Ausgewählte Tag-Kategorie: Bildung

Schuluniform und Markenterror

17.06.2008 15:28 - dagny's tags by dagny t. - 95 Kommentare

Den heutigen Artikel in der FAZ moechte ich zum Anlass nehmen um ein wenig ueber das Thema ‘Schuluniform’ nachzudenken.

Einheits-Look statt Markenklamotten: Die Offenbacher Ernst-Reuter-Schule führt zum neuen Schuljahr einheitliche T-Shirts, Polohemden und Kapuzenjacken ein. Jeder Schüler könne frei entscheiden, ob er sie trage, sagte die stellvertretende Schulleiterin Christa Ludwig-Männche am Dienstag und bestätigte damit einen Bericht der „Bild“-Zeitung. Viele Schüler litten „unter Markenterror“, begründete sie die Entscheidung der Schule.

Von der einheitlichen Kleidung erhoffe sie sich „eine Identifizierung mit der Schule und der Lerngruppe“ sowie ein besseres Schulklima. Die Initiative sei von den Eltern ausgegangen.

Es werden zwei Aspekte angesprochen, die in der immer wiederkehrenden Debatte um Schuluniformen auftauchen. Zum einen der Markenterror, den Markenklamotten der Mitschueler gegenueber mithalten zu muessen und zum anderen die Identifizierung mit der Schule, sprich der Corpsgeist.

Brain Drain — selbst gemacht

14.06.2008 18:38 - Statler & Waldorf by Statler - 32 Kommentare

DIE ZEIT 25/2008:

Vom Asylbewerberschiff auf eine Elitehochschule, »from child refugee to research wunderkind«, wie Wellesleys Campuszeitung jubelt – das ist eine sehr amerikanische Geschichte. Sie erzählt vom eisernen Willen eines Einwanderermädchens, es ganz nach oben zu schaffen – und erklärt, warum kluge Köpfe nirgendwo besser gefördert werden als in den USA. Zugleich ist es auch eine sehr deutsche Geschichte. Denn allzu gern hätte Sanja ihre Schule in Deutschland beendet und hier studiert. »Wir wollten unbedingt in Hamburg bleiben«, sagt sie. Doch Deutschland schien an dem Ausnahmetalent nicht sonderlich interessiert.

Eine schöne Reportage, die mehrere Probleme gleichzeitig illustriert. Nicht nur die Härte des deutschen Einwanderungsrechtes gegenüber den unmittelbar Betroffenen. Sondern auch die Art und Weise, wie sich Deutschland selbst immer wieder schadet, indem es diejenigen wegschickt, die es so dringend bräuchte. Und schließlich erfährt man auch einiges darüber, wie ein hoch ausdifferenziertes, vielfältiges Bildungssystem
soziale Mobilität fördert — oder vielleicht sogar erst möglich macht.

McJob oder Dr. McJob

10.06.2008 17:34 - dagny's tags by dagny t. - 31 Kommentare

Die Bezeichnung McJob steht fuer einen schlecht bezahlten Job ohne Aufstiegschancen und ohne hohes Prestige. “Hier essen oder mitnehmen”, Aufstiegschancen ausgeschlossen und der Markt nicht in der Lage Abhilfe zu schaffen, so duerfte ein gaengiges Klischee ueber McDonalds lauten.

Doch McDonalds scheint mit der schlechten Publicity des McJobs nicht mehr zufrieden zu sein. N-tv.de berichtet nun ueber Plaene des Konzerns seinen Mitarbeitern ein (fuer diese kostenloses) Studium angedeihen zu lassen.

Das oekonomische Interesse an qualifiziertem Personal scheint nicht nur bei McKinsey vorhanden zu sein. Vielleicht geht die Ausbeutung der McDonalds-Mitarbeiter in ein paar Jahren ja soweit, dass der Mitarbeiter des Monats in Talar und Doktorhut den Kunden anlaechelt?

Überall dieser Neoliberalismus!

