In liberalen/libertären Kreisen wird von Generation zu Generation eine Kritik am Marxismus weitergegeben, die Karl Marx entweder nie gelesen oder nie verstanden hat. Hierbei spreche ich auch von mir selber. Bis zu jenem Tag, an dem Stefan Blankertz mich durch sein Buch „Mit Marx gegen Marx“ darüber aufgeklärt hat, dass Karl Marx nichts anderes als den Versuch unternommen hat, den politisch intrigierten Liberalismus auf vernünftige Beine zu stellen.

Dass Friedrich Engels der von beiden etatistische Genosse war, geht unter, sobald stets von „Marx“ und „Marxismus“ die Rede ist.

Karl Marx hat seinerseits zwar etwas hinzugetan, die Vorurteile über sich zu schüren, jedoch ist er überwiegend ein klassisches Beispiel dafür, dass Menschen, die einen richtigen Ansatz, eine richtige Idee verfolgen, durch eine Bewegung missbraucht werden – beispielsweise „dem Marxismus“ – der gänzlich andere, entgegengesetzte „Ideale“ (?) verfolgt.

Aufgrund dieses kultivierten und perpetuierten Konfliktes, fühlt sich die liberale/libertäre Kritik am Staat unvollständig an. Karl Marx hat den Versuch unternommen, eine kritische Theorie über den Staat auszuarbeiten. Der Staat schaffe Klassen von Menschen und diese widerum organisierten sich um den ihren Einfluss geltend zu machen, wobei jene die am reichsten sind, die besseren Argumente auf ihrer Seite hätten, um ihre Privilegien duchzusetzen. Da Karl Marx den Staat am liebsten abgeschafft und nicht auf ein totalitäres Ausmaß gestärkt sehen wollte, kann man durchaus davon sprechen, dass Karl Marx zur Familie der liberalen und libertären Denker und Theoretiker gehört.

Heutzutage kommt es wieder in Mode, dass Nationalisten über den Marxismus schimpfen. Von Nationalisten hingegen gibt es keine kritische Theorie dem Staat gegenüber. Der Staat wird geliebt und verehrt. Dass über Menschen geherrscht wird, gilt als Zustand, der niemals enden soll. Vor allem nicht, wenn man selber an der Macht ist. Sollten andere über einen herrschen, wird von der Möglichkeit einer Abspaltung gesprochen, die man umgekehrt verweigert, sobald man selber wieder an den Hebeln der Macht sitzt.

Marxismus nach Karl Marx hat eine sehr liberale/libertäre Ausstrahlung. Der Marxismus nach Friedrich Engels ist eine Vergötterung des Staates, wie er auch einem Nationalisten gut zu Gesicht steht.

Das Schimpfen von Nationalisten gegenüber dem Marxismus bezieht sich auf beides. Man schimpft hauptsächlich gegen die Idee eines Staates, der sich anderen Zielen widmet als es sich Nationalisten vorstellen. Jedoch auch gegen einen Marxismus ala Karl Marx, der den Staat zum Feind der menschlichen Freiheit erklärt, wie es auch liberale/libertäre Theoretiker tun, wendet sich der Nationalismus.

Allerdings gibt es für den Nationalismus durchaus die Möglichkeit, sich im Rahmen einer antikapitalistischen Mentalität mit dem Sozialismus zu verbünden. Das daraus folgende Ergebnis hat der Nationalsozialismus zu Tage gefördert.

Liberale/Libertäre Kreise berauben sich der Möglichkeit und Fähigkeit, den Staat tiefergehend zu analysieren und zu kritisieren, wenn sie sich nur auf die Quote der Staatseingriffe fokussieren und über den Grad jener Steuern meckern, den sie selber zu verrichten haben. Marxismus ala Karl Marx mit den offiziell als liberal/libertär geführten Denkern zu verbinden, könnte Motor einer neuen Bewegung sein, die Freiheit auf ein tiefgründigeres Fundament stellt und weniger Gefahr läuft, sich politisch vereinnahmen und prostituieren zu lassen.

Wichtige Regel: Spricht man über den Marxismus und will ihn gegebenenfalls kritisieren, ist erst einmal wichtig abzuklären, welchen man meint.