Ich habe gerade das Bild von Staff Sgt. Maj. Ha’il Satawi gesehen. Wie er seinen heute zwei Wochen alten Sohn im Arm hält. Das Bild wurde kurz nach der Geburt im Spital aufgenommen. Ein Bild voller Zärtlichkeit, voller Liebe, voller Schutz und voller Vertrauen.

Ich sehe Ha’il vor mir, wie er jeden Abend, wenn er heimkommt, nach seinem kleinen Sohn schaut, wie er von dessen Zukunft träumt.

Das Bild hat mich wütend und unheimlich traurig gemacht.

Nichts davon wird mehr sein. Alle Pläne, die Ha’il und seine Frau hatten, wurden vorgestern zerstört, in einem brutalen Terrorakt. Seine Eltern, seine Frau und seine drei Brüder, müssen damit lernen zu leben. Ha’il hat schon seinen Militärdienst bei der Grenzpolizei absolviert und trat anschliessend im Jahr 2012 den regulären Dienst bei der Einheit an, die für die Sicherheit am Tempelberg zuständig ist.

Der zweite Tote, Staff Sgt. Maj. Kamil Shnaan, der jüngere der beiden, war noch nicht verheiratet. Für diese Woche war die Verlobungsparty für ihn und seine Freundin geplant. Als Überraschung. Für die junge Frau muss sein plötzlicher Tod traumatisch sein. Auch seine Eltern, sein Bruder und seine drei Schwestern können das Unfassbare noch nicht fassen. Kamil war erst seit sieben Monaten bei der Einheit.

Sie waren Kameraden in ihrem Dienst für Israel. Ihre tägliche Aufgabe war es, für die Besucher der Altstadt und besonders für die der Besucher auf dem Tempelberg zu sorgen. Sie leisteten ihren Dienst mit Besonnenheit und immer mit höchster Konzentration. Der Einsatzort am Tempelberg ist ein besonders harter. Es kann jederzeit zu Spannungen kommen, die dann in unkontrollierte Gewaltexzesse ausarten.

Beide Ermordete waren Drusen. Zwischen Drusen und Juden herrscht ein gutes Verhältnis. Zahlreiche junge Drusen leisten freiwillig ihren Wehrdienst ab, bei der IDF, aber auch bei der Grenzpolizei. Bei der IDF gab es bis vor kurzem ein Drusen-Bataillon, das aber auf Wunsch der Soldaten inzwischen aufgelöst und in ein anderes Bataillon integriert wurde.

Beide ermordeten Polizisten wurden noch am Freitagnachmittag in ihren Heimatgemeinden beigesetzt. Beide lebten in einem gemischt jüdisch-arabisch-drusischen Dorf im Galil. Kollegen und Freunde, Politiker aller Parteien nahmen an den bewegenden Zeremonien teil.

Das ist eine der Besonderheiten Israels, dass sich, wann immer ein Soldat oder Polizist im Dienst ermordet wird, was leider gar nicht so selten vorkommt, kein Freund, kein Kollege und auch kein Politiker sich vor der Teilnahme an der Beisetzung drückt, auch wenn zwei Stunden später der Schabbat beginnt.

Es gibt ein Video, das den Überfall zeigt. Ha’il und sein Kollege sitzen ganz entspannt an ihrem Wachposten, neben sich das unverzichtbare Styroporgefäss mit kaltem Wasser. Es ist Freitagmorgen, es ist noch früh, erst gegen sieben Uhr. Und es ist heiss. Vor ihnen liegen einige harte Stunden, aber dann geht es nach Hause. Auf einmal sind die Mörder da, die Terroristen. Sie kommen aus der Richtung des Tempelberges, nehmen es in Kauf, dass ihnen unmittelbar, bevor sie in den engen Durchgang stürmen, ein Mann entgegenkommt.

Sie greifen die beiden Polizisten hinterhältig an und verletzen sie schwer. Ein dritter Polizist wird leicht verwundet. Die beiden Schwerverletzten werden noch vor Ort erstversorgt, erliegen aber kurz nach der Einlieferung im Spital ihren Wunden.

Die Angreifer flüchten, suchen Schutz auf dem Tempelberg, stürzen, einer von ihnen springt wieder auf die Füsse, macht noch einmal einen Angriffsversuch gegen die Polizisten und wird nun, man kann es deutlich hören, mit gezieltem Feuer neutralisiert. Hätten statt den drei Terroristen weitere Polizisten sterben sollen? Dieses Video findet sofort seinen Weg durch das Internet.

Die Polizei riegelte den Tempelberg sofort ab. Kein Freitagsgebet sollte und würde dort stattfinden. Es war keine Schikane gegen die Muslims, die diese Vorgangsweise erzwang. Es war die Sorge, ob noch mehr Waffen auf den Tempelberg geschmuggelt worden waren, wie es in diesem Fall offensichtlich geschehen war.

Aufgebrachte Muslims, die immer noch glaubten im Recht zu sein, hielten ihre Freitagsgebete auf dem Parkplatz vor dem südlichen Löwentor ab. Heute am Sonntag wird der Tempelberg wahrscheinlich wieder für die Öffentlichkeit freigegeben.

Der Obermufti von Jerusalem schien zwischenzeitlich wie ein Irrer um dem Tempelberg gerannt zu sein, in der Hoffnung, doch noch irgendwo ein Schlupfloch zu finden, das ihm den Zutritt auf das Plateau ermöglichte. Stattdessen wurde er festgenommen und erst nach Stunden gegen eine Kaution von NIS 10.000 wieder freigelassen. Er hatte zwischenzeitlich erbeten, gefaucht, gefordert und verlangt, dass der Tempelberg sofort wieder für alle Muslims geöffnet würde.

Jordanien protestierte und verlangte die sofortige Öffnung des Tempelberges, Abbas konnte es sich auch nicht verkneifen, sein Veto einzulegen; die Arabische Liga protestierte auf das Allerheftigste und warnte, den „Staus Quo“ auf dem Tempelberg nicht zu verändern (was PM Netanyahu bereits zugesagt hat). Aber den Terrorakt haben sie nicht verurteilt. Man mag nur neugierig sein, wann die UN sich meldet.

Die drei Terroristen stammen aus der im Zentralbezirk gelegenen Stadt Um-el Fahm, die als Keimzelle des Hamasterrors in Israel bekannt ist. Sie waren israelische Bürger. Das traditionelle Trauerzelt, welches von Arabern anlässlich der Trauerzeremonien der aufgebaut wird, wurde am Samstag Vormittag von Polizisten abgerissen. Und das ist gut so.


© esther scheiner, israel

Bild: Druze memorial in Daliyat al-Karmel (John J. McGough) [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons