In einem vom Ludwig von Mises Institut veröffentlichten Artikel, verfasst von David Gordon, wird das Mises-Institut in eine Opferrolle geschoben. Die dort ansässigen Personen vermuten nicht zu Unrecht, dass ihre Außenwahrnehmung an Reputation unter den Menschen, die sich für Freiheit aussprechen, verloren hat.

Bevor man all zu sehr in die Defensive gerät, denken sich die dort ansässigen Personen, dass man doch lieber gleich den Schritt in die Offensive wagen sollte.
Offensive bedeutet, den bisher vertretenen Unfug noch einmal zu vertreten und sich dabei in eine Opferrolle zu begeben, die man in Wahrheit gar nicht verdient.

1. „Organisationen, die nach einer Person benannt sind, werden oft beschuldigt, von den Ideen dieser Person abzuweichen – das Mises-Institute bildet unglücklicherweise keine Ausnahme. Vor kurzem mussten wir uns ungefähr folgenden Vorwurf gefallen lassen: „Ludwig von Mises war Kosmopolit, und Gegner von Nationalismus und Rassismus. Aber das Mises-Institut, obwohl nach ihm benannt, hat seine Ideen hintergangen. Unter der Führung von Murray Rothbard und Lew Rockwell hat sich das Institut als Gegner liberal-humanistischer Werte positioniert. Mises hätte das nie getan.““

A1. Mises hat das auch nie getan und auch Murray Newton Rothbard genauso wenig, obgleich er nach politischen Konstellationen zur Umsetzung von libertären Ideale Ausschau gehalten hat. Dabei aber hat er sie nicht verraten.
In Rothbards Buch vom „Verrat an der amerikanischen Rechten“ wird eine Entwicklung aufgezeigt, wie sie sich ähnlich beim Mises-Instut und der dort ansässigen Personen verhält. Traurigerweise glauben aber einige der beim Mises-Instut ansässigen Personen, sie seien die Verratenen, und instrumentalisierten im Vorwort zu jenem Buch die Haltung von Rothbard als einen Fingerzeig, dass die rechtspopulistische Bewegung unter politischer Führung von Donald Trump ein Zeugnis des libertären Widerstandes sei. Dies als geschmacklos zu bezeichnen, ist noch gut gemeint.
Auch Ludwig von Mises wurde und wird vom Mises-Institut, insbesondere durch die verzerrten und rechts-interpretierten Darstellungen von Joseph T. Salerno instrumentalisiert um vor den rechten Karren gespannt werden zu können.
Anstatt diese Tatsachen einzugestehen, versucht das Mises-Institut sich in einer Opferrolle denen gegenüber zu üben, denen vorgeworfen wird, sich zu streng an die reine Theorie des Liberalismus und liberaler Werte zu halten. Man solle es nicht so genau nehmen, forderte jüngst erst Hans-Hermann Hoppe.

2. „Um diesen Vorwurf beurteilen zu können müssen wir zuerst fragen, was der Begriff „Kosmopolit“ überhaupt bedeutet. Das Wort stammt aus dem Griechischen, und wurde zuerst im 4. Jahrhundert vor Christus von Diogenes dem Zyniker verwendet, der sagte: „Ich bin ein Weltbürger [kosmopolitês].“ Diese Vorstellung gewann im Zusammenhang mit der Schule der Stoiker an Bedeutung, und Leser, die am griechischen Konzept der „kosmischen Stadt“ interessiert sind, werden Malcolm Schofields The Stoic Idea of the City sicher als wertvolle Quelle schätzen.
Heute bedeutet der Begriff aber oft etwas anderes. Kosmopoliten in diesem Sinne sind heute Gegner traditioneller Werte. Sie geben vor, die Menschen von altmodischen Moralvorstellungen zu befreien, und die Interessen von Feministinnen, Homosexuellen und Transgender sowie diversen ethnischen Gruppen, die sie für unterdrückt halten, zu vertreten. Sie geben sich multikulturell und verurteilen jeglichen unangemessenen Respekt vor dem Westen im Vergleich zu anderen Kulturen. Ihrer Meinung nach sind alle Kulturen gleichwertig, mit Ausnahme natürlich des unterdrückerischen Westens. Sie möchten auf der ganzen Welt verbreiten, was sie „Toleranz“ nennen, und betrachten Bräuche, die ihr Missfallen finden, als Hindernisse, die vernichtet werden müssen.“

