Auf Misesde, einer mittlerweile etatistisch unterwanderten Plattform, die für sich in Anspruch nimmt, libertäres Gedankengut zu präsentieren, hat der einstmals libertäre Philosoph Hans-Hermann Hoppe öffentlich an seinem eigenem Niedergang teilnehmen lassen.

Dass ihm an libertären Prinzipien nicht mehr so viel zu liegen scheint, lässt sich daraus ablesen, dass er eine zu strenge Orientierung an der libertären Theorie für Ballast hält. Hans-Hermann Hoppe gehört mittlerweile zu einer Achse, die in Rothbards Buch des „Verrates an der amerikanischen Rechten“ ein Äquivalent zu den darin enthaltenen Verrätern bildet.

In Amerika haben einst die Old-Right einen etatistischen Turn aufgrund ihrer Angstschürerei vor dem Kommunismus erfahren und jedes libertäre Ideal den realpolitischen Optionen und Erwägungen unterworfen.

Gleiches geschieht nun in der libertären Szene durch die Angstschürerei vor kulturfremden Menschen und der möglichen Inanspruchnahme des goldenen Topfes wohlfahrtsstaatlicher Gaben. Der Staat wird auf diese Weise selbst bei Menschen, die sich libertär dachten, zum goldenen Kalb, von dem jeder bestimmen will, wieviel davon an wen verteilt werden soll.

Nur durch die Missachtung libertärer Prinzipien ist es möglich, radikalen Unfug als Radikalkur zu verdeckmanteln und den Versuch zu unternehmen, die wenigen die sich für individuelle Freiheit aussprechen, täuschen zu wollen indem ihnen eine staatliche Option im Mantel der antistaatlichen Utopie verkauft werden soll. Blöd nur, wenn es jemand durchschaut.

1. „Die Erläuterung der zentralen libertären Prinzipien stand am Beginn seiner Ausführungen: Konfliktvermeidung bei konkurrierenden Interessen an knappen Gütern stehen demnach im Vordergrund. Führende Köpfe der amerikanischen Alt-Right-Bewegung, wie Paul Gottfried, Jared Taylor und Peter Brimelow, oder Sean Gabb aus England zeigen nicht nur weitgehende Übereinstimmung mit libertären Idealen, sondern waren darüber hinaus auch schon mehrfach als Besucher oder Vortragende bei der PFS gerne gesehene Gäste.“

A1. Die vorhandene Tatsache, dass es bei manchen Menschen in der Alt-Right Bewegung eine Übereinstimmung mit libertären Idealen gibt, ist ein Beweis für gar nichts. Auch bei Linksradikalen, Sozialdemokraten, Grünen, Sozialarbeitern, Beamten, wem auch immer, wird man Themen und Positionen finden können (manchmal mehr, manchmal weniger), wo es inhaltliche Überschneidungen mit libertären Idealen gibt. Das aber macht Etatisten darum nicht zu Verbündeten für die libertäre Sache. Andernfalls gäbe es keine Etatisten mehr auf dieser Welt, weil es ja im Grunde mit so ziemlich allen Menschen einen gewissen Anteil an Schnittmengen im Bezug auf libertäre Ideale gibt.

2. „Zentrales Anliegen Hoppes war es diesmal nicht, die angestrebten Ziele des Libertarianismus zu diskutieren, sondern das große Problem des Übergangs vom Status quo in eine libertäre Gesellschaft zu beleuchten. Hierbei ortet er bei den Libertären generell einen zu theoretischen und häufig nur an Idealbildern orientierten Zugang.“

A2. Die zu strenge Orientierung an der libertären Theorie zu kritisieren, mündet logischerweise in einer Haltung, die dem Etatismus die Tür öffnet. Denn Libertarismus und Etatismus sind Gegensatzpaare. Sobald man von der libertären Theorie zurückweicht, öffnet man zwingend den Raum für etatistische Positionen. Dieses damit zu legitimieren, dass man sich ansonsten zu streng an der libertären Theorie orientiere, ist ein Indiz für die damit verbundene Tatsache, dass man sich selbst dem etatistischen Denken hingegeben hat. Darum ist zu Fragen ob Hoppe denn überhaupt noch als libertärer Philosoph angesehen werden kann. Meiner Meinung nach entwickelt er sich seit geraumer Zeit zu einem Mischphilosophen, der den Libertarismus sowohl inhaltlich als auch durch seine Autorität aushöhlt. Vielleicht aber ist er auch einfach bequem geworden, im Laufe des älter werdens, da es sehr viel einfacher ist, etatistische Positionen anzunehmen als die strenge Konsistenz der libertären Philosophie zu bewahren.

