Ausgewählte Tag-Kategorie: ¡Revolución!

The Capitalist Dream

25.03.2008 22:30 - Notizen aus dem U-Boot by jo@chim - 5 Kommentare

Das Ziel des Arbeiters ist es, kein Arbeiter mehr zu sein. Dies ist das grösste Missverständnis der Kommunisten

So die späte Erkenntnis von Joschka Fischers Lieblingskoch Klaus Trebes (sein Restaurant ist übrigens allererste Empfehlung!) heute im ZDF.

Das grösste Missverständnis der Kommunisten, ebenso wie all der anderen links-, rechts- und sonstwie extremen Weltverbesserer, die den Frust über ihren fehlenden proletarischen Stammbaum ins gerade angesagte revolutionäre Subjekt projizieren.

Dafür eine - zutiefst humanistische, weil für alle reichtumsfördernde - Dynamik, die dem vielgescholtenen, tausendmal totgesagten Kapitalismus innewohnt: Arbeiter, die weder von “den Kapitalisten” noch von “dem Staat” befreit werden, sondern schlicht ungehindert und aus eigener Kraft ihre Lebensumstände verändern wollen.

The Capitalist Dream.

Ein Blick in die Glaskugel

31.12.2007 13:43 - Statler & Waldorf by Statler - 26 Kommentare

Überall gibt es gerade wehmütige Jahresrückblicke. Nicht hier. Liberale schauen nach vorne, denn, wie Thomas Mann in den Buddenbrooks so schön sagte: Für das Gewesene gibt der Kaufmann nichts.

[Nachtrag: Wieso sind Jahresrückblicke eigentlich immer wehmütig, wenn sie auch so sein können, wie der von Reinhard Mohr?

Noch ein Nachtrag: Ah, noch einer. Geht doch.]

Also, hier sind die Prognosen für 2008:

  • Hillary Clinton wird zur nächsten Präsidentin der USA gewählt
  • die Schweiz kommt bei der EM 2008 zumindest ins Halbfinale
  • der DAX wird am 31.12.2008 bei höchstens 7000 Punkten stehen
  • das BIP wird im Jahresdurchschnitt 2008 um höchstens 1,5% wachsen
  • die deutsche Politik wird sich noch viel mehr in völlig irren Gerechtigkeits- und Verstaatlichungsdebatten verstricken, effizienzorientierte Reformen vollständig vernachlässigen und damit die Grundlagen für einen fulminanten Verlauf der nächsten Rezession schaffen
  • die SPD wird in Hessen mit der Linkspartei und den Grünen koalieren und dies damit begründen, daß Hessen ein Ausnahmefall sei und man das schweren Herzens nur deshalb tue, um den rechtslastigen Roland Koch loszuwerden
  • die Bahn-Privatisierung wird aufgegeben

Und die Prognosen für 2015:

  • Unter dem Bundeskanzler Oskar Lafontaine tritt die Bundesrepublik aus dem “neoliberalen Projekt” der EU aus und setzt stattdessen auf ein Bündnis mit Venezuela, Kuba und dem Iran
  • Es heißt jetzt Volksrepublik Deutschland
  • Ausländische Investitionen in Deutschland werden verboten (es sei denn, sie kommen aus Venezuela, Kuba oder dem Iran)
  • Bruttoeinkommen über 50.000 Euro werden mit einem Grenzsteuersatz von 100% belegt (außer für Abgeordnete und Regierungsmitglieder)
  • Damit endlich Transparenz herrscht, müssen alle Bürger alle Einkommen veröffentlichen (außer Abgeordnete und Regierungsmitglieder)
  • Um die Erde zu retten, werden Autos mit mehr als einem Liter Hubraum verboten (außer Abgeordneten- und Regierungsdienstwagen)

Venezuelas Weg in die Diktatur

02.11.2007 19:12 - Statler & Waldorf by Statler - 19 Kommentare

Diese Woche lohnt es sich, die ZEIT zu kaufen, denn im Dossier berichtet Hans Christoph Buch ausführlich aus Venezuela. Er beschreibt den Weg des Landes in die Diktatur, und eigentlich müßte man über dieses Regime lachen. Aber leider ist es nunmal so, daß Chavez nicht nur ein ungebildeter Pausenclown ist, der in endlosen Fernsehauftritten bizarre Dinge von sich gibt. Nein, Chavez ist auch der Mann, der Journalisten verfolgen läßt, nur weil sie Stipendien in den Vereinigten Staat angenommen haben. Chavez ist derjenige, der in der Verfassung die Beschränkung seiner Amtszeit aufheben will, der 450 Millionen Dollar an Lukaschenkos Weißrußland verschenkt während er die Ölförderanlagen als einzige Quelle venezolanischen Reichtums verrotten läßt (die Fördermengen sinken bereits), der Listen mit Namen und Adressen derjenigen veröffentlichen läßt, die beim Referendum im Jahre 2004 gegen ihn gestimmt haben und der sie so offener Repression aussetzt.

Das pure, ungefilterte, totalitäre Denken

09.10.2007 13:18 - Statler & Waldorf by Statler - 4 Kommentare

Ernesto Guevara, in seinen eigenen Worten:

In dieser Periode des Aufbaus des Sozialismus können wir miterleben, wie der neue Mensch entsteht. Sein Bild ist noch nicht ganz vollendet, kann es gar nicht sein, weil der Prozeß parallel läuft zur Entwicklung neuer ökonomischer Formen. Abgesehen von denen, deren mangelnde Erziehung sie auf den Weg des Einzelgängers treibt, zur Selbstbefriedigung ihrer Ambitionen, gibt es solche, die auch in diesem neuen Rahmen gemeinsamen Voranschreitens dazu neigen, isoliert von der Masse zu gehen, welche sie begleitet. Entscheidend ist, daß die Menschen jeden Tag mehr Bewußtsein erlangen von der Notwendigkeit ihrer Eingliederung in die Gesellschaft und zugleich von ihrer eigenen Bedeutung als Triebkräfte derselben.

