Man hört und liest es immer wieder. Die bange Frage ob das Bruttoinlandsprodukt eher gefallen oder gestiegen ist. Einem Orakel gleich, dass einem die Vorsehung über künftige Lebensbedingungen verspricht, scharen sich Politiker, Statistiker und Teile der Bevölkerung um die neuesten Zahlen und Daten. Steigt es, geht ein erleichtertes Raunen, der Knall eines vom Herzen fallenden Obelisken durch den Raum. Sinkt es, werden ruckartig die Gesichter fahl und die Herzschrittmacher drohen ersetzt zu werden.

Was die Menschen allesamt ungern bedenken ist die Tatsache, dass das BIP nur bedingt aussagekräftig ist. Will man gemessen an wissenschaftlichem Denken das BIP analysieren, so muss man es differenzieren. Eine Begrifflichkeit, die gerade in Zeiten, wo sich Populismen aller Couleur gegenseitig zu übertreffen versuchen, – wen verwundert´s ? – recht unpoplär erscheint.

Einerseits speist sich das BIP sehr wohl aus den Unternehmungen der Menschen und bildet somit das Wachstum unserer regulierten (=unfreien) Marktwirtschaft ab. Gemessen an einem frei zu Stande kommenden BIP, kann es einmal zu niedrig sein. Hierbei lässt sich davon ausgehen, dass staatliche Behinderungen des Geld verdienen dürfens und könnens, sprich – des unternehmerisch tätig sein dürfens, nur eingeschränkt zulässig sind. Klarerweise kann bei den unteren Bevölkerungsschichten nicht viel Wohlstand sich mehren, da staatliche Eingriffe ihrem Wesen nach immer die unteren Bevölkerungsschichten am stärksten treffen.

Andererseits speist sich das BIP auch aus staatlichen Eingriffen in die wirtschaftlichen Verflechtungen mit der Absicht, diese zu steigern. Gemessen an einem frei zu Stande kommenden BIP, kann es darum auch zu hoch sein. Staatsverschuldungen nehmen hierbei zu, weil staatliche Unternehmen beispielsweise Wohnungen, Infrastrukturen etc. bauen um die Konjunkturdaten anzukurbeln. Der Wohlstand jedoch wird dabei nicht gefördert (sondern verbraucht, da die aufgewendeten Ressourcen nicht auf freiwilliger Grundlage von Angebot und Nachfrage entwendet werden) und Menschen beklagen, dass das wirtschaftliche Wachstum bei ihnen gar nicht ankommt.

Auch private Unternehmen können durch die willkürliche Setzung des Leitzinses der Zentralbanken zu einer Konjunkturankurbelung angeregt werden, allerdings widerum auf Kosten von privaten Verschuldungen und einer steigenden Teuerungsrate, welche die Einkommen von den ärmeren zu den wohlhabenderen Schichten der Bevölkerung umverteilt. In Folge dieses Prozesses bei dem es zu enormen Schieflagen der strukturellen Prozesse gelangt, kommt es unweigerlich früher oder später zu einem Anpassungsprozess der sich in einer Wirtschaftskrise zu bereinigen sucht, wenn keine staatlichen Eingriffe diesen Gesundungsprozess behindern.

Das BIP kann gemessen an einem frei zu Stande kommendem BIP zu hoch oder zu niedrig sein. Wo es genau liegen würde, kann man nicht wissen, denn es kann sich fortlaufend ändern, da es den menschlichen Handlungen unterworfen ist und diese sind bekanntlich spontan-dynamisch und auf die Zukunft gerichtet unvorhersehbar. Es ist somit das gleiche, was sich über einen freien Zins (den Preis für das Geld) und den Preis von Gütern und Dienstleistungen oder allem anderen sagen lässt.

Damit es ein Wachstum geben kann, dessen Wohlstand bei allen Menschen ankommt, muss der Markt frei sein. Er darf weder durch staatliche Eingriffe gebremst, noch andersherum angekurbelt werden. Zudem ist die Orientierung an der Höhe des BIP vollkommen irrelevant, denn freie Menschen entscheiden für sich selbst, wieviel wirtschaftliche Verflechtungen quantitativ und welcher Art qualitativ sie mit ihrer Umgebung und der Welt eingehen möchten. Daraus entstünde dann ein BIP, dass im steten Wandel die menschlichen Bedürfnisse abbildet. Heutzutage wird das BIP schon im Vorhinein von Hohepriestern einer statischen Wirtschaftsbetrachtung angestrebt, denen die menschlichen Handlungen Folge zu leisten haben. Menschliche Handlungen sind in ihren Betrachtungen nur der Mittel zum Zweck, das gewünschte BIP zu erlangen. In einer freien Gesellschaft mit einer freien Ökonomie wäre es genau andersherum. Die Menschen handeln in Freiheit und es würde niemanden kümmern wo das BIP sich gerade befindet, so lange jeder die Freiheit hätte, sein Leben durch unternehmerische Tätigkeiten verbessern zu können/dürfen. Das BIP, wenn es jemanden interessieren würde, wäre stets im Nachhinein im Fokus der Betrachtung und nicht im Vorhinein.

Der gegenwärtige Glaube an das BIP, wie er abgebildet wird in und durch Medien, Menschen, Politiker, Universitäten, ist ein Mythos. Dieser Mythos gehört in das Reich der Fabelwesen und der Voodoo-Ökonomie.