Erklären müsste Hoppe zudem die gefinkelte Sichtweise, wie man ein Ziel erreicht, indem man den Weg verlässt. Wenn Hoppe nicht mehr über die libertären Ziele diskutieren möchte sondern über den Weg und dabei den libertären Weg verlässt oder teilweise aufgibt, dann muss er mal erklären, wie man ein libertäres Ziel erreichen kann. Ich wüsste jedenfalls nicht, wie man ein Ziel erreicht, wenn man dabei vom Weg abkommt.

Die Forderung nach einem Schutz von „Heimat“ und „Kultur“ läuft auf eine Subventionierung dessen durch Fernhalten des anderen voraus, was impliziert, dass es eine Überwachung benötigt, die sich darum kümmert, dass diese Politik verwirklicht und umgesetzt wird. Dafür ist Geld notwendig, da beispielsweise selbst Grenzschützer nicht aus reinem Idealismus zur Arbeit gehen.

Auch hier gilt und wird offensichtlich, wie man das Ziel einer libertären Gesellschaft erreichen will, wenn man auf dem Weg dorthin einen Pfad einschlägt, bei dem Menschen, die eine andere Meinung im Bezug zu Grenzen haben, mit ihrem Steuergeld die Meinung der anderen Menschen finanzieren sollen. Das Ziel, eine Gesellschaft zu verwirklichen, die Eigentumsrechte zum Fundament von individueller Freiheit anerkennt, indem auf dem Weg dorthin Menschen mit ihrem Geld die diametral gegenübergestellten Ansichten und Meinungen finanzieren sollen, empfinde ich als recht absurd und skurril. Libertär ?!..

Ohnehin ist es bar jeder Vernunft, den Übergang von einem Staat in eine libertäre Gesellschaft darin zu argumentieren, den Staat durch Schutz seines Territoriums in seiner Form zu bewahren und die auf diesem Staat dominierende Kultur durch staatlichen Schutz vor Fremdartigkeit zu subventionieren.

Gut möglich, dass Herrn Hoppe diese Widersprüchlichkeiten nicht mehr auffallen, denn da er eine zu strenge Orientierung an der libertären Theorie als überflüssig empfindet, kann er auch die Abweichung von dieser Theorie nicht mehr als etatistische Haltung wahrnehmen. Dadurch sieht Herr Hoppe nicht, dass er selbst sich ein Stück weit zum Etatisten entwickelt hat.

3. „So kann etwa kein Zweifel daran bestehen, dass (im Hinblick auf die laufende Völkerwanderung) keine Rede vom „gleichen Recht für alle“ sein kann, wenn es um den Anspruch Fremder auf Aufenthalt in bereits besiedelten Gebieten geht.“

A3. Gemäß dieser Denkschablone wäre auch die einseitige Aufhebung von Zöllen und Markteintrittsbarrieren für ausländische Waren, Güter, Dienstleistungen, Arbeitskräfte und Unternehmen eine Obszönität, so lange die Aufhebung all jener Hürden nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Damit aber wäre der gekennzeichnete Weg die Fortschreibung des Status Quo, der nicht ohne (durch Regularien bestimmte) Handelsverträge auskommt. Absurderweise würde Herr Hoppe jedoch bei diesem Thema für einseitigen Freihandel plädieren und nicht argumentieren, dass erst ein „gleiches Recht für alle“ verwirklicht werden müsse.

