Also, was tut sich denn so in den Wirtschaftswissenschaften? Wenn man sieht, woran die großen Fische im Teich gerade arbeiten, dann drängt sich jedenfalls der Eindruck auf, daß die Öffnung für Einflüsse aus den Nachbardisziplinen in eine weitere Runde geht. Benabou entdeckt den mit psychologischen Kosten zu erklärenden Groupthink, wenn er sich fragt, wieso in so vielen Organisationen und in der Politik verfügbare Informationen einfach ignoriert werden und man sehenden Auges Entscheidungen auf der Grundlage von falschen Vermutungen trifft. Tabellini interessiert sich neuerdings für die Frage, ob formale politische Institutionen auf in der Bevölkerung verbreiteten Werten basieren, oder ob Werte erst durch formale Institutionen verbreitet werden — und greift dabei sogar auf Datensätze von Sprachwissenschaftlern zurück.
Werden also die Wirtschaftswissenschaften “weicher“? Weit gefehlt, Benabous formales Modell ist komplex wie eh und je, Tabellini macht weiterhin state-of-the-art Ökonometrie. Die Methoden bleiben erhalten, werden weiterhin geschärft, aber das Interessensgebiet dehnt sich aus. Vielleicht steht also doch eher eine neue Welle des ökonomischen Imperialismus an? In den angelsächsischen Top-Journals der Politologen kann man schon heutzutage kaum noch etwas veröffentlichen, wenn man nicht entweder ein Rational-Choice-Modell (wie in der ökonomischen Theorie) oder quantitative Empirie (mit ökonometrischen Methoden) vorlegt. Insofern: Zieht Euch warm an, in den Nachbardisziplinen!
Ob ich persönlich das gut finde, das ist eine andere Frage. Eigentlich gäbe es noch genügend offene, im engeren Sinne ökonomische Fragen, an denen wir uns abarbeiten sollten.