Kult, Teil 2

06.10.2007 14:51 - Statler & Waldorf by Statler - 2 Kommentare

Auch Richard Herzinger kontrastiert den populären Heldenmythos mit dem historischen Ernesto Guevara, dem todessüchtigen Stalinisten:

In Guevaras Forderung, die Revolution müsse selbst um den Preis von Millionen Opfern in einem Atomkrieg unbeirrt voranschreiten, offenbart sich eine apokalyptische Sehnsucht nach der totalen Auslöschung jener verhassten modernen Zivilisation, in der er nicht leben konnte und wollte.

Guevara, der von antiautoritären Studenten und Jugendlichen als libertäre Alternative zum grauen Starrsinn kommunistischer Funktionäre vergöttert wurde, bekannte sich in Wahrheit nicht nur zu einem orthodoxen Marxismus-Leninismus und betrieb von Anfang an die Errichtung einer kommunistischen Einparteiendiktaur in Kuba, in der abweichenden Stimmen rücksichtslos zum Schweigen gebracht wurden. Er hielt auch stets an seiner Verehrung für Josef Stalin fest. Bei seinem ersten Besuch in Moskau 1960 legte Guevara Blumen am Grab des massenmörderischen Diktators nieder - zum Missfallen seiner sowjetischen Gastgeber, die seit Chruschtschows Enthüllungen über die Verbrechen des Stalinismus im Jahr 1956 nicht mehr an ihren blutrünstigen Vorfahren erinnert werden wollten. 1953, im Todesjahr des Despoten, berichtete Guevara in einem Brief, er habe vor dem Bild „unseres alten, so sehr betrauerten Genossen Stalin“ geschworen, „nicht zu ruhen, bis diese kapitalistischen Kraken vernichtet sind.“

Mehr hier. Unbedingt hörenswert ist auch Alan Posener im Deutschlandradio zum gleichen Thema (danke an Thomas Wolf für den Hinweis).

Kult

05.10.2007 14:05 - Statler & Waldorf by Statler - 11 Kommentare

Wie es scheint, läßt der in Kürze bevorstehende Geburtstag (Todestag? Egal.) von Ernesto Guevara bei seinen Anhängern und Anhängerinnen bereits die Oxytocin-Konzentration im Blut in bedenkliche Höhen schnellen und die armen Leute ganz rollig werden, politisch jedenfalls. Da ist kein Personenkult zu pompös, keine Eloge zu peinlich, um aus einem Stalinisten und vielfachen Mörder einen Befreiungskämpfer und ein politisches Vorbild zu machen.

Höchste Zeit, mal wieder auf eine drei Jahre alte Kolumne von Paul Berman hinzuweisen, der die Dinge etwas klarer sieht:

Che was a totalitarian. He achieved nothing but disaster. Many of the early leaders of the Cuban Revolution favored a democratic or democratic-socialist direction for the new Cuba. But Che was a mainstay of the hardline pro-Soviet faction, and his faction won. Che presided over the Cuban Revolution’s first firing squads. He founded Cuba’s “labor camp” system—the system that was eventually employed to incarcerate gays, dissidents, and AIDS victims. To get himself killed, and to get a lot of other people killed, was central to Che’s imagination. In the famous essay in which he issued his ringing call for “two, three, many Vietnams,” he also spoke about martyrdom and managed to compose a number of chilling phrases: “Hatred as an element of struggle; unbending hatred for the enemy, which pushes a human being beyond his natural limitations, making him into an effective, violent, selective, and cold-blooded killing machine. This is what our soldiers must become …”— and so on.

[...]

I wonder if people who stand up to cheer a hagiography of Che Guevara, as the Sundance audience did, will ever give a damn about the oppressed people of Cuba—will ever lift a finger on behalf of the Cuban liberals and dissidents. It’s easy in the world of film to make a movie about Che, but who among that cheering audience is going to make a movie about Raúl Rivero?

For those about to walk, we salute you!

27.09.2007 13:02 - Notizen aus dem U-Boot by jo@chim - 31 Kommentare

A-Team Leser dagny hat Recht: bisher fand in der Bloggerszene so gut wie keine solidarische Berichterstattung über die Revolte der jungen Birmesen gegen die Militärdiktatur statt.
Ob es daran liegt, dass da keine antikapitalistischen Parolen gerufen werden (aber wo gibt’s sowas eigentlich noch?) oder dass es bis vor kurzem vorwiegend Mönche waren, die demonstrierten? Ich weiss es nicht.
Es wirkt sicher auch mit, dass es den Machthabern in den letzten Jahrzehnten gelungen ist, das Land völlig zu isolieren. Kein Zweifel, dass sie dabei, wenn nicht kurzfristig, so doch mittelfristig, scheitern werden, auch wenn sie aktuell offensichtlich auf brutale Repression setzen. Nicht zuletzt deshalb, weil Blogger inzwischen auch aus Birma unzensierte Nachrichten und Bilder berichten: via Ko Htike’s Prosaic Collection z.B. oder dem Blog von Nyein Chan Yar

Mönche unter roten Fahnen

25.09.2007 19:54 - Notizen aus dem U-Boot by jo@chim - 11 Kommentare

Also ich hätte ja nicht gedacht, dass mir Mönche - und noch dazu unter roten Fahnen - (a) jemals (b) jemals wieder sympathisch sein könnten.

Aber es geht :-)

btw: wo bleiben eigentlich all die allfälligen emotionalitätstriefenden Aufrufe zur “internationalen Solidarität” bei Che1957 et al. ?