4. „Selbstverständlich gilt auch hier der Grundsatz „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, womit der Freizügigkeit logische Grenzen gesetzt sind und denen, die schon länger hier leben, Vorrang gebührt. Gerade in der Frage der hier erkennbaren mangelnden Bodenhaftung einiger Libertärer ist von der Alt-Right, deren Problem wiederum darin besteht, über keine konsistente Theorie zu verfügen, einiges zu lernen. „Die Alt-Right weiß zumindest genau, was sie nicht will.“ Ihre immer wieder geäußerte Kritik an der Globalisierung und dem Freihandel sowie ihr Eintreten für staatlichen Protektionismus lassen sich auf das Fehlen theoretischer Grundlagen zurückführen.“

A4. Herr Hoppe argumentiert hier, dass der Staat der Ausdruck der Summe all jener sei, die das Volk abbilden und akzeptiert damit, dass Sonderinteressen über den Staat als kollektivistischer Anspruch Geltung erlangen sollen. Mich verwundert Herr Hoppes Position darum, weil er hiermit sich von Ludwig von Mises entfernt, der wenigstens gewusst hat, dass ein Staat kein kollektivistischer Ausdruck aller Meinungen ist.

In einem Staat leben Menschen mit gänzlich unterschiedlichen Vorstellungen von einem Staat. Ein Staat ist rechtsphilosophisch besehen ein Zustand von Unrecht, weil ein Gewaltmonopol keine rechtliche Legitimation in Anspruch nehmen kann. Es erweckt lediglich den Anschein aufgrund der Gewalt, die der Staat monopolisiert um damit im Sinne eines „Rechts des Stärkeren“ den Status Quo abzubilden. Dazu zählt der Schutz und die Bewahrung eines Territoriums, auf dem der Staat seine Rechtsprechung durchsetzt. Der Kampf um das goldene Kalb der Landessicherung und Kultur, bricht genau darum aus, weil es ein gewaltmonopolistisches Territorium ist, in dem Menschen vergesellschaftet leben. Die Auflösung dieses Konfliktes besteht aber nicht darin, wie Herr Hoppe es zu tun gedenkt, dem Staat zuzusprechen, über Territorien verfügen zu können. Denn die dadurch gegebene Antwort muss immer eine kollektivistische sein. Herr Hoppe gibt das nicht zu, stattdessen behauptet er, es sei libertär und damit anarchistisch, wenn man das Gewaltmonopol des Staates dabei unterstützt, das vom Staat beherrschte Territorium weiterhin zu bewahren – brav subventionierter Schutz mittels Steuergeld und staatlich aufgenommenem Inflationskredit, mitfinanziert von all jenen die eine andere Meinung haben. So kann man Territorium und Kultur mit dem Geld von Leuten subventionieren, die mit einer solchen Subvention nicht einverstanden sind. Eine wahrlich „klassisch libertäre“ Ansicht….die hat er exklusiv. Damit demonstriere ich, dass man kein Alt-Right sein muss um zu wissen, was man nicht will. Aber vielleicht hat auch Herr Hoppe seine Bodenhaftung längst verloren ? Oft, wenn man eine Ahnung über sich selbst hat, bemüht man sich, davon abzulenken, indem man andere dessen bezichtigt. Der Grundsatz, wer zuerst kommt – mahlt zuerst, gilt nur innerhalb von Eigentumsrechten. Übersetzt auf einen Staat wäre diese Frage wie oben angedeutet unlösbar und muss zu Konflikten führen, denn der Staat gehört niemanden und allen zugleich, gibt vor, aus allen zu bestehen und beherrscht sie doch zugunsten einiger Privilegierter.

5. „Anderseits mangelt es den Libertären vielfach an gesundem Menschverstand und Grundkenntnissen der Psychologie. Allein die Beachtung des Nichtaggressionsprinzips, die von vielen Libertären als hinreichende Basis für ein gutes Zusammenleben betrachtet wird, reicht im wirklichen Leben einfach nicht aus. Hoppe macht das am Phänomen des „schlechten Nachbarn“ deutlich. Allein, dass der seinen Müll nicht auf das Grundstück seines Nachbarn entsorgt, oder diesen nicht tätlich angreift, ist zu wenig. Man stelle sich etwa ein Szenario vor, bei dem der „schlechte Nachbar“ sein Anwesen verkommen lässt, sodass, davon ausgehend, massenhaft Ungeziefer die Nachbargrundstücke verseucht. Dieses einfache Beispiel verdeutlicht, dass ein konfliktfreies Nebeneinander über libertäre Grundforderungen hinaus auch der Erfüllung kultureller Bedingungen bedarf, die von der Alt-Right zu Recht betont werden. An dieser Stelle erfolgt, nicht ohne Koketterie, der Hinweis auf einen seiner meist zitierten Aussprüche, nämlich die Notwendigkeit zur „physical removal“ inkompatibler und damit das friedvolle Zusammenleben torpedierender Elemente aus der Nachbarschaft.“

