antibuerokratieteam.net

Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

A Letter to Spreadshirt

jo@chim, 15.07.2015

Eigentlich sind die Hemdchen von Spreadshirt ja ganz nett und vor allem billig von Kindern, die sich damit eine ordentliche Bildung finanzieren, hergestellt. Mit billiger Geschäftspolitik komm ich aber nicht so gut zurecht. A Letter to Spreadshirt:

Sehr geehrte Damen und Herren vom „Spreadshirt“-Team,

a letter to spreadshirtdanke für Ihr Angebot, einen “mobilen Designer-Shop” anzulegen. Bitte streichen Sie mich aus Ihrer Partnerliste.

Eine Ihrer Mitarbeiterinnen weigerte sich, einen Auftrag für ein T-Shirt mit dem Aufdruck “I love PEGIDA” anzunehmen und lancierte eine diesbezügliche Pressekampagne:

“Das, was Pegida vertritt, gilt in unseren Augen nicht als Meinung, sondern als rassistisch, diskriminierende und menschenverachtende Äußerungen. Wir haben uns aus ethischen Gründen darum entschieden, den Namen dieser lächerlichen Vereinigung nicht zu drucken. Ich hoffe, Du erkennst irgendwann, dass Du zusammen mit Nazis auf die Straße gehst.” Quelle: http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2015/07/12/t-shirt-haendler-gegen-pegida_19665

Mit einem Unternehmen, dessen Mitarbeiter unwidersprochen so unverschämt im Namen ihres Unternehmens – oder nicht? – mit Auftraggebern umspringen, möchte ich nicht zusammenarbeiten.

Ich habe als Liberaler, der für offene Grenzen und Toleranz, ungeachtet von Herkunft oder frei gewählter Lebensform, eintritt, nichts mit dem völkischen Raunen verängstigter (Spiess-)Bürger zu tun. Ebenso wenig übrigens mit den naiven jungen Menschen, die sich bei Ihnen Motiv-T-Shirts mit dem Erfinder der Arbeitslager für kubanische Homosexuelle (Ernesto Rafael Guevara de la Serna, genannt “Che” Guevara) drucken lassen. Oder Demokratiefeinden, die per “Destroy Capitalism!”-Hoodie aus Ihrem Angebot gegen ihre Eltern bzw. das Schweinesystem, das ihnen das Studium finanziert, protestieren. Oder mit irgendeinem x-beliebigen anderen mehr oder weniger dämlichen Motiv, das Sie als Print-Shop drucken. Schliesslich leben wir in einem freien Land. Da gehn auch Katzenbilder oder andere Bekenntnisse der eigenen Blödheit. Not my Deal. Dachte ich.

Aber habe ich mich vielleicht getäuscht und Spreadshirt nimmt inzwischen einen öffentlichen Bildungsauftrag wahr? Informieren Sie mich ggf. bitte entsprechend. Einem Einzug meines Meinungshemdchengrundbeitrages von meinem Konto widerspreche ich hiermit vorsorglich ausdrücklich.

Joking aside: es ist (war?) eine schöne Eigenschaft unserer marktwirtschaftlichen Ordnung, dass sie freie Vertragsbeziehungen zwischen Individuen gleich welcher Nation, religiöser oder politischer Überzeugung gewährleistet(e). Wer Individuen aufgrund gewaltfreier Meinungsäusserung diskriminiert, kann nicht mein Geschäftspartner sein. Bitte haben Sie deshalb Verständnis dafür, dass ich aus ethischen Gründen nicht mehr weiter eine derart lächerliche Unternehmenspolitik unterstützen kann.

Ich kündige hiermit fristlos jegliche Geschäftsbeziehung mit der sprd.net AG

Mit freundlichen Grüssen und allen guten Wünschen für angemessenen Geschäftserfolg,

Ihr Achim Hecht

Update, 16.07.2015 – heute habe ich Antwort von Spreadshirt erhalten und dokumentiere sie hier:

[…] Vielleicht an der Stelle eine Richtigstellung: Keineswegs hat Spreadshirt eine “Medienkampagne lanciert”. Tatsächlich wurde besagtem Wunsch einer Kundin nach dem Druck eines “I love Pegida” T-Shirts nicht nachgekommen. Im Rahmen einer schriftlichen Konversation im Anschluss an die Auftragsablehnung kam es auch zu der im Netz kursierenden Email – deren grundsätzlicher Inhalt, im Rahmen unserer freien Entscheidung als Unternehmen auch zukünftig keine pegida-Artikel herstellen zu wollen, uneingeschränkt Bestand hat. Über die Form und den Grundton der Nachricht lässt sich freilich streiten. Persönliche, verallgemeinernde Aussagen haben in einem Kundendialog natürlich nichts zu suchen. […]

Na, dann frag ich eben mal nach:

Dankeschön für Ihre schnelle Antwort Stefan!

Sie schreiben “im Rahmen unserer freien Entscheidung als Unternehmen auch zukünftig keine pegida-Artikel herstellen zu wollen”. Ich frage mich (und Sie, und die geneigte Netzöffentlichkeit*) aber diesbezüglich: inwiefern sehen Sie dieses Geschäftsgebaren vom Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz gedeckt, das Diskriminierung aufgrund von Weltanschauung verbietet? In Abs, 2(1)8. ist der Anwendungsbereich mit Bezug auf “den Zugang zu und die Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen, die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, einschließlich von Wohnraum” doch klar definiert, oder? http://www.gesetze-im-internet.de/agg/__2.html

(*Ich erlaube mir, die Korrespondenz als Ergänzung zur öffentlichen Stellungnahme Ihrer Mitarbeiterin ebenfalls öffentlich zu dokumentieren: http://www.antibuerokratieteam.net/2015/07/15/a-letter-to-spreadshirt/ )

Mit freundlichen Grüssen,
Achim

Disclaimer: Nichts liegt mir als Liberalem ferner, als Unternehmen vorschreiben zu wollen, wen sie bedienen und wen nicht. Ich find es aber schon spannend, mit welcher Nonchalance dieser Print-Shop offensichtlich über rechtliche Regelungen hinweg sieht; das gesunde Volksempfinden gegen rechts allemal an seiner Seite wissend.

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