Ich sage es gleich vorweg. Hoffentlich lege ich den werten Herren und Frauen Rechtspopulisten damit keine neue, knackige Idee in den Mund. Genauso wenig wünsche ich mir, hier eine Vorahnung auszusprechen, die sich bestätigt, weil ich von treffsicheren Instinkten geleitet werde. Hoffentlich bleiben es nur Gedanken, die ich versuche zu formulieren.

Müssten nicht auch all jene, die dafür eintreten, dass Grenzen vor dem Übertritt von Menschen geschützt werden, in konsequenter Weise nicht auch sich gegen globale, unregulierte Geldströme aussprechen ? Müssten die gleichen Menschen, die – man beachte – sich „libertär“ nennen oder genannt haben, nicht auch Grenzen und Wachposten aufstellen um den globalen Strom von Geld und Kapital, der ungehindert über die Landesgrenzen hinweg schwappen und überfluten kann, zu verhindern ? Nationales Geld, nationales Kapital, umgeben von Landesgrenzen. Ist das nicht die nächste Stufe einer Denkweise die damit anfängt, Menschen an Grenzen abzuweisen ? Wenn man sich die fiskalische Welt ansieht, so schöpfen Zentralbanken Geld (meist in Form durch Kredit) durch die Setzung künstlicher niedriger Zinsen. Das globale Fiat-Money Geld fließt über die Grenzen der Länder hinweg und sorgt für Preissteigerungen. Chinesische Unternehmer investieren in London und Vancouver oder wie die arabischen Scheichs in den Fussball. Immobilienpreise, Lebenshaltungskosten, Transfersummen, alles kennt nur eine Richtung – nach oben. Alles wird teurer. Immer mehr Menschen kritisieren die Preisanstiege, suchen Sündenböcke die keine sind, suchen aber nach Ursachen und Schuldigen, auch wenn sie dabei oft in´s Klo greifen. Liegt es nicht nahe, dass irgendwann die erste Stimme sich erhebt, die zuvor „nur“ die Flüchtlinge an den Landesgrenzen abweisen wollte, die plötzlich im Fortgang ihrer inneren Etatisierung zur „Erleuchtung“ gelangt, die wohl eher einer Blendung unterliegt, die dann für eine Beschränkung globaler Geld und Kapitalströme sich ausspricht ? Geld und Kapital solle nur innerhalb der nationalen Grenzen florieren, wird sie sagen. Am besten wohl Geld und Kapital mit blonden Haaren und blauen Augen und dementsprechend ohne Migrationshintergrund, wird sie meinen.

Eine freie Marktwirtschaft käme mit globalen Geld- und Kapitalströmen am besten zurecht. Auch die unteren Schichten, die in einem solchen Falle eine Deregulierung des Marktes bedürfen. Doch Herr und Frau Realpolitiker, die bereits in den Köpfen dieser, respektive ehemaliger „Libertärer“ einen Nistplatz gesucht und gefunden haben, werden ausbrüten, dass es nunmal keine freie Marktwirtschaft gibt und man in bester reaktionärer Manier eine seichte Reaktion auf die Gegenwart geben müsse. Tiefgreifende Analysen kosten zu viel denkapparatischen Aufwand und die Energie geht einem dann flöten. Wird sie doch für´s pöbeln und hetzen viel dringender benötigt.

Das Argument gegen Flüchtlinge und für die Absicherung von Landesgrenzen begann damit, dass postuliert wurde, die Flüchtlinge werden in den Sozialstaat einwandern und da es keine freie Marktwirtschaft gibt, müssen sie an den Grenzen abgewehrt werden, da sonst der Staat aktiviert wird, größer zu werden. Dass die Sicherung von Landesgrenzen auch Ressourcen benötigt, die in einer Marktwirtschaft dienlicher eingesetzt würden, hat man natürlich geflissentlich ignoriert. Punkt ist jedoch, dass es die realpolitische Betrachtung gewesen sei, die Tatsache keinen freien Markt zu haben, mit dem ein weiterer staatlicher Eingriff aktiviert werden sollte. Die Aufnahme von Flüchtlingen als Möglichkeit zu betrachten, die Märkte zu deregulieren, erschien demnach als unbequem und arbeitsintensiv, denn natürlich weiss niemand ob und wann das gelingen würde, auch wenn man sich noch so sehr einsetzt. Doch mit der realpolitischen Betrachtung, den Ausgangszustand einer staatlichen Überformung heranzuziehen um weitere staatliche Interventionen zu postulieren, lässt sich auch die Forderung nach einer nationalen Grenze für Geld und Kapital aufstellen.