A5. Die libertäre Theorie deckt nicht bereits im Vorfeld jede hypothetische Situation mit einem Lösungsprogramm ab. Diese weltfremde, lückenlose Bestimmung, wie man mit Situationen umgeht, überlässt man wohl üder übel lieber den Totalitaristen. Ebenso kann es keinen Zweifel darüber geben, dass es keine Schablone für einen „schlechten Nachbarn“ geben kann. Denn zu einer freien Gesellschaft gehört die Toleranz, Verhaltensweisen zu ertragen und auszuhalten, die einem NICHT gefallen. Auch das wusste schon Ludwig von Mises. Es gibt im Leben einen Graubereich, der nicht vorweg entschieden werden kann. Probleme die im Umgang miteinander auftreten, können und würden in einer libertären Gesellschaft vor Gerichten entschieden, wenn es zuvor keine Einigung gibt. Dass das Nichtaggressionsprinzip alleinstehend irreführend ist, müsste ohnehin klar sein, denn das Nichtaggressionsprinzip steht immer im Einklang mit den Eigentumsrechten. Jedoch kann niemand behaupten, dass es Kulturen gibt, die weniger friedlich sind als andere. Der die Menschen befriedende Ordnungsrahmen ist die Marktwirtschaft. Umso freier, desto weniger Konfliktreich ist das Miteinander, weil Lösungen für Probleme einer Freiheit bedürfen, ansonsten gibt es Sackgasse. Menschen die in einer Sackgasse landen, radikalisieren dann unter Umständen ihrerseits die Kultur, in die sie sich wieder zurück ziehen. Das aber ist kein Problem, dass Moslems exklusiv haben. Das haben auch Christen und Juden, und das gibt es auch ohne Religion, dafür mit Nationalismus oder Sozialismus. Und auch bei alldem betrifft es nie alle Menschen sondern Individuen. Darum ist jedes Pauschalurteil bereits eine Disqualifikation für sich. Was man hierbei aber sieht, ist, dass Herr Hoppe anstatt eine freie Markwirtschaft zu fordern, die auch das kulturelle Zusammenleben harmonisieren würde, sich für eine Stärkung des Staates ausspricht und sich dabei noch nicht einmal dafür schämt, es im Namen des Libertarismus zu tun.

6. „Zur Frage der Transformation der derzeit bestehenden sozialistisch-kollektivistischen in freiheitliche Gesellschaften sind zunächst die wesentlichsten Gegner und die derzeitigen Opfer zu benennen. Bei den ersteren handelt es sich primär um die willigen Vollstrecker des Wohlfahrtsstaates: Politiker, Banker und staatsabhängige Intellektuelle. Als Opfer stehen in erster Linie die Nettosteuerzahler da. Öffentlich finanzierte Wohlfahrtsprogramme und die „Systeme sozialer Sicherheit“ sorgen für die Schaffung einer scheinbar altruistischen Gesellschaft, dienen tatsächlich aber der Korrumpierung der Bürger. Dadurch wird das Problem des „schlechten Nachbarn“ aber nicht beseitigt, sondern – im Gegenteil – sogar noch nach Kräften gefördert. Die von Friedrich A. Hayek getroffene Prognose, wonach sich die besseren Ideen [des Liberalismus, Anm. d. V.] langfristig durchsetzen würden, hat sich als falsch herausgestellt. Die durch den Wohlfahrtstaat erzeugten Verzerrungen haben sich als übermächtig erwiesen. Nicht einen „Kampf der Ideen“ zu führen verspricht Erfolg, sondern der gezielte Einsatz von „Buttom-up-Populismus“ im Kampf gegen die steuerfinanzierten Systemlinge.“

