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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Buchrezension: Gauner, Grosskotz, Kesse Lola Deutsch-Jiddische Wortgeschichten

Esther Scheiner, 18.05.2016

Um wie Vieles ärmer wäre die deutsche Sprache, wenn sie nicht von den oft herzerfrischend offenen, treffenden und lebensfrohen Überresten des Jiddischen profitieren könnte. Jener Sprache, die die Shoa überlebte, wenn auch überwiegend das Bewusstsein verloren ging, wo die Wurzeln des einen oder anderen, so selbstverständlich gebrauchten Begriffes liegen.

9783861246961

Viele dieser Wörter kann man unmittelbar auf den hebräischen Ursprung zurückverfolgen. Einige haben sich schon vor langer Zeit in der Sprache der Gauner und Rotwelschen etabliert und fanden so Verbreitung im deutschsprachigen Raum. Zu dieser Gruppe gehören der Gauner (ganav/Dieb), die Schmier (shomer/Wächter), der Knast (knas/Geldstrafe). Begriffe wie chuzpa, tachles, schmonzes, schmus sind selbstverständlich im Duden aufgenommen. Unter schlamassel kann sich fast jedes Kind etwas vorstellen, und freut sich in der Regel, nicht Schlemihl genannt zu werden.

Auch in einigen deutschen Dialekten wird man fündig, wenn man nach Worten mit jiddischem Ursprung sucht. Der Wiener Haberer oder verkürzt Habi geht auf das Wort chawer (Freund) zurück. Im Ruhrpott ist man „auf Maloche“ (meloches/Arbeit), wenn man am arbeiten ist.

Warum man sich am Sylvester Abend einen „guten Rutsch“ wünscht, wird in einer „Wortgeschichte“, wie der Autor die einzelnen Kapitel nennt, umfassend und informativ erklärt.

Die Recherchen zu den einzelnen Worten und deren Herkunft bieten Stoff genug für eine umfassende Dissertation. Auch wenn sie grossteils spannend und erhellend sind, sind sie, für meinen Geschmack teilweise etwas zu weit ausholend.

Insgesamt spannend und informativ für jeden, der Spass am Umgang mit einer Sprache hat und einfach mehr wissen möchte. Kein Buch, um es in einem Rutsch zu lesen, aber eines, das ich gerne immer wieder in die Hand genommen habe und nehmen werde.

Dass ich Prof. Gutknecht keinen wirklichen Hals- und Beinbruch für den Erfolg seines Buches wünsche, ist jedem Leser klar. Woher aber der unheilvolle Wunsch kommt weiss er, wenn er dessen jiddischen Ursprung kennt: „Be hazloche un broche!“ (mit Erfolg und Segen)

 

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Christoph Gutknecht, geboren 1939 in Hamburg, lehrte bis 2011 als Professor am Institut für Anglistik und Amerikanistik der Universität Hamburg. Heute arbeitet der Sprachwissenschaftler als Publizist (u.a. für die Jüdische Allgemeine, das Internetforum Kultura-Extra und den Schweizer Monat) sowie als Synchron- und Off-Sprecher für Rundfunk, Film und Fernsehen. Bekannt wurden seine NDR-Radioserien »Über fremde Sprachen« und »Der Sprache auf der Spur« sowie etliche Bücher über deutsche Sprache, darunter »Lauter böhmische Dörfer«, »Lauter blühender Unsinn« und »Von Treppenwitz bis Sauregurkenzeit«.

 

 

 

Edition q im be.bra Verlag GmbH, Berlin-Brandenburg, 2016-05-18

ISBN 978-3-86124-696-1

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