Als ich dieser Tage von Thorsten Polleit auf Misesde.org einen Artikel mit dem Titel „Die Blockchain-Disruption: Geld, Bitcoin und digitalisiertes Goldgeld“ gelesen habe, war ich durch einige Äußerungen die sich darin enthalten haben gelinde gesagt recht irritiert.

Thorsten Polleit schreibt: „Gibt es eine optimale Anzahl von Geld in einer Volkswirtschaft? Ja: Sie beträgt eins. Ist nur ein Geld im Umlauf, entfaltet das Geld seine größtmögliche Produktivität.“

Hier möchte ich widersprechen. Ich denke, dass einem jeden Menschen, der sich mit den Ideen der österreichischen Schule beschäftigt, bewusst sein sollte, dass von einer optimalen Größe, die man aus einer schein-objektiven Warte aus zu betrachten meint, nicht sprechen kann.

Auf Grundlage Carl Mengers subjektiver Wertlehre, der durch die Behauptung einer schein-objektiv-optimalen Menge an Geld widersprochen wird, obliegt es den Marktteilnehmern zu entscheiden und in einem Akt des andauernden Evolutionsprozesses heraus zu finden, welche Menge an Geld optimal ist. Es gehört zu den Inhalten einer freien Marktwirtschaft nichts vorraus zu setzen, was die Marktakteure nicht selbst durch ein Verfahren von „Versuch und Irrtum“ entdecken oder auch wieder verwerfen werden.

Ebenso verhält es sich mit der Menge an Geldeinheiten. Da Ludwig von Mises gesagt hat, dass eine jede Menge an Geldeinheiten die richtige ist, könnte man auch auf die Idee kommen, da es sich lediglich um ein Tauschmittel handelt, dieses auf einer zur Verfügung stehenden Quantität X einzufrieren. In Wahrheit aber ist es ebenso die Entscheidung der Marktakteure wieviele Geldeinheiten sie produzieren und nachfragen möchten. ZWANGSinflation stellt ein Problem dar. Sollte es aber Menschen geben, die ein weniger hartes Geld bevorzugen, dann muss es in einem freien Markt auch einen ebenso freien Markt für Banken geben, die dieses Bedürfnis ihrer Kunden befriedigen dürfen, ohne durch ein Verbotsgesetz davon abgehalten zu werden. Gleiches gilt andersherum für Banken, die das Bedürfnis nach einer harten Währung befriedigen.

Doch nicht nur ZWANGSinflation ist aus einem ethischen Gesichtspunkt betrachtet zu tadeln. Auch der ZWANG in jeder anderen Hinsicht vorzuschreiben, wie das Geld sein soll, ist aus ethischer Sicht ungenügend.

Weiters schreibt Thorsten Polleit: „Wenn alle mit demselben Geld rechnen und handeln, kann die Wirtschaftsrechnung bestmöglich funktionieren. Die Verwendung von mehr als einem Geld ist daher eine suboptimale Lösung (und die Idee einer Parallelwährung kann nicht überzeugen).“

In einer freien Gesellschaft geht es niemals darum, was für die Menschen das aus Sicht eines x-beliebigen Menschen oder aus Sicht eines x-beliebigen Standpunktes aus gesehen, das beste wäre. Der eine wünscht sich mehr Sicherheit, ein anderer wünscht sich mehr Gesundheit, der nächste wünscht sich keine Migranten und wieder ein anderer wünscht sich nicht mehr als ein Geld.

All diese Positionen unterwandern eine freie Gesellschaft, weil sie Inhalte zu einer Doktrin formulieren, der das Prinzip von individueller Freiheit unterworfen wird, sodass sie ala long kaum noch taugt, die Rechte von irgendwem zu schützen.