A6. Es ist analytisch falsch, weil unterkomplex, die Wirklichkeit auf die naive Darstellung der Oberfläche zu reduzieren. Oberflächlich bezahlt jemand Steuern. Das macht ihn aber nicht automatisch zum Verlierer des Systems. Wäre das System dermaßen einfältig und überschaubar, gäbe es keine anderen Probleme als jene. So ist aber die Wirklichkeit nicht. Jemand der Steuern zahlt, kann einen universitären Abschluss errungen haben, der vom Staat als Voraussetzung für das Ausüben eines Berufes lizenziert worden ist. Das hebt widerum die Einkommen an, weil der Staat den Wettbewerb künstlich reduziert. Auch das ist eine zu betrachtende Seite unserer Wirklichkeit die man als Libertärer nicht leugnen sollte, weil man einem Bild des Staates, dass dem Mittelalter anchempfunden ist, semantisch anhängt. Das System in dem wir leben ist viel komplexer. Steuern, Regulierungen, Inflation, all diese Dinge haben Auswirkungen und nicht immer sind diese Auswirkungen linear. Unterm Strich sind natürlich die Armen und die unfreiwilligen Arbeitslosen die Verlierer des Systems und ganz gewiss nicht die Reichen. Das bedeutet aber nicht, dass man etwas umzuverteilen sei. Das bedeutet nur, dass es nicht viele Reiche geben wird, die an einer libertären Gesellschaft ihr Interesse bekunden werden, wenn sie doch in einem interventionistischem System gut aussteigen und Einfluss auf die Macht haben. Der Fehler den Libertäre aus meiner Sicht machen, ist, dass sie die Armen gerne als bösartige Transferempfänger hinstellen, statt dass sie diese als Opfer des Systems und von Transfers abhängige unfreie Menschen betrachten, aus denen man die Sehnsucht nach Freiheit und gesellschaftlichen Aufstieg hervorkitzeln muss, indem man sie anspricht, auf sie zugeht und sie als Adressaten der Botschaft von Freiheit sieht.

Populismus kann die Gesellschaft nicht befreien sondern sie nur aufwiegeln, aufhetzen, aufstacheln, radikalisieren und eine Atmosphäre vergiften, die Mord und Todschlag am Ende als eine Form von Verteidigung betrachtet. Anstatt Hetze, Hass und ideologischer Brutalismus sollte vernunftgeleitete Aufklärung stehen, die auch Zusammenhänge schlüssig zu formulieren weiss, ohne dabei die Errungenschaften der Philosophie der Aufklärung zu leugnen und längst widerlegte Menschenbilder aufzuwärmen.

7. „Ende der Massenimmigration. Dabei handelt es sich [unter den gegebenen Bedingungen des Wohlfahrtsstaates, Anm. d. V.] ausschließlich um eine Einladung zum Missbrauch von Wohlfahrtsleistungen. Es darf keine Sozialisierung der Kosten der Einwanderung geben. Arbeitgeber von Einwanderern sind nicht nur für die Bezahlung deren Gehälter, sondern auch für alle durch die Zuwanderung entstehenden Sozialkosten in die Pflicht zu nehmen.“

A7. Anstatt dass Herr Hoppe für eine Abnahme des Wohlfahrtsstaates und eine Zunahme der freien Marktwirtschaft sich ausspricht, argumentiert er viel lieber seitenverkehrt. Der Wohlfahrtsstaat bleibt unangetastet, sollte zwar beseitigt werden aber ist nicht so schnell machbar, lassen wir gelten. Die Zuwanderung zu stoppen ist machbar, also sollte man es tun. Herr Hoppe reduziert die Aussagekraft von Argumenten auf die Frage, ob sie realpolitisch umsetzbar sind. Das ist intellektuell ziemlich dürftig für einen Menschen der den Anspruch hat, Philosoph sein zu wollen. Wenn Arbeitgeber von Zuwanderern entstehende Sozialkosten zu bezahlen hätten, müsste das, im oben von Hoppe angesprochenem „gleichen Recht für alle“ eben für alle Menschen gelten oder etwa nicht ?! Alle Arbeitgeber müssten die Sozialkosten finanzieren, die durch ihre Mitarbeiter entstünden, unabhängig woher diese kommen. Alle Eltern müssten die Sozialkosten ihrer Kinder finanzieren. Verwandte finanzieren die Sozialkosten von Verwandten. Wem das zu viel Zwang ist, der sollte sich für eine freie Marktwirtschaft aussprechen, sodass es keine verallgemeinernden Sozialkosten mehr gibt und es auch kaum Bedürftige gäbe, die welche in Anspruch nehmen müssten, mit Ausnahme derer, die wirklich Hilfe brauchen und für die es dann auch soziale Initiativen und Einrichtungen sicherlich gäbe, die von Spenden oder anderlei Finanzierungsmöglichkeiten leben würden.

