Der aktuell wichtigste Bestandteil der deutschen Leitkultur ist der Hass auf und die Verachtung für den Präsidenten der USA. Ich finde übrigens den Großteil seiner Politik (z.B. Protektionismus, Mauer, Fortsetzung des Kriegs gegen die Drogen) sehr schlecht, einige andere Entscheidungen dagegen ganz gut (z.B.  Versuche der Deregulierung der Wirtschaft, Entstaatlichung der Luftraumkontrolle im zivilen Bereich, Ernennung des neuen Richters am obersten Gerichtshof). Doch Hass und Verachtung der überzeugten Demokraten und Anhänger der europäischen Werteordnung kennen keine Grenzen. Dieser Hass lässt tief blicken, besonders dann, wenn man ihn mit der Bewertung anderer Politiker durch dieselben Meinungsbildner vergleicht.

Eines der Leitmedien, das gemeinsam mit seinen Lesern immer auf der richtigen Seite steht, ist SPON. Die Website berichtet über Trumps Besuch in Warschau, über den man, so der Beitrag, in Berlin und anderen europäischen Hauptstädten besorgt sei. Er wolle damit einen Keil zwischen die EU-Staaten treiben. Welche kranke Logik steht hinter diesem Argument? Der Präsident des Landes, das in jeder Hinsicht die größten Kosten für die Verteidigung der europäischen Demokratien trägt, reist in ein Mitgliedsland und spaltet diese auf diese Weise. Wahrscheinlich ist die Gefahr, dass Polen aus dem entschiedenen Widerstand, den nach Meinung der SPD-Führung jeder gute Deutsche und gute Europäer Trump gegenüber leisten müsse, ausscheren könnte? Ich wusste es schon immer, die Polen sind keine richtigen Europäer!

Trump hat in seiner Rede übrigens Russland als destabilisierenden Faktor für Europa bezeichnet. Keine besonders schwierig zu gewinnende und natürlich richtige Erkenntnis, die aber von vielen Politikern innerhalb der EU nicht geteilt wird. Ich erinnere mich noch mit Grauen daran, wie der damalige Außenminister Steinmeier vor Säbelrasseln gegenüber Russland gewarnt hat. Mit Säbelrasseln meinte er einige Manöver und eine eher symbolische Truppenpräsenz der NATO in Ländern, die an Russland grenzen und an deren Grenze Russland Truppen in ganz anderer Größenordnung aufmarschieren lässt. Damit könnte man Russland provozieren, das in den Träumen vieler als Wertepartner und Stabilisierungsfaktor wirken soll. Genau, Herr Steinmeier. Und so jemand ist Bundespräsident. Das ist komischerweise niemandem peinlich.

Und wenn Trump erwähnt, dass Polen einen größeren finanziellen Beitrag zur NATO leistet als viele andere, so ist das sein gutes Recht. Allerdings: Die Polen sind ja auch keine richtigen Europäer, sonst würden sie Widerstand leisten.

Doch der Hass auf Trump, bei dem alle Maßstäbe verlorengehen (oder sich die eigentlichen Maßstäbe zeigen) bringt weitere Blüten hervor: Trump ist der umstrittenste Teilnehmer am G20-Gipfel, konstatiert SPON. Und das ist sogar eine korrekte Beschreibung der Diskussionslage in Deutschland. Gegen ihn muss Widerstand geleistet werden. Gegen die anderen Teilnehmer eher nicht. Mit denen pflegt Deutschland eine Wertepartnerschaft, außerdem sind sie ja für besseres Klima: die Herrscher Chinas, Russlands, Saudi-Arabiens und der Türkei zum Beispiel. Sie sind ja nicht umstritten.