zu einer Bewegung oder einem Interesse auch sie fühlen sich nicht zugehörig. Vielleicht gibt es zwischen ihnen Überschneidungen, doch sind diese nicht zwingend. Sie können auch sehr gegensätzliche Menschenwesen sein.

Kulturelle Einflüsse können eine Identität mitbestimmen, aber das ist nicht determinierbar. In einer Kultur der Aufklärung wird es immer Menschen geben, die ihre eigenen Vorstellungen von der Welt haben, genauso wie es andersherum in einer Kultur der Verklärung Menschen gibt, aus denen heraus ein Gegentrend geboren wird. Kultur ist kein Automatismus. Eher ist es ein Kompass, der mal mehr und mal weniger Einfluss auf die Orientierung des Individuums nimmt. Da Menschen Individuen sind, verbietet sich die Frage nach einer absolutistischen Formel. Die einzig legitime, weil mit dem Recht und der Wissenschaft über das menschliche Wesen in Einklang stehende Formel „wer wir sind“ kann daher nur lauten: „Wir sind Individuen !“.

Die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft brachte bei ´Mao´s großem Sprung nach vorn`, Millionen Hungertote in China. Die Zwangsinflation der Zentralbanken hat im Laufe der Menschheitsgeschichte Kriege finanziert, reiche Menschen reicher und arme Menschen ärmer gemacht und im Zuge der durch sie verursachten Wirtschaftskrisen, tiefgreifende politische und gesellschaftliche Umwälzungen gebracht die oft genug mit großem Leid einhergegangen sind. Die Zwangs-Kollektivierung von Identität verursacht Konflikte zwischen Menschen. Nämlich zwischen denen, die sich mit dem Inhalt des Zwanges identifizieren können oder wollen und jenen, die das nicht können oder wollen. Es verursacht einen Graben zwischen Menschen anstatt dass Gräben zugeschüttet werden. Es produziert Unfrieden anstatt Frieden zu produzieren.

Im selben Maße wie ein kollektivistisches Menschenbild nur im Sinne gleicher Rechte Geltung besitzt, nicht jedoch darüber hinaus, kann auch ein kollektivistisches Wirtschaftsbild nicht funktionieren. Planwirtschaft funktioniert darum nicht, weil es das Faktum, dass der Mensch ein Individuum ist, nicht berücksichtigen oder akzeptieren möchte. Marktwirtschaft, jedoch nur eine freie und keine regulierte, funktioniert darum, weil sie im Einklang mit einer Berücksichtigung oder einer Akzeptanz des individualistischen Menschenbildes steht. Nur weil der Mensch ein Individuum und kein Kollektivum oder ein Nationalum oder sonst was ist, existieren Phänomene wie der Preis, der Zins, Bedürfnisse, unterschiedliche Optionen, Angebot und Nachfrage, Werte und Bewertungen, Erfolge und Misserfolge, Gewinne und Verluste, sowie vieles andere mehr.

Wäre der Mensch kein Individuum sondern ein austauschbares Gleiches, würde kein Mensch mit einem anderen Menschen irgend etwas tauschen. Weder Liebe, noch Gefühle, Gedanken, Worte, Gespräche, noch sonst irgendetwas. Denn jeder Mensch wäre ein Duplikat des nächsten und alle menschliche Handlung wäre darum obsolet. In diesem dystopischen Sinne würde die Existenz eines einzigen Menschen bereits ausreichen um alle anderen Menschen in ihrer Erscheinungsform und detaillierten Ausprägung abzubilden.

Wir leben in einer Zeit die gefährlich ist für Menschen, die an der Wahrheit, an der Aufklärung, am Recht und der Freiheit orientiert sind. Doch zugleich bietet diese Zeit die Chance, liberale Werte wieder zu entdecken und das Joch ihrer Pervertierung abzuschütteln, die sie beispielsweise durch eine Phase des Neo-Liberalismus erfahren hat. Es ist möglich und im Bereich jedes einzelnen der diese Worte liest, anhand der Geschichte des Liberalismus, jene Werte der Freiheit zurück zu erobern und sie als wärmende Fackel in die Welt zu tragen, ausgehend von genau dem Zeitpunkt an, als der Neo-Liberalismus sich von der Tradition des klassischen Liberalismus losgesagt hat. Der Neo-Liberalismus hat viele anti-liberale Entwicklungen nicht nur nicht verhindert sondern sie sogar unterstützt und damit liberale Werte preis gegeben. Das Neo hat den Liberalismus verunglimpft. Daraus erwuchs eine zeitweilige Orientierungslosigkeit der Menschen, die sich fortan nur noch in einer links-rechts Dichotomie gegenseitig bekämpft, ohne dass ihnen auffällt, wie sehr beide die Freiheit des Individuums an die Allmacht des Staates verkaufen. Denn eines muss jedem bewusst sein. Eine staatliche Allmacht kann kein Segen für die Freiheit des Menschen sein. Sie ist nur ein Segen für jene, die aufgrund einer staatlichen Allmacht profitieren und von ihr privilegiert werden. Das wiederum sind mitnichten die Ärmeren.

Ludwig von Mises hat die Praxeologie begründet. Sie handelt von der Wissenschaft des menschlichen Handelns. Auch nennt man es Ökonomie. Häufig wird Ökonomie fälschlicherweise als eine reine Geldzählerei betrachtet. Man stellt sich vor, Ökonomie sei nur ein anderer Name für Buchhaltung, in der Soll und Haben einander gegenübergestellt werden. Doch dem ist nicht so. Ökonomie/ Praxeologie als Wissenschaft vom menschlichen Handeln erläutert, dass Handlungen sich auf alles beziehen. Der Einzelne Mensch steht im Mittelpunkt. Aus dieser Perspektive erst erschließt sich die kapitalistische Theorie einer wohlhabenden Gesellschaft. Eine Theorie die Heute darum im Irrtum scheint, weil sie in Wirklichkeit gar nicht in ihrer Vollständigkeit praktiziert wird. Staatliche Eingriffe, so genannte zwangskollektivierte gesetzliche Bestimmungen, Vorschriften, Regulierungen plus Steuern und Abgaben, sowie der Zwangs-Inflation der Zentralbank, haben mit freien Kapitalismus nichts zu tun. Sie werden dem Kapitalismus auf oktroyiert, der wiederum zu stottern anfängt, in Folge dessen Arbeitslose und Verzerrungen hervorbringt und aus dem Gleichgewicht gerät, sodass er am Ende durch die Menschen in Frage gestellt wird, und – gleich mit – das gesamte dahinter liegende Menschenbild.

Daraufhin wäre der Weg frei in eine zwangskollektivierte Wirtschaftsdiktatur, genannt Planwirtschaft, mitsamt ihrem ihr zugrunde liegendem kollektivistischen Menschenbild.

Ergebnis ? Freiheit au revoir.

Keine gute Idee.

Tommy Casagrande, Österreicher im doppelten Sinne, schreibt schon länger bei unseren Bloggerkollegen von Freitum. In letzter Zeit eher weniger. Dafür hat er sicher Gründe. Ebenso wie wir hier gute Gründe haben, uns zu freuen, dass Tommy diesen Debattenbeitrag bei antibuerokratieteam.net eingereicht hat :-)