8. „Augenblickliche Einstellung sämtlicher Militäraktionen in oder gegenüber fremden Ländern und Beendigung aller (militärischer) Hilfsaktionen von Staat zu Staat. Militärischer Interventionismus war und ist immerhin eine der Hauptursachen der laufenden Masseneinwanderung in Europa.“

A8. Skurril. Oben schreibt Herr Hoppe, der Wohlfahrtsstaat hätte die Massenimmigration zum Missbrauch von Wohlfahrtsleistungen eingeladen. Einen Punkt darunter waren es dann doch die militärischen Interventionen. Ja also was denn nun ? Waren die Auslöser von Massenimmigrationen nur Panzer, Bomben, Gewehre, Messer, Handgranaten die menschliches Leben, Häuser, Zivilisation und Hoffnung zerstört haben oder was eine ominöse, unsichtbare Gier nach dem Missbrauch von Wohlfahrtsleistungen nachdem sich zuvor tagelang akribisch hingesetzt wurde um die Wohlfahrtssysteme zu studieren, als vor der Tür verblutende kleine Kinder ihren letzten Schrei von sich gaben ?

9. „Rechtsstaatliche Verfolgung krimineller Handlungen unter der Flagge der „sozialen Gerechtigkeit“.

A9. Wieder ein solcher Widerspruch nach Hoppe-Lesart. Ein mit Steuern finanzierter Rechtstaat soll die (von wem auch immer als unrechtmäßig definierte) Fehleinsätzung von Steuergeld unter der Flagge „sozialer Gerechtigkeit“ als Ausdruck krimineller Handlung verfolgen. Manchmal fängt man mit dem Kopfschütteln besser nicht an, sonst hört man nicht mehr auf. Man soll den Menschen Steuergeld wegnehmen, ob sie wollen oder nicht, damit einen Staat finanzieren, das nennt sich Rechtstaat um dann mit diesen finanziellen Mitteln Verfolgungen einzuleiten, die darauf abzielen, Steuergeld, dass im Sinne von Herrn Hoppe falsch verwendet wird, als kriminelle Handlung zu verfolgen….

10. „Sofortiges Ende sämtlicher Programme zur bevorzugen Behandlung („affirmative action“) bestimmter Personengruppen und jeglicher Antidiskriminierungsbestimmungen. Menschen und Unternehmen sollen selbst frei darüber entscheiden, mit wem sie es zu tun haben wollen und mit wem nicht.“

11. „Herstellung des Rechtsstaates in allen Bereichen. Es kann nicht angehen, dass – unter dem Deckmantel von Kultur – bestimmte Menschen gegenüber anderen eine bevorzugte strafrechtliche Behandlung genießen. No-go-areas dürfen nicht geduldet werden. Sämtliche waffenrechtlichen Restriktionen sind abzuschaffen.“

A10 und A11. Wer hier den Widerspruch NICHT findet, möge sofort den Arm recken. Zuerst fordert Herr Hoppe korrekterweise das Ende jeglicher Antidiskriminierungsgesetze, nur um sich in Punkt 11 zu widersprechen indem er fordert, es dürfe keine NO-GO Areas geben. Wenn das Eigentumsrecht gilt von dem Herr Hoppe angeblich viel hält, dann gibt es auch NO-GO Areas, wo Menschen, die von außerhalb kommen, in dem Sinne diskriminiert werden, dass sie dort nicht hinein dürfen. Was Hoppe in kollektivistischer Manier auf den Staat als Ganzes umlegt, spricht er absurderweise auf der Privatebene wo es einzig Geltung hätte, ab….

