Die um sich greifende Blindheit auf einem Auge scheint sich zur Volkskrankeit Nummer 1 ausbreiten zu wollen. Immer wieder geistern auf FB verkürzte Slogans durch die Weiten der virtuellen Realität. Da heißt es dann schonmal: „Mehr Migration ist mehr Gewalt“. Die Zuwanderung wird an sich bereits als kriminelle Handlung gleichgesetzt. Noch bevor etwas kriminelles passiert, steht das Urteil des rechtspopulistischen Richters.

Diese sogenannten Rechtspopulisten berufen sich gerne auf den Wert der Freiheit, während sie ihn dort bekämpfen, wo er ihre Interessen anficht.

Würde jemand den Slogan verbreiten „Zucker und Fett töten Menschen“, weil natürlich es Menschen gibt, die aufgrund ihres Konsums von Zucker und Fett an Krankheiten leiden oder auch (bzw. in Folge der Krankheiten) ihr Leben verlieren, so gingen die selben Menschen, die an einer Gleichsetzung von Zuwanderung und Gewalt ein politisch zu instrumentalisierendes Interesse bekunden, auf die Barrikaden und empören sich lauthals.

Joseph T. Salerno vom Mises-Instut in Auburn (Alabama; USA) sieht in offenen Staatsgrenzen an sich die Gleichsetzung zwischen Zuwanderung und Eigentumsverletzung.

Ich wage zu behaupten, wenn China einst die Ein-Kind-Politik damit begründet hätte, dass Geburtenkontrolle ein Schutz von Eigentumsrechten sei, weil die chinesische Regierung hätte behaupten können, dass mehr Menschen = mehr Eigentumsverletzung bedeutet, Joseph T. Salerno widersprochen hätte. Zumindest hoffe ich sehr, dass er widersprochen hätte.

Es ist eine an Dreistigkeit kaum zu überbietende Handlung (aber sag niemals nie !), dass Joseph T. Salerno in seinem ideologischem Pamphlet für geschlossene Staatsgrenzen und eines monokulturellen Zusammenlebens Ludwig von Mises mit aus dem Kontext gerissenen Zitaten in den Zeugenstand für seine Manipulierung der denkenden Leserschaft geholt hatte.

Ludwig von Mises habe laut Joseph T. Salerno in Frage gestellt, dass Menschen mit kulturellen Diversitäten auf friedlichem Wege zusammen leben könnten und sogar vertreten, dass es nicht passieren solle. Selbst wenn die Märkte frei wären, so gäbe es in einer Gesellschaft mit kultureller Vielfalt keinen Frieden, soll Mises als Vertreter des Liberalismus behauptet haben. Natürlich hat Joseph T. Salerno die Aussagen von Mises mit der Präzision eines listigen Chirurgen seziert und in sein eigenes Pamphlet übertragen um vorzutäuschen, Mises habe eine Politik geschlossener Staatsgrenzen und kultureller Monothonie vertreten.

Die Wahrheit ist aber, Ludwig von Mises wäre der letzte Mensch auf Erden gewesen, der eine solche Position vertreten hätte. Was Mises aufgriff war eine Analyse und Kritik der staatlichen Rahmenbedingungen unter denen Menschen mit unterschiedlicher Kultur lebten und leben, wohlgemerkt NICHT, dass die Menschen, die miteinander oder nebeneinander leben, unterschiedlicher Kultur SIND.

Der Begriff „bunt“ wird immer öfter als politischer Kampfbegriff gebraucht und missbraucht. Doch wer, wenn er die Wahl hat, würde wirklich eine konformierte „graue“ Gesellschaft bevorzugen, die auch in allerlei anderen Aspekten wenig Vielfalt und Farbe zuließe ? Meinen die Kritiker dessen, was sie als „bunt“ bezeichnen, wirklich eine Gesellschaft der Vielfalt, wenn sie Kritik üben oder üben sie nicht in Wirklichkeit darum Kritik, weil die Gesellschaft in der wir leben, nicht bunt genug ist – definiert als Vielfalt von Möglichkeiten, Chancen und Freiheiten ? Dann aber ist ihr Pfad des Ausschlusses von Menschen und der rethorischen Agitation von allerlei Grenzen ein törichter – geradezu inkonsistenter – Weg, wenn insgeheim einen die Sehnsucht nach Öffnung und Freiraum treibt.

Die Reflexion vieler empfinde ich als gering ausgebildet und Äußerungen verharren in einem obszönen Zustand zwischen Fußnagel und Fußnagelbett. Eine ernstgemeinte Sehnsucht nach einer besseren Zukunft für Menschen setzt dort an, wo gleiche Rechte vertreten werden. Der Ausschluss von Menschen kann und darf notwendigerweise nur dort erfolgen, wo Privateigentum gültig ist. Da dies bei einem staatlichen Territorium als quasi Käfighaltung nicht gegeben ist, mildert der Kampf um die Bewirtschaftung des Käfigs nicht das grundsätzliche Problem eines als öffentlich deklarierten im Staatseigentum befindlichen Lebensraumes.