Ein schöneres Beispiel für das wunderbare Zusammenspiel von Staat und Konzernen und die Wirkung von „Regulierungen“ lässt sich ja im Jahr 2 nach Einführung des Mindestlohnes in Deutschland* kaum ausdenken.

Facebook – eines der Unternehmen, gegen das diese neue EU-Datenschutzverordnung vermeintlich zielt – erfüllt selbstverständlich alle Anforderungen; die haben einfach ihre Rechtsabteilung vor zwei Jahren mit Fachleuten aufgestockt und die Marketingabteilung wendet die Compliance jetzt zum eigenen Nutzen, indem man die Verordnung begrüßt. – Kurz und gut: sie haben damit genau gar kein Problem, sondern mussten kurzfristig nur etwas tiefer in die Portokasse greifen und schleimen sich jetzt bei Kunden und Aufsichtsbehörden ein.

Kleine und mittlere Unternehmen hingegen, gegen die diese Verordnung eigentlich gar nicht gerichtet ist, die sie aber ganz genau so betrifft, rödeln seit Monaten am Rande der Verzweiflung und unter Aufwendung kostbarer Ressourcen herum. Und trotzdem wird es den wenigsten gelingen, ihre internen Abläufe, die Datenverarbeitung und ihre Online-Auftritte rechtzeitig rechtskonform und abmahnsicher zu gestalten.

Es wird außerdem nicht allzu viele Feld-, Wald- und Wiesen-Anwälte geben, die sich mit dem Gedanken tragen, Facebook abzumahnen. Denn das geht in aller Regel nach hinten los. Da wendet man sich doch eher an den kleinen Onlineshop mit Bastelmaterial, die familiengeführte Pension oder den lokalen Handwerksbetrieb und sendet dorthin seine nichtsnutzigen 1.500€-Rechnungen. Dankenswerterweise hat die Bundesregierung dieser Abmahnindustrie ja parallel das Leben erleichtert. Denn mittlerweile dürfen nicht nur Wettbewerber, sondern auch Berufs- und Branchenverbände abmahnen. ^^

Die Datenschutzerklärungen werden noch unlesbarer werden (was einerseits gegen das Einfachheitsgebot der Verordnung verstößt, andererseits sachlich aber gar nicht zu vermeiden ist) und „König Kunde“ glaubt neben Andrea Nahles und Jan Philipp Albrecht einmal mehr, dass man nun als Bürger gegenüber den bösen Unternehmen ins Recht gesetzt wurde.

Die aggressive Verblödung schreitet voran.


(*) Der Mindestlohn war das unübertroffen beste Beispiel. Sämtliche Konzerne, die ohnehin schon darüber bezahlt haben, haben ihn begrüßt – im Verbund mit kleineren Filialisten in umkämpften Branchen (Beispiel Friseure), die es sich leisten können, die Preise zu senken, bis der Wettbewerb platt ist. Ein Problem – und zwar ein existentielles – haben nur Wettbewerber im Segment der eigenständigen Klein- und Kleinstbetriebe.

Aber wir wissen seither ja: Wer den Mindestlohn nicht zahlen und den Dokumentationspflichten nicht nachkommen kann, der hat eben auch keine Existenzberechtigung – da waren sich Andrea Nahles und „die Wirtschaft“ sehr einig. ^^