Was wird sich der doktrinäre Öko am Beispiel von Herrn Polleits Worte denken ? Er wird sich denken: „Wenn alle mit dem Fleisch essen aufhören würden, würden die landwirtschaftlichen Flächen nicht in dem Ausmaß wie gegenwärtig mit Futteranbau für die zu essenden Tiere verbraucht und die Menschen bekämen womöglich auch noch weniger koronare Herzkrankheiten.“

Thorsten Polleit versucht daraufhin mit dem Anschein einer logischen Aussage den Gedanken an eine Menge an Geld die höher ist als 1 zu dekonstruieren: „Nehmen wir einmal an, es gibt Geld A und Geld B. Sind beide gleich gutes Geld aus Sicht der Geldnachfrager, ist eines von beiden verzichtbar.“

Weshalb ? Die Menschen sind Individuen und entscheiden subjektiv, worauf sie verzichten. Der eine Mensch verzichtet auf Geld A. während der andere Mensch auf Geld B verzichtet. Jeder hat für seinen Verzicht einen Grund oder eine Emotion.

Es gibt unterschiedliche Marken, wenn man sich Pommes Frites kauft. Geschmacklich empfinde ich den Unterschied als vernachlässigbar. Die Preise widerum divergieren. Ebenso könnten Geld A und Geld B zueinander in ihrem Wert divergieren. Vielleicht aber, findet sowohl Geld A als auch Geld B wie bei den Pommes Frites aufgrund ihrer Optik jeweils eine Anhängerschaft. Doch ist bislang noch niemand auf die Idee gekommen – oder Moment mal, vielleicht ein paar Kommunisten ?! – dass es genügen würde, wenn eine einzige Firma Pommes Frites produziert.

Weiters behauptet Thorsten Polleit: „Ist hingegen Geld A besser als Geld B, so wird Geld A verwendet, und Geld B wird nicht nachgefragt und aus dem Markt gedrängt.“

Hier begegnen wir erneut einer schein-objektiven Formel. WER entscheidet darüber ob Geld A besser ist als Geld B ? Die Individuen. Sollten die Individuen sich derart für ein bestimmtes Geld freiwillig entscheiden, dann wird, wie Herr Polleit beschrieben hat, eine Alternative, die kaum Verwendung findet, aus dem Markt gedrängt werden können. Doch ob es sich so verhalten wird und ob das ein dauerhafter Zustand bleiben würde, wäre unzulässig im Vorhinein zu postulieren. Sollte es sich so verhalten, dass es auch eine gewisse Nachfrage nach Geld B gibt, die sich ihrerseits im Markte halten kann, dann können beide nebeneinander existieren. Probleme im Vorfeld zu thematisieren, bevor eine solche historische Situation unter den Gesichtspunkten eines freien Marktes in Erscheinung tritt, hat nur geringen Wert. Denn wenn die Marktwirtschaft frei ist, wird sie auch zu derartigen Lösungen finden, dass die von Thorsten Polleit angesprochenen Probleme gelöst werden können. Dass die Produktion leiden muss, ist darum nicht hausgemacht. Sie leidet auch nicht darum, weil es weltweit unterschiedliche Währungen gibt.

Fakt hingegen ist, dass es kein „objektiv besseres Geld“ gibt sondern nur Geld, dass in den Augen bestimmter Marktteilnehmer als besser erachtet wird, weil es ihnen einen Nutzen stiftet. Dies lässt sich für die Herausbildung eines zweiten parallel in Umlauf geratenden Geldes nicht verneinen.

„Könnte es sein, dass Geld A und B Seite an Seite verwendet werden, wenn man Handeln unter Unsicherheit unterstellt?[7] Wenn also die Marktakteure, weil sie sich nicht ganz sicher sind, ob Geld A oder B besser ist, sowohl Geld A als auch Geld B nachfragen?

Die Antwort ist nein. Auch unter Unsicherheit ist die Verwendung von einem Geld aus Sicht der Wirtschaftsrechnung optimal.“

Mir scheint, dass Herr Thorsten Polleit die Wirtschaftsrechnung als eine Vorwegnahme jener Resultate versteht, die sich erst im Zuge eines evolutorischen Prozesses herausbilden sollen und selbst ab dem Moment ihrer Herausbildung nicht einzementiert wären.

