Die Regierungsvertreter des österreichischen Staates liebäugeln mit einem
Kopftuchverbot für Muslime. Das verwundert nicht in einem antiliberalen
Zeitalter nicht. Jedoch, wer damit anfängt, Muslimen vorzuschreiben, wie
sie auszusehen haben, der kann grundsätztlich jedem vorschreiben, wie er
auszusehen hat. Wo sollte die Macht einer derartigen Befugnis Halt machen ?
Jede Grenze ist willkürlich und wäre darum auch nach belieben verschiebbar.

Wenn wir die Werte der westlichen Zivilisation anerkennen, dann gilt der
Grundsatz, dass individuelle Freiheit zu schützen und nicht durch den Staat
aufzuheben sei. Andernfalls wäre es das Ende unserer Kultur und mithin auch
jener Zivilisation, die sich westlich zu sein rühmt – zumindest auf dem
Papier.

Jeder Mensch hat das unveräußerliche und angeborene Recht, Eigentümer
seines eigenen Körpers zu sein. Daraus folgt, dass auch jeder Mensch das
Recht hat, selber zu entscheiden, wie er aussehen will. Dieses
Rechtsprinzip wird nun in zweierlei Richtungen verletzt. Einmal in jenen
muslimischen Ländern, in denen es zum gesetzlichen Zwang erhoben worden
ist, ein Kopftuch zu tragen und einmal in den anderen Ländern, die darüber
nachdenken, das Tragen eines Kopftuches verbieten zu lassen. In beiden
Fällen geht das Unrecht vom Staat aus.

In Frankreich ist beispielsweise das Tragen einer Burka verboten und
erfordert im Falle der Sanktion 150€ an Bußgeld. Der Gerichtshof urteilte,
dass dieses Gesetz legitim sei, da die Bürger ihr Gesicht nicht
verschleiern sollten um ein gutes Miteinander zu ermöglichen. Doch hier
irrt sich der Gerichtshof. Wenn ein Mann sich einen Bart wachsen lässt,
wenn ein Sozialphobiker die öffentliche Wahrnehmung meidet und zu Hause
bleibt, wenn ein Mensch mit gesenktem Kopf durch die Straße geht und andere
nicht ansieht, wenn ein Mensch soziale Kontakte verweigert und als
Einsiedler lebt, wenn, wenn, wenn… DANN ist es auch die Angelegenheit
dieser Menschen und es geht den Staat nichts an. Nur ein Staat der meint,
er sei der Eigentümer der Menschen, möchte sich in die Angewohnheiten
seiner Bürger einmischen. Er glaubt, die Bürger sind SEINE, sie gehören
ihm. Aber kein Mensch gehört dem Staat.

Zudem wirken staatliche Eingriffe schädlich in Bezug auf das zu fördernde
Miteinander der Menschen. Ebenso verursachen derartige gesetzliche
Eingriffe einen Unfrieden unter denen, die sie betreffen. Menschen
vorzuschreiben, wie sie auszusehen haben und wie sie nicht auszusehen
haben, unter der Berufung, das gesellschaftliche Miteinander zu fördern,
ist ein Widerspruch in sich selbst. Denn keine Atmosphäre kann sich
verbessern, wenn man Zwangsmaßnahmen einsetzt, die sich gegen bestimmte
Menschen richtet. Viel mehr trägt es zu atmosphärischen Störungen innerhalb
der Gesellschaft und ihrer Gruppen bei. Damit konterkariert die Begründung
des Gesetzes sein eigenes Motiv.

Weiters sind aufgrund des Kopftuchverbotes, welches in Frankreich gilt,
einige muslimische Frauen dazu übergegangen es als Symbol des Widerstandes
gegen ihre Unterdrückung durch den französischen Staat zu interpretieren.
Von wegen atmosphärische Verbesserungen und ein besseres Miteinander. Man
erzeugt den Geist des Widerstandes, wenn man das Instrument von Zwang
benutzt.