Ausgewählte Tag-Kategorie: China

Eventkultur hat auch ihre Grenzen

22.03.2008 10:48 - Statler & Waldorf by Statler - 25 Kommentare

Eigentlich ist es doch seltsam, daß noch kein konservativer Kulturkritiker zwischen Botho Strauß und Konrad Adam darauf gekommen ist: Dekadenz. Wir haben uns in unserer dekadenten Kultur des Abfeierns großer Events, von der Olympiade über die Fußball-WM bis zum LiveAid-Konzert, schon soweit eingelullt, daß wir tatsächlich glauben, ein äußerst gewalttätiges, extrem machiavellistisