Man muss mittlerweile in fast jedem einst westlichem Land die Sorge haben, am nächsten Morgen nicht in einer Diktatur aufzuwachen. Jeder terroristische Anschlag vermag sein Ziel zu erreichen – die Umformung des westlichen Kerns individueller Freiheit (die nicht in Reinform sondern mit Abstrichen existierte) – in ein kollektivistisch, totalitär organisiertes Staatswesen in dem ein Bürger (wenn er dann das falsche denkt oder das falsche sagt) mindestens genauso große Angst vor der eigenen Regierung haben muss wie vor ausländischem Terror, die Massen bejubeln den Ansatz dieser Entwicklung, halten diese Entwicklung für den geeigneten Weg, ein auf Freiheit gegründetes Lebensmodell zu bewahren. Doch ich widerspreche. Gar nichts werdet ihr bewahren. Ihr werdet vielmehr zerstören, was ihr vorgebt bewahren zu wollen. Der terroristische Akt ist der Anreiz um gesellschaftliche Freiheiten und Bürgerrechte abzubauen. Die Regierungen vollenden diese Vorlage.

Was ist das eigentlich für eine Verteidigung gegen den Terrorismus, wenn die eigene Regierung einem den bisherigen Lebensstil nach und nach untersagt und bislang verkörperte Werte, die nach propagandistischer Lesart der Terroristen das anzugreifende Ziel sind, von den Beschlüssen und Maßnahmen der eigenen Regierung unterwandert werden?

Weiter gedacht. Theoretisch ist es denkbar, dass auch die Forderung von Privatsphäre und eine Absage an die Totalüberwachung des Individuums durch den Staat zu einer Position des Tabu wird. Wer gegen eine Totalüberwachung von Individuen sich ausspricht und stattdessen der Privatsphäre des Individuums das Wort redet, der lädt geradezu all jene ein, die nichts gutes im Sinn haben, Anschläge und böse Taten zu planen. Nur eine rigorose Abschaffung jedweder Privatsphäre kann im Interesse der Nation sein. Oder wie es vermutlich Llewellyn H. Rockwell in Anlehnung an seine Aussage „offene Staatsgrenzen sind eine Eigentumsverletzung“ ausdrücken würde: „Privatsphäre ist Eigentumsverletzung“. Prompt würde das Mises-Institut in München eine Übersetzung bereit legen, sodass jeder den Eindruck gewinnen kann, dass Ludwig von Mises höchst persönlich sich gegen Privatsphäre und für die staatliche Totalüberwachung ausgesprochen haben musste.

Im Lande Erdogans beispielsweise wäre jemand, der sich für Privatsphäre einsetzt wohl gleich ein Terrorist. Er müsste keinen Anschlag mehr begehen. Es genügt bereits Freiheit zu fordern, um unterstellt zu bekommen, dass diese auch den bösen Menschen dient. Und da man niemals wissen kann, wer sich zu einem bösen Menschen entwickeln kann, muss jeder Mensch konsequent überwacht werden. Es muss überwacht werden, was jemand sagt – und im besten Falle, was jemand denkt.

Der Terrorismus wird sein Ziel, die westlichen Gesellschaften zu zerstören, definitiv erreichen. Aber nicht, weil der Terrorismus ein übermächtiger Gegner wäre, sondern weil unsere Regierungen ihm dabei helfen. Rechtspopulisten an der Macht beschleunigen die Geschwindigkeit noch einmal, weil sie dem Staat Werkzeuge in die Hand legen wollen mit denen nach und nach keine bürgerliche Freiheit mehr sicher sein kann.

Merke: Durch die Beseitigung von X, kann man nicht gleichzeitig X bewahren. Einen Kuchen kann man nicht gleichzeitig essen und aufbewahren.