20.01.2008 12:00 - Statler & Waldorf by Statler - 18 Kommentare

Wirklich? Eher nicht. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung findet man heute einen langen, erschütternden Artikel von Stefan Theil. Der Leser erfährt dort, was für einer kollektivistisch-sozialistischen Gehirnwäsche deutsche Schüler immer noch ausgesetzt sind. Ehrlich, ich dachte bisher, das wäre ein Relikt der 1970er. Ein Problem der von 68ern geschriebenen Schulbüchern, mit denen meine Generation damals lernen mußte. Dabei ist das Gegenteil richtig, es scheint schlimmer geworden zu sein. Da wird den Schülern empfohlen, sich bei attac darüber zu informieren, wie Globalisierung funktioniert und da wird der Unterricht so strukturiert, daß den Schülern, wenn sie an Wirtschaft denken, nur kollektivistische Verteilungsfragen in den Sinn kommen können. Die Frage, wie der zu verteilende Kuchen zustande kommt, oder gar wachsen kann, wird hingegen einfach nicht thematisiert.

Sehr erhellend ist auch dieser Abschnitt:

Im Kapitel „Was tun gegen Arbeitslosigkeit“ beschreibt FAKT nicht etwa, wie Unternehmen Arbeitsplätze schaffen, sondern nennt Selbsthilfegruppen, Montagsdemonstrationen sowie staatliche Programme. Dann wird gelehrt, dass Arbeitgeber mit der Drohung von Werksschließung die Löhne drücken. Es folgt ein Auszug aus dem Programm des DGB, Wort für Wort, mit der gesamten gescheiterten Voodoo-Ökonomie von 30-Stunden-Woche, Rente mit 60 und Aufteilung von Vollzeit- in Teilzeitjobs, damit jeder ein Stück vom fixen Kuchen abbekommt. Eine Alternative aus der realen Welt beschreibt FAKT nicht. Als Gründe für die Arbeitslosigkeit nennt FAKT Computer und Roboter, ein beliebter Topos in den deutschen Büchern. In einem anderen Text zerstören PC und Internet die Kommunikation und machen Angestellte zum „anonymen Code“.

Wenn diesen Artikel gelesen hat, wundert man sich jedenfalls nicht mehr über die absurden Vorurteile, mit denen so manche Erstsemester ins Studium kommen.

Qualitätskontrolle von Lehrern

29.11.2007 16:17 - Statler & Waldorf by Waldorf - 29 Kommentare

Am Dienstag hat das OLG Köln entschieden, dass das Internetportal Spickmich.de weiter online bleiben darf. Auf Spickmich können Schüler anonym ihre Lehrer in unterschiedlichen Kategorien mit Schulnoten bewerten, insbesondere über die fachliche Kompetenz und die Qualität des Unterrichts soll ein Urteil gefällt werden. Dagegen geklagt hatte eine Gymnasiallehrerin, die auf Spickmich “nicht ganz so gut” weggekommen war und die eine Löschung ihrer Daten gefordert hatte. Im Kern hatte das Gericht nun zu entscheiden, ob es sich bei der Benotung um Schmähkritik handelt, oder ob die Wertungen der Schüler als Meinungen durch die im Grundgesetz verankerte Meinungsfreiheit abgedeckt sind.

Letztendlich sah das Gericht alle Wertungskategorien, in denen die Schüler ihre Lehrer benoten können, als von Art. 5 I GG gedeckt an und hat deshalb die Berufung der Lehrerin zurückgewiesen (die Pädagogin war bereits in der ersten Instanz unterlegen, hatte aber Berufung eingelegt). Die einzige wirklich problematische Kategorie, in der die Schüler über das Aussehen des Lehrers urteilen konnten, hatte Spickmich (schlauerweise) schon vor Prozessbeginn zurückgezogen.

Auch wenn die anonyme Form der Bewertung sicherlich ihre Probleme hat, eine durchaus begrüßenswerte Entscheidung, die das OLG Köln hier getroffen hat, denn gerade Lehrern mangelt es im Normalfall an jeder Form von Selbstreflexion, da sie, etwas überhöht formuliert, ab dem Tag ihrer Verbeamtung im Klassenzimmer eigentlich machen können, wozu sie auch immer Lust haben. Eine echte Kontrolle der Qualität des Unterrichts findet jedenfalls nicht statt.

