Team-Blog: Eidgenössisch Eigensinniges

M.M.’s Kommentare aus der Schweiz, dem letzten zentraleuropäischen Widerstandsnest gegen die EU-Bureaucrazies.

Eine interessante, jedoch unverständliche Diskussion

Ich muss sagen, ich verstehe die Diskussion, die hier geführt wird, nicht in allen Teilen. Wenn ich sie jedoch richtig interpretiere, herrscht ein tiefes Misstrauen gegenüber der direkten Demokratie.

Das mag ja auch an der mangelnden Erfahrung liegen.

Jedoch: Man wird sich auch in sogenannt liberalen Kreisen an diese Form der Mitbestimmung der Citoyens gewöhnen müssen – ausser man schafft diese Partizipationsmöglichkeit wieder ab. Wobei ich die Partei erst mal sehen möchte, die sich – in Bayern – solches zu tun getraut.

Mit der Antiraucherabstimmung habe man eine Grenze überschritten, schreibt jemand in einem der vielen Kommentare. Soso, eine Grenze überschritten. Welche denn, bitteschön. Und was wäre denn ein zulässiges Thema für ein Bürger/Volksbegehren? Und: Wie viele derartige Abstimmungen hat es denn überhaupt schon gegeben in Bayern seit deren Einführung 1995? Und da wurden keine Grenzen überschritten?

Die Sache ist die, dass dieses Thema geradezu ein Glücksfall für die Mitbestimmung der Bürgerinnen und Bürger ist. Denn dank diesem offensichtlich auch in Bayern stark emotionalisierenden Thema ist einer breiten Bevölkerung deutlich, ja vielleicht auch erstmals bewusst gemacht worden, dass es so etwas wie eine konkrete Mitbeteiligung am politischen Leben ausserhalb der Wahltermine gibt.

Und dass man, wenn man mit der Regierungsarbeit – wie bei diesem Thema – nicht zufrieden ist, auch ohne Wahlsonntag die Politik beeinflussen kann. In der Schweiz ist das völlig normal, ja gewollt.

Die CSU, die FDP, die Regierung haben bei diesem Thema monatelang rumgeeiert. Die Teilnehmer an der Abstimmung haben entschieden. Toll. Das macht doch Lust auf mehr.

Beispielsweise kann die sich derzeit in schweren Nöten befindende FDP überlegen, ob sie nicht mit einem Volksbegehren für eines ihrer Kernanliegen wirbt. Braucht ja nur 25‘000 Unterschriften.

Übrigens – der auch hier hochgelobte Herr Gauck hat vor seiner Nichtwahl mehr Volksentscheide gefordert. Und zuguterletzt: Ich wundere mich, dass diese Diskussion NACH der Abstimmung geführt wird und nicht zuvor. Das gehört nämlich auch zu dieser Art der demokratischen Mitbestimmung, dass VOR dem Urnengang gestritten wird und nicht danach.

Bayern sagt Ja

Es werden nach dem Votum der bayrischen Stimmbürgerinnen und Stimmbürger – welch ein demokratischer Unterschied zum Blosswähler!- für ein restriktives Rauchergesetz wohl wieder Stimmen laut werden, welche die direkte Demokratie als “Pöbelherrschaft” deuten und dann noch diese niedrige Stimmbeteiligung “von gerade mal 37,7 %”! Die direkte Demokratie ist eine Pöbelherrschaft der Minderheit, werden sie behaupten.

Vielleicht hilft ein Blick über die Grenze zur ältesten Direktdemokratie Europas: Die Stimmbeteiligung in der Schweiz liegt im Schnitt bei 40 %, ausser bei wirklich umstrittenen Vorlagen, wie beispielsweise bei der Minarettinitative (55 %) gehen mehr als die Hälfte an die Urnen (okay, über 90 % stimmen inzwischen per Briefpost ab).

Man kann es drehen und wenden, wie man will, wenn bei einer Umfrage die Meinung von 1’000 Durchschnittsbürgern/innen als repräsentativ betrachtet wird, so ist es dies bei 37,7 % einer Bevölkerung allemal.