A2. Hier fängt David Gordon zum hetzen und zum unterstellen an. Er unterstellt und hetzt gegen Menschen, die tolerant sind, sie seien intolerant, weil sie nicht intolerant seien. Da muss man sich fragen ob sich der Nachname von Gordon vom gordischen Knoten ableitet, den er in seiner Argumentation aufbaut.
Kosmopoliten vertreten eine freie und offene Gesellschaft mit Rechten die für Individuen und nicht für Brauchtümer, kollektive Gruppeninteressen oder sonstige mit dem Staat geschützten Privilegien gelten. In diesem Sinne ist der Kosmopolit Ausdruck des libertären Ideals.
Dem Kosmopoliten zu unterstellen, er halte alle Kulturen für gleichwertig, mündet in einem Selbstwiderspruch. Denn ein Kosmopolit bevorzugt ja eine kulturelle Offenheit im Gegensatz zur kulturellen Geschlossenheit, die sich ihrerseits nur staatlich erzwingen lässt. Demnach hält ein Kosmopolit ja eben nicht jede kulturelle Ausprägung für gleichwertig, andernfalls würde er keine Präferenzen haben.

Die nicht ausgesprochene Unterstellung von David Gordon lautet:
Ein Staat der nicht repressiv ist, ist auch repressiv. Ein Staat der nicht intolerant ist, ist auch intolerant. Ein Staat der nicht unfrei ist, ist auch unfrei.

Das sind die mittlerweile im Mises-Institut angekommenen pervertierten Denkkategorien. Man verdreht alles und dreht es noch einmal um, bis man keine klare, vernunftgesteuerte Argumentation mehr von sich geben kann. Demnach wäre eine nicht-Vergewaltigung eine Vergewaltigung, ein nicht-Mord ein Mord, und Freiheit wäre Unfreiheit. Das heißt, am Ende werden alle Unterschiede die sich aus einer Analyse heraus darstellen und benennen lassen, ausgelöscht.

Wenn jede Form von Freiheit letztlich eine Form von Unfreiheit wäre, dann existieren keine übergeordneten Rechte mehr, die einem die Legitimation erteilen, sich für eine gerechte Sache einzusetzen. In einem solchen von Beliebigkeit dominierten Geisteszustand gibt es weder Wahrheit noch Falschheit. Alles wäre gleich, dem kommunistischen Ideal entsprechend. und es gäbe für menschliche Gesellschaften keine Orientierung mehr.

Rechtspopulisten haben oft gesagt, zu fordern, die Grenzen zu öffnen sei ja auch Staat. Man wirke ja auf den Staat ein, was er tun solle. Demnach lässt sich aber dann ebenfalls sagen, Menschen nicht einer staatlichen Todesstrafe auszusetzen, Menschen von Staatswegen her nicht zu foltern, keine staatlich induzierten Kriege zu führen, all das sei ja auch Staat. Freiheit, Frieden und Wohlstand innerhalb eines staatlichen Rahmens sei ja auch Staat und somit gar keine echte Freiheit. Menschen die vom Staat Rechte erstreiten und erkämpfen würden demnach keine Freiheit erobern sondern nur ihr staatliches Süppchen kochen. Das heißt, am Ende ist alles immer Staat und der eine hat halt das Bedürfnis nach staatlichem Terror gegenüber Bevölkerungsgruppen die nicht denken was sie denken sollen und der andere hat halt das Bedürfnis nach staatlichem nicht Terror. Reine Geschmacksache als wenn alles auf einer Ebene ethischer Maßstäbe das gleiche wäre. Beliebigkeit, Gleichförmigkeit, Ununterscheidbarkeit.
Mit dieser pervertierten Denkform wird nicht nur der Liberalismus beerdigt sondern die gesamte Aufklärung. Also holt schonmal das Brennholz, denn im Zuge einer solchen Entwicklung sind Inquisitionen und Hexenverbrennungen kein undenkbares Szenario mehr.

