Während meines Studiums hatte ich das Fach Arbeitswissenschaft, dessen Wert – das kann ich heute zugeben – ich erst vollständig erkannt habe, als ich selbst in der Verantwortung war, Arbeitsplätze für Kollegen zu gestalten. Darin wurde auch die Zwei-Faktoren-Theorie nach Herzberg behandelt, eine Theorie, die sich mit der Arbeitsmotivation befaßt. Jedesmal, wenn Politiker wie Martin Schulz versprechen, mehr in die Bildung zu investieren, muss ich daran denken.

An einem Beispiel will ich die Theorie erklären. Angenommen, ein Arbeitgeber würde seinem hoch qualifizierten Arbeitnehmer bei der Gestaltung seines Arbeitsplatzes alle Wünsche erfüllen. Hell, freudlich, ergonomisch optimal, ein kommunikatives Umfeld, falls erwünscht. Und dann läßt er diesen hochqualifizierten Arbeitnehmer den ganzen Tag Briefe frankieren. Ein anderes mal läßt er einen anderen hoch qualifizierten Arbeitnehmer an der heißesten Entwicklung des 21. Jahrhunderts arbeiten, in einem stickigem Raum ohne Fenster. Welcher der beiden Arbeitnehmer ist motivierter?

Genau das wurde von Herzberg untersucht. Herzberg unterteilt in Motivatoren, also Faktoren, die zufrieren oder unzufrieden machen, und Hygienefaktoren, Faktoren die unzufrieden oder nicht unzufrieden machen. Was Motivatoren sind, ist einigermaßen klar. Hygienefaktoren hingegen, tragen nicht zur Zufriedenheit bei, sondern nur zur Unzufriedenheit. Die folgende Abbildung zeigt, dass z.B. Firmenpolitik und Verwaltung größtenteils zur Unzufriedenheit beitragen und recht wenig zur Zufriedenheit, ungefähr so, wie eine saubere Toilette nicht zufrieden macht, weil man das als selbstverständlich ansieht. Eine dreckige Toilette hingegen macht extrem unzufrieden (mich jedenfalls). Schaut man in der Abbildung weiter nach unten, dann sieht man das Arbeitsbedingungen auch Hygienefaktoren sind, da sie prozentuell eher zur Unzufriedenheit beitragen, als zur Zufriedenheit. Nach der Zwei-Faktoren-Theorie von Herzberg wäre der Arbeitnehmer, der im stickigen Raum ohne Fenster an der heißesten Entwicklung des 21. Jahrhunderts arbeitet eher motiviert, weil das Erfolgserlebnis und die Anerkennung seiner Arbeit deutlich höher wiegt, als die Arbeitsbedingungen.

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Als Kind der 70er-Jahre kann ich mich (gerade noch) an meine Schulzeit erinnern. Die Tische und Stühle aus Holz sahen aus, als wären sie noch die Erstausstattung nach dem Krieg gewesen. Unzählige Generationen von Schülern haben sich auf meinem Tisch verewigt (ich natürlich auch). Die Schultoiletten der Jungs konnte man meistens mit geschlossenen Augen finden, einfach der Nase nach. Trotzdem ging ich gerne zur Schule.

Ich bin mir sicher, in Sachen Motivatoren und Hygienefaktoren unterscheiden sich Schüler nicht sehr von Arbeitnehmern. Erfolgserlebnisse motivieren Schüler wie Arbeitnehmer am meisten. Das haben sicher auch Bildungsexperten Politikern in Rot-Grün regierten Bundesländern beigebracht. Die haben daraus Konsequenzen gezogen und Erfolgserlebnisse durch abgesenkte Erwartungen herbeigeführt. Dumm nur, dass damit auch das allgemeine Bildungsniveau sinkt (außer in nicht Rot-Grün regierten Bundesländern). Verglichen mit anderen westlichen Nationen ist Deutschland bildungstechnisch eher unterer Durchschnitt, während asiatische Staaten weiten Vorsprung vor uns haben und weiter gewinnen.

Jetzt will die SPD das Ruder in der Bildungspolitik wieder herum reißen und verspricht kostenlose Bildung von der Kita bis zum Berufsabschluss. Darüber hinaus soll wieder mehr in Schulen investiert werden, d.h. in Gebäude und Schulausstattung. Allerdings hört man nichts darüber, wie das Bildungsniveau wieder angehoben werden soll. Was nützen Schul-Paläste, wenn man den Schülern nichts beibringt?

Dass Manuela Schwesig ihren Sohn auf eine Privatschule schickt, kann ich gut verstehen. Die Rot-Grüne Bildungspolitik ist krachend gescheitert. Man kann nur hoffen, dass die SPD sich nicht bundesweit mit ihren Forderungen nach mehr Zentralismus in der Bildungspolitik durchsetzen kann, weil dies eine weitere Absenkung des ohnehin schon niedrigen Bildungsniveaus zur Folge hätte, da man sich sicher nicht an den höchsten sondern den niedrigsten Bildungsleistungen der Länder orientieren würde.