12. „Missbrauch des Wohlfahrtstaates muss unterbunden werden. Die Förderung unfreier, von staatlichen Wohlfahrtsleistungen abhängiger, generationenübergreifender Milieus ist zu beenden.“

A12. Auch hier widerspricht sich Herr Hoppe direkt. Erst erklärt er es zum Missbrauch, den Wohlfahrtsstaat zu benutzen, nur um daraufhin anzudeuten, es könnte sich wohl doch um unfreie Menschen handeln. Herr Hoppes Wahrnehmung besticht häufig durch Eindimensionalität. Der Wohlfahrtsstaat ist nicht die einzige Hürde auf dem Weg zu einer freien Marktwirtschaft. Wenn man Herrn Hoppe zuliest, entsteht der Eindruck, ein Staat besteht nur aus dem Anteil des Wohlfahrtsstaates und alle anderen Gesetze, die dazu geführt haben, dass die Gesetzesbücher im Laufe der Zeit immer dicker geworden sind, spielten keine Rolle und hätten keine Auswirkung. Es ist einfach bequemer das sichtbare anzusprechen. Doch schon Frederic Bastiat wusste, dass das was man nicht sieht, wie der untere Teil eines Eisberges, meist der größere ist.

13. „Der Staat hat sich aus Bildung und Ausbildung herauszuhalten. Ziel des staatlichen Schulsystems war nämlich zu keiner Zeit die Heranbildung mündiger Bürger, sondern stets die Produktion von Soldaten, Beamten und leicht lenkbaren Untertanen.“

A13. Um Herrn Hoppe zu ergänzen. Historisch gesehen waren es Unternehmer, die sich dafür eingesetzt haben, die Kosten der Ausbildung auf die Allgemeinheit zu übertragen. Es gab auch hierbei ökonomische Interessen, der eine Ideologie vom Gemeinwohl vorstand, die das ökonomische Interesse im besonderen verdecken sollte. Staatliche Ausbildung ist ein Regulierungsmittel das von 2 Seiten her gedacht werden kann.

  1. Es gibt regulierte Arbeitsmärkte und das staatliche Ausbildungssystem dient als Zuteilung menschlicher Arbeitskräfte in die durch den Staat regulierten Arbeitsmärkte inklusive ihrer somit vom Staat regulierten Einkommensklassen.
  2. Das staatliche Ausbildungssystem selbst reguliert durch Lizenzierung und Selektion das bestehende Angebot von Arbeitskräften und damit ihrer Einkommen und reguliert durch Lizenzierung und Selektion das bestehende Angebot von Dienstleistungen und Unternehmen und auf diese Weise ebenso die Einkommensmöglichkeiten.

Da ein jeder der arbeitet, ein Unternehmen führt, eine Dienstleistung erbringt, in der Produktion tätig ist zugleich auch Kunde und Nachfrager von Angeboten ist, verzerrt der Staat durch das öffentliche Ausbildungssystem nicht nur Angebot und Nachfrage sondern damit auch Preise, Einkommen, Qualitätsstandards, die mögliche Entwicklung von Qualität und Preisen und verhindert auch die evolutionäre Entwicklung innerhalb von Berufsgruppen und von Berufen an sich, weil der Staat durch auszustellende Zertifikate die freie Entwicklung von Menschen bremst. Wenn die Hürden so ausgelegt sind, dass nur Menschen mit einer Größe von 1,90m über die Stange kommen, geht dem Gesamtprozess die Dynamik, Kreativität und die befruchtenden Ideen all jener verloren, die kleiner sind als 1,90m. Diese organ-feindliche Systemstruktur des Staates und die dazugehörige Unterstützung durch das öffentliche Ausbildungssystem zielen darauf ab, eine statische Gesellschaft zu erschaffen, in der sich jeder Wandel lediglich im Schlaftempo einer Schachfigur bewegt. Die Unzufriedenheit, die scheinbare Feindseligkeit gegenüber der Globalisierung ist eine Reaktion auf die fehlende Freiheit und die fehlende Dynamik im Leben der Menschen, neues in ihrem Sinne, nach ihrem individuellem Tempo schaffen zu können und mit Herausforderungen umgehen zu dürfen, statt gebremst zu werden und nicht mehr mithalten zu können, weil sie durch Systemstrukturen, Regulierungen und Gesetzeswerke ausgebremst werden.

14. „Niemals Hoffnungen in Politik und politische Parteien setzen! Stattdessen Konzentration auf lokale Agenden, auf Dezentralisation, Sezession und Segregation.“

A14. Dem würde ich zustimmen, doch wieso fordert Herr Hoppe dann eine gesamtstaatliche Politik des Grenzschutzes ? Das klingt nun nicht nach lokaler Agenda, Dezentralisation, Sezession oder Segregation.