3. „Mises war offensichtlich kein „Kosmopolit“ in diesem neuen, erweiterten Sinn. Wenn Mises in Liberalismus von Kosmopolitismus spricht, bezieht er sich auf einen grundlegenden Punkt seiner Sozialtheorie. Der friedliche und freiwillige Austausch auf dem freien Markt nützt jedem. Durch die Zusammenarbeit auf dem freien Markt sind die Menschen nicht mehr länger zum Kampf gezwungen, bei dem der Gewinn des einen gleichzeitig der Verlust des anderen ist. Eingriffe in den freien Markt stören die friedliche Zusammenarbeit, und Menschen, die nach Frieden und Wohlstand streben, sollten solche Eingriffe stets ablehnen.“

A3. Unzutreffend. Mises hat die Bewegungsfreiheit nicht auf leblose Gegenstände und Güter reduziert. Ansonsten hätte er niemals die Ergiebigkeit des Kapitalismus predigen können, dessen freier Markt impliziert, dass die Bewegungsfreiheit von Menschen, die Handelsbeziehungen, die Tauschhandlungen, die Dienstleistung und Produktion und dadurch auch den Wohlstand erhöht. Der komparative Vorteil gilt nicht nur im kollektiven Maßstab, wenn zwei Länder miteinander ein Gut tauschen, denn diese Darstellung zeichnet sich durch ein kollektivistisches Aggregat aus. Auf der individuellen Ebene gilt das gleiche. Menschen haben aufgrund ihrer Individualität an verschiedenen Orten, bei unterschiedlichen Arbeitgebern, je nach Situation einen komparativen Vorteil, ihre Arbeit gegen Geld einzutauschen. Das wirkt sich stets für alle Menschen, denen materieller Wohlstand wichtig ist, positiv aus. Wer sich dagegen ausspricht, darf über materielle Verluste nicht klagen oder sollte akzeptieren, dass sein materieller Wohlstand geringer ausfällt als er ausfallen könnte.

4. „Man muss Mises Bemerkungen zum Nationalismus stets vor dem Hintergrund dieser grundlegenden Erkenntnis betrachten. Er war ein Gegner von Handelsbeschränkungen und anderen Maßnahmen wie Währungsabwertungen, mit denen eine Nation versucht, sich auf Kosten anderer Vorteile zu verschaffen. Wie immer war die gesellschaftliche Zusammenarbeit im freien Markt Mises wichtigstes Anliegen.“

A4. Menschen daran zu hindern, sich dorthin zu bewegen, wo sie Handelsbeziehungen eingehen können, auch wenn sie dafür staatlich geschaffene Grenzen die mit Steuergeld subventioniert werden, überqueren, impliziert Handelsbeschränkungen.

5. „Mises war kein Gegner der Selbstbestimmung der Völker. Im Gegenteil, er war stets dafür. Zustimmend zitierte er Ernest Renans berühmte Definition einer Nation als eine „tägliche Volksabstimmung“: Die Angehörigen einer Volksgruppe haben das Recht, einen unabhängigen Staat zu bilden. Nebenbei bemerkt benutzte Mises Renans Zitat für seine Beschreibung der Konsumentensouveränität. Kein Leser von Mises’ Notes and Recollections kann auch nur die geringsten Zweifel daran haben, dass ihm ein unabhängiges Österreich eine Herzensangelegenheiten war.“

A5. Mises hat Volk jedoch nicht als staatliches Territorium definiert sondern als Gruppe von Menschen die sich durch bestimmte Werte, Bedürfnisse, Ziele, Rituale geeint sehen. Volk war für Mises demnach auch keine staatlich manifestierte Masse sondern etwas durchlässiges, dass sich ändern und wandeln kann. Man kann austreten oder hinzukommen. Die Gleichsetzung von Volk mit einem staatlichen Territorium hat Mises nie begangen. Diese Unterstellung steht allein in der Absicht derer, die im aufkeimendem Rechtspopulismus die Möglichkeit sehen, ihre von Geburt an als Erzfeinde antrainierten linken Gegnerschaften in die politischen Schranken weisen zu können. Dazu sind jene Menschen und Professoren nichtmal anständig genug, liberale und libertäre Idealisten nicht zu instrumentalisieren.
Mises war einerseits für ein unabhängiges Österreich, hat aber niemals definiert, dass Österreich aus einem bestimmten Menschentypus bestehen müsse, weder religiös, noch ethnisch oder sonstwie. Mises Ansicht über einen Nationalstaat war gerade nicht starr sondern dynamisch und durchlässig. Andernfalls hätte er niemals im Nationalismus den gleichen gefährlichen Gegner wie im Sozialismus erkannt. Die Gefährlichkeit eines Systems beginnt schon beim Menschenbild und ist nicht auf die Frage reduziert, ob leblose Gegenstände sich in welcher Kilometeranzahl bewegen dürfen. Es wäre vollkommen absurd und geradezu lächerlich es so zu sehen.