Was das Ergebnis anbelangt, so liegt das ziemlich genau bei den Werten, die auch in Abstimmungen zu diesem auch bei uns umstrittenen Thema (die liberale Welt geht unter!) erreicht wurden. Im Kanton Basel-Landschaft, wo letztes Jahr über eine ähnlich restriktive “Passivraucherschutz-Initiative” abgestimmt wurde, erreichte das Ja-Lager, bei einer Beteiligung von 42 % prozentual etwas mehr Stimmen als in Bayern, nämlich  64,7 %. Ähnliche Resultate wurden auch in anderen Kantonen erreicht.

Volksrechte hin oder her: Der Punkt ist der, dass der Zug für das Überall-wo-ich-will-Rauchen ist abgefahren.

PS: Die deutschen Medien müssen sich sprachlich noch dem Volksentscheid annähern: Es heisst nicht “Wahlberechtigte” bei einer “Volksabstimmung” – gut, der Ausdruck ist hingegen sehr schweizerisch –  sondern es handelt sich um “Stimmberechtigte”. Es wird schliesslich nicht gewählt sondern abgestimmt.

Junges Deutschland

Geht es Ihnen auch so – man liest und hört Nachrichten zu einem Thema das einen nicht wirklich berührt und folgt dann der Mainstreammeinung, weil sie nach x Wiederholungen irgendwie plausibel tönt.

Weil, wie gesagt, im Grunde genommen kann es uns ja egal sein. Uns Schweizern.

Beispielsweise die Bundespräsidentenwahl in Deutschland. Alle Medien trommelten für Herrn Gauck. Und gestern, während der Direktübertragung der Wahl (die bei mir im Hintergrund lief) war “Die Linke” die grosse Spielverderberin.

Frau Merkel ist heute die grosse Verliererin.

Nun ist die Wahl vorbei und der Bundespräsident heisst, wie vorauszusehen war, Wulff. Das passt doch zum Land.

Beispielsweise zur Deutschen Fussballmannschaft, die jüngste aller Zeiten, die einen Fussball spielt, wie man ihn sonst von Italien, Frankreich oder den Brasilianern erwartet, aber sicher nicht von den Deutschen.

Der neue Präsident ist nicht wie Herr Gauck ein alter Mann von 70, der uns sechs Jahre mit sicher gehaltvollen Reden beglückt hätte – doch braucht man das wirklich? Jetzt zieht ein 51-jähriger Mann – er ist gerade mal zwei Jahre älter als Herr Obama – ins Schloss Bellevue, mit einer jungen Frau und zwei kleinen Kindern. Da zieht nach 60 Jahren Pensionistenpräsidenten-Bundesrepublik- Deutschland das wirkliche Leben ein.

Möglich also, dass sich das Ehepaar Wulff während der Präsidialzeit scheiden lässt, sicher wird mal dieser oder jener Teller (verbal, hoffen wir) im Schloss Bellevue durch die Gegend fliegen, sicher auch, dass der Präsident und seine Frau Alltagssorgen mit ihren Kindern haben werden. Die Herzen der Massen werden sie wohl, wie der Amerikaner, mit einem Haustier erobern.

Also sollten sich die Deutschen doch darüber freuen, dass sie nicht nur eine erfrischend junge Fussballmannschaft haben – denen ich, wenn sie so weiterspielen, noch ein paar Siege gönne – sondern auch einen jungen Bundespräsidenten, der doch ganze neue Massstäbe setzen kann.

Leute, um es kurz zu machen: Dieser Präsident passt doch einfach besser zu Jogi Löw.

Und die Frau Merkel – ach wie oft hatte man den Helmuth Kohl während dessen Amtszeit schon abgeschrieben.

Übrigens: Die Kommentare der ZDF/ARD/Radio DRS-Journalisten zum Wahlverhalten der Wahlmännerfrauen von “Die Linke” waren nichts als Propaganda. Oder auch journalistisches Unvermögen.

Denn diese Partei ist die einzige gewesen, die schlüssig ihre politische Linie gefahren ist: Opa Gauck (er erinnert mich entfernt an den Eduscho-Mann) ist ein konservativer Liberaler und weshalb sollte sie so einen wählen, bitteschön?

Wir lernen: Man tut gut daran, immer anderer Meinung zu sein, als die veröffentlichte (keine Regel ohne Ausnahme).