Noch einmal: Die Menschen bestehen aus einer Fülle von Individuen, da jeder Mensch ein Individuum ist. Geld ist ein Gut wie jedes andere auch und die Menschen fragen Geld in derselben Weise nach, wie sie auch jedes andere Gut dieser Welt nachfragen. Jeder Mensch sollte die Freiheit haben, durch Gründung einer Bank ein bestimmtes Geld anbieten und jeder Mensch sollte umgekehrt die Freiheit haben, als möglicher Kunde, dieses oder jenes Geld einer Bank nachfragen zu dürfen.

Diese Freiheit mit dem Verweis auf die „Wirtschaftsrechnung“ wegzuwischen, lässt den Eindruck entstehen, es würde auch nicht schaden, wenn der Staat einen bestimmten Geldstandard festlegte. Denn wenn Herr Polleit vor der möglichen Situation warnt, dass mehr als ein Geld im Zuge der individuellen Freiheit auf dem Markt zum Vorschein gelangen könnte, wäre der Sprung ein kurzer, um an den Pforten des Staates zu stehen und diesen zu bitten, in das Geldwesen einzugreifen und diverse Standards zu setzen, aus denen Probleme erwachsen, wie wir sie heutzutage und auch schon in der Vergangenheit, überliefert durch historische Schriften und Aufsätze, haben beklagen dürfen.

Mit der folgenden Aussage lehnt sich Thorsten Polleit recht weit aus dem Fenster. Er muss wirklich aufpassen, nicht hinaus zu fallen: „Ein Währungswettbewerb, wenn er sich frei entfalten kann, läuft folglich auf einen Verdrängungswettbewerb hinaus. Letzterer arbeitet darauf hin, ein Geld, das beste Geld, zu etablieren.“

Es leuchtet nicht ein, warum diese Aussage sich auf das Geld allein reduzieren solle, jedoch nicht auf alle anderen Güter. Geld ist ein Gut wie jedes andere. Es bedarf keines besonderen Schutzes oder einer Struktur, die außerhalb des Mechanismus freiwilliger Kooperation zu finden ist. Es gibt auch keinen Verdrängungswettbewerb bei den Pommes Frites.

Der Knackpunkt ist: Es ist unlauter Ergebnisse oder Ereignisse als unabwendbar zu theoretisieren, wenn sie doch den Entscheidungen der Individuen überlassen sein sollen. Individuen können sich auch ändern und mithin können sich ihre Präferenzen ändern. Die Vorstellung, dass unter der Vorraussetzung einer freien Gesellschaft, in der schon im Laufe eines Menschenlebens so viel passieren und sich entwickeln kann, auf Ewigkeit nur ein Geld existieren wird halte ich für hahnebüchen. Sollte dem so sein, habe ich allerdings naturgemäß kein Problem damit, falls es der freiwilligen Entscheidung zugrunde liegt. Ich würde mir aber nicht anmaßen zu bezeugen, wie freie Menschen ihre Gesellschaft und ihr Zusammenleben einrichten. Ein solches Verhalten nannte der große Friedrich August von Hayek einst zurecht eine „Anmaßung von Wissen“.

Schlusspunkt: Die optimale Anzahl von Geld kann kein Mensch kennen, denn was optimal aus Sicht der Individuen ist, entscheiden die Individuen unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen subjektiven Präferenzen, wodurch wir wieder bei Carl Menger und seiner epochalen subjektiven Wertlehre uns befänden.

Von mir ausgegebene Leseempfehlungen zum diesbezüglichem Thema sind:

  • Friedrich August von Hayek – Die Anmaßung von Wissen
  • Friedrich August von Hayek – Entnationalisierung des Geldes
  • Larry Sechrest – Theory, History and a Laissez-Faire Model