6. „Menschen haben zwar das Recht, einen Staat zu bilden, aber sie haben nicht das Recht, Gruppen innerhalb der Staatsgrenzen davon abzuhalten, sich abzuspalten und einen eigenen Staat zu bilden. Mises übt scharfe Kritik an dem spanischen Liberalen Salvador de Madariaga für dessen Ablehnung der katalanischen Unabhängigkeit. Idealerweise gilt das Sezessionsrecht bis hinab zum einzelnen Individuum. Wie immer gilt Mises Aufmerksamkeit der sozialen Zusammenarbeit freier Individuen. Wer näheres Interesse an Mises Sichtweise des Nationalismus hat, dem sei der hervorragende und gut zusammenfassende Aufsatz Mises über Nationalismus, das Recht auf Selbstbestimmung und die Einwanderungsproblematik von Joseph Salerno empfohlen.“

A6. Gerade Joseph T. Salerno kann man nicht empfehlen. Dieser hat Ludwig von Mises für eine rechtspopulistische Umdeutung missbraucht. Die von Salerno aus Mises Schriften entwendeten Aussagen wurden uminterpretiert und aus dem Kontext von Mises Gedankenwelt gerissen und in den Kontext einer rechtspopulistischen Gesinnung integriert. So scheint es, als habe Mises einstmals den Nationalismus befürwortet und sich stets für geschlossene Grenzen und ethnisch reine Gebiete ausgesprochen. Salerno stellt Mises als einen Verfechter dar einer Ideologie dar, die in der Zeit als Mises gelebt hat, diesen fast das Leben gekostet hat. Geschmackloser geht es wirklich kaum. Mises habe nach Salerno behauptet, Menschen die unterschiedlich sind, sollten nicht zusammen leben, weil es dann keinen Frieden gibt. In Wahrheit hat Mises jederzeit das Zusammenleben unterschiedlicher Menschen toleriert und davor gewarnt, dass ein nicht-liberaler Staat, unterschiedliche Menschen gegeneinander aufhetzt, weil bestimmte Gruppen in einem nicht-liberalen Staat Gesetze gegen die anderen Gruppen erlassen und somit die Zwietracht zunimmt. Salerno hat das uminterpretiert als wenn Mises behauptet habe, ein Staat dürfe keine unterschiedlichen Gruppen dulden, also müssten die Grenzen geschlossen werden.

7. „Zusammengefasst ist Mises’ Kosmopolitismus also nur der freie Markt, nicht mehr und nicht weniger.“

A7. Ein freier Markt besteht nicht nur in Bezug auf leblose Gegenstände sondern auf alles im Leben. Bedürfnisse allgemeiner Natur. Dazu zählt auch die Vorstellung mit andersartigen Menschen zusammen zu leben, mit anderen Kulturen usw. Auch das ist ein menschliches Bedürfnis, dass durch freie Märkte befriedigt wird.
Wer es also mit freien Märkten ernst meint, der reduziert diese nicht auf die Herumschieberei von leblosen Gegenständen.

8. „Und es wäre lächerlich, irgendjemandem im Mises Institut unterstellen zu wollen, er sei ein Gegner des freien Marktes. Wenn wir im Mises Institut aber als Kosmopoliten im Mises`schen Sinne gelten – haben wir dann trotzdem nicht im Sinne seiner Lehren gehandelt, in dem wir Allianzen mit illiberalen Personen und Gruppen eingegangen sind?“

A8. Nach meiner Analyse des Textes von David Gordon ist es hoffentlich nicht mehr lächerlich, dem Mises-Institut diese Unterstellung mit noch größerer Vehemenz als zuvor vorzuhalten. Das Mises-Institut scheint seine Ansicht darüber, was ein freier Markt sei, was er miteinschließt und was er ausschließt, darauf reduziert zu haben, dass nur noch leblose Gegenstände, bestenfalls vielleicht noch Tiere, Bakterien, Mikroorgganismen und Viren, sich frei bewegen dürfen. Menschen sind demnach nicht berechtigt dies zu tun und stehen damit auf der Skalav der Bewegungsfreiheit noch schlechter dar als die Kontinentalplatten, die sich zumindest zentimeterweise im Jahr verschieben.