Stoppt die Vuvuzelas!

Nein, es ist nicht auszuhalten. Den Argentinien-Match habe ich gestern ohne Ton verfolgt. England-USA war etwas besser. Das Gedröne im Hintergrund nervt.

Wem das Getüte der Vuvuzelas, dieser permanente Bienenschwarm im Hintergrund, auf den Wecker geht, kann der Facebook-Gruppe beitreten. Nützt zwar nichts, aber ist gut für die Psyche :-)

Die Hoffnung

Wenn ich mit meinen Fellow Europeans aus Deutschland wie kürzlich beim Bier sitze, wird immer mal wieder die Bitte an mich herangetragen, die Schweiz solle doch Deutschland einfach übernehmen. Dann ginge es auch hier politisch und so bergauf.

Leute, die Hoffnung scheint sich zu erfüllen, zumindest für Baden-Württemberg. Die Schweizerische Volkspartei hat einen entsprechenden Vorstoss im Parlament lanciert. Ich dachte auch zuerst an einen Scherz, doch das heutige Datum zeigt: Die meinen das ernst.

Geht es nach SVP-Präsident Toni Brunner und seinem Fraktionschef Caspar Baader, dann ist Schwäbisch bald der meistgesprochene Schweizer Dialekt. Und die grösste Schweizer Stadt heisst neu Stuttgart. Brunner, Baader und 26 ihrer Fraktionskollegen haben eine Motion von Nationalrat Dominique Baettig unterschrieben, der eine «erleichterte Integration grenznaher Regionen als Schweizer Kantone» vorschlägt.

SVP will der Schweiz Nachbargebiete einverleiben

Kreative Idee zur Griechenlandhilfe

Deutschland wird nun wie alle anderen im Euro organisierten Länder auch den Griechen ein paar Eurorubel rüberschieben müssen.

Ich hätte da eine kreative Idee, von der alle etwas hätten. Man soll das Leben und besonders die Krisen nicht immer so todernst nehmen.

Man könnte ja mal eine oder zwei Milliarden für Direkthilfe auf die Seite tun. Und die ginge so: Jeder Deutsche, der nach Griechenland in die Ferien fährt,

Es gibt ihn, den vorbildlichen Steuerzahler

Der EU-Botschafter in der Schweiz, ein Herr Reitener aus Österreich, hat heute einer grösseren Tageszeitung ein Interview gegeben.

Es war das Interview eines Statthalters, aus schweizerischer Sicht, aber die dürfte hier wohl weniger interessieren.

Mich persönlich amüsiert die Stelle, wo sich Herr Reitener als guter Steuerzahler outet. Das tönt so:

Als Beamter erhalte ich ein Gehalt, bei dem die Steuern bereits abgezogen sind. Eine Steuerhinterziehung ist also gar nicht möglich. Meine Abgaben gehen direkt an die EU-Kommission.

Ich meine, das ist doch das Ziel. Dann ist in der EU die absolute Steuerehrlichkeit erreicht.

Jeden Tag ein Dorf weniger in Deutschland

Der Kapitalabfluss (weiss oder schwarz) ist das eine Problem, das Deutschland hat. Doch das andere ist viel bedeutender: Alle vier Minuten verlässt ein Deutscher sein Land. Die Rede ist nicht von Touristen, die wieder zurückkommen. Wir reden hier von Auswanderern.

CDU-Kauder: Die Schweiz soll mitbieten

Doch, das ist ein vernünftiger Vorschlag, den Siegfried Kauder, Rechtsexperte der CDU im Bundestag, macht, wenn das jetzt in Europa so läuft wie es läuft mit geklauten Bankdaten:

Es tönt jetzt vielleicht zynisch. Aber da nun ein Markt entstanden ist, müsste die Schweiz vielleicht einfach mitbieten.

Die grösste Vermögensvernichtungsaktion seit dem Krieg

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble schaute gestern etwas besorgt drein, als er vom Schweizer Fernsehen interviewt wurde.

Man kann die Sorgen, die den Mann plagen, durchaus verstehen. Der sorgt sich nicht um die Schweiz, der sorgt sich um Deutschland.

Diese CD wird für die Bundesrepublik zum politischen Sprengsatz.