Gegenwärtig beginnen wir wieder in einer Zeit zu leben, in der rassistische Vorurteile, Fremdenfeindlichkeit und Stigmatisierung aufgrund optischer Merkmale als schlechter Ton den Alltag beärmt.

Angefangen um sich zu greifen hat diese barbarische Entzivilisierung im Zuge von euphemistisch geführten Terrorismusdebatten, in denen es darum ging, den Feind frühzeitig zu determinieren um komplexeren Analysen und Schlussfolgerungen bequem aus dem Weg gehen zu können.

Eine durch menschenfeindliche Vorurteile getriebene Gesellschaftsentwicklung wird mit großer Befürchtung der einen sowohl als auch mit großer Euphorie der anderen zu Entbehrungen der individuellen Freiheit führen.

Es gibt das bekannte Beispiel des „wahren Schotten“. Es handelt sich hierbei um einen Denkfehler betreffend der Logik. Ich habe mir erlaubt, diesen ein wenig umzubauen um dadurch aufzuzeigen, dass der Denkfehler seinen Charakter nicht verliert, wenn man seine Aussage durch eine andere – uns mittlerweile übel bekannte – ersetzt.

Der „wahre Moslem“

A: Alle Moslems sind Terroristen !

B: Alle Moslems ? Was ist mit Herr Y/Frau X ? Geboren in einem muslimischen Land, aber geschätzt und respektiert wegen seiner/ihrer Toleranz und Friedlichkeit !

A: Aber Herr Y/Frau X ist kein wahrer Moslem.

Problematik

Ad hoc wird  die Definition des Wortes »Moslem« geändert, dann wird eine Allaussage (alle Moslems …) durch einen Dreh gegen Kritik immunisiert und zu schlechter letzt wird die Definition von jedem Sinn entleert, in dem man voraussetzt, was man eigentlich zeigen wollte.

Denn aus „Alle Moslems sind Terroristen“ wurde „Alle Moslems, die wahre Moslems sind, sind Terroristen“. 

Woran erkennt man nun wahre Moslems ? Nicht an ihrem Glauben, sondern – natürlich! – daran, dass sie Terroristen sind. Wahre Moslems sind Terroristen und wenn sie keine wahren Moslems sind, dann sind sie auch keine Terroristen – das ist doch logisch, oder ?

Nun setzen wir die so gewonnene Definition in die Neuformulierung ein und erhalten:

Alle Moslems, die Terroristen sind, sind Terroristen (denn wahre Moslems sind Terroristen).

Der Satz ist ganz sicher wahr, nur, er enthält leider keinen Sinn mehr. Es handelt sich nicht um eine tiefe Wahrheit, sondern eine Wahrheit, über die hinaus man sich nichts Flacheres mehr vorstellen kann. Kurz, der Satz ist eine Tautologie, eine leere Wahrheit, eine hohle Phrase, die zwar überzeugend klingt (hohle Worte tönen voller), aber die keinen Sinn mehr enthält. Tatsächlich ist die Aussage »bla bla bla« gehaltvoller, weil wir bei ihr wenigstens sofort erkennen, dass sie keinen Inhalt mehr enthält, was ein echter Vorteil ist.

Es gibt noch andere Beispiele um das Problem des „wahren Schotten“ zu beschreiben.

Der „wahre Rechtspopulist“

A: Rechtspopulisten sind gute Menschen !

B: Was war mit HerrnY/FrauX, …?

A: Das waren aber keine wahren Rechtspopulisten ! Denn wahre  Rechtspopulisten sind immer gut.

Anders formuliert: Wahre Rechtspopulisten sind, sofern es sich um wahre  Rechtspopulisten handelt, gute Menschen. Woran erkennen wir wahre  Rechtspopulisten ? An ihrem guten Handeln natürlich ! Folglich sind Rechtspopulisten, die gut handeln, Menschen, die gut handeln. Das ist zweifellos wahr, gilt aber für jede andere beliebige Gruppe von Menschen ebenfalls.