Abschreckende Studiengebühren

17.10.2007 15:25 - Liberté d'abord! by Oliver Luksic - 31 Kommentare

Das Hauptargument gegen Studiengebühren lautet dass die Studentenzahlen einbrechen - in der Realität wird diese Theorie aber nicht belegt. Trotz eines massiven Anstiegs der Studiengebühren um bis zu 50 Prozent hoffen in diesem Jahr nämlich so viele Schulabgänger wie selten zuvor auf einen Studienplatz an einer der 13 Londoner Universitäten, wie die ZEIT berichtet. Auch in den deutschen Ländern kommt es nicht zum Einbruch bei den Studentenzahlen. Wie erklären sich dass die Gegner der Studiengebühren?

Ein Beispiel das Schule machen könnte (sollte)

10.10.2007 20:20 - Notizen aus dem U-Boot by jo@chim - 37 Kommentare

Weil wir es heute schon von Selbstorganisation zu gemeinsamem Nutzen hatten: A-Team-Leser Dagny hat uns auf eine interessante Initiative - Methodos - hingewiesen, mit der zehn Freiburger Jugendliche der staatlichen Bildungsbürokratie zu entfliehen versuchen. Die Schüler nutzen die Möglichkeit, das Abitur als Externe abzulegen. Sie organisieren sich ihre Vorbereitung selbst, und haben eigene Lehrer engagiert. Das 50.000 € teure Projekt wird aus Spenden, Krediten und einem Kostenbeitrag der Eltern finanziert, schreibt SPON.

Elterninitiativen und Gruppen, die wie die im Netzwerk Bildungsfreiheit zusammen geschlossenen für eine Umwandlung des staatlichen Schulzwanges in eine Bildungspflicht eintreten, haben es aber nach wie vor schwer in Deutschland. Die Repressionen gegen Eltern, die z.B. Homeschooling als Alternative zur Staatsschule praktizieren, reichen bis hin zur amtlich angeordneten Psychatrisierung der Kinder, wie eine Erlanger Familie Anfang des Jahres erfahren musste. Eine sehr spezielle Auffassung von Kindeswohl, die die Jugendamts-Bureaucrazies da zutage legen.

Quiz

09.09.2007 22:56 - Statler & Waldorf by Statler - 26 Kommentare

Wer weiß nicht, daß der Mond um die Erde rotiert?

a) das strunzdoofe Saalpublikum einer Quizshow in den USA, wo es ja sowieso nur ungebildete Fettsüchtige gibt

b) die Abschlußklasse einer Gesamtschule in Berlin-Neukölln

c) stolze Citoyens der Grande Nation

Die Antwort gibt es hier. Das untere Video ist hingegen nur für Leser mit starken Nerven zu empfehlen, aber was man dort sieht, sollte jeden Darwinisten begeistern.

Werbung an Schulen erlauben!

30.08.2007 16:06 - Liberté d'abord! by Oliver Luksic - 7 Kommentare

Auch wenn die Hamburger CDU vor den Wahlen nun einknickt und Werbung an Schulen doch nicht erlauben will: Schulen sollten selber entscheiden können, ob Sie ihre Schulen für Werbeflächen öffnen um dadurch zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Schulen sollten entscheiden, ob Sie Werbung haben wollen und wenn ja wie sie das Geld ausgeben. Den Schulen geht es schlecht. Zusätzliches Geld für Klassenfahrten, Schulfeste und eine bessere Ausstattung kann jede Schule gebrauchen. In Sachsen-Anhalt, Berlin und Bremen ist daher Werbung unter Einschränkungen an Schulen zulässig. Unterrichtsinhalt darf nicht verkauft werden, verboten bleiben weltanschauliche, religiöse oder politische Werbung. Aber wieso keine Werbung auf dem Hallenboden oder der Schulwand? Kinder werden sowieso permanent mit Werbung bombardiert. Schulen könnten offensiv mit dem Thema umgehen, ihren Schülern erklären, wie Werbung funktioniert und vor allem wie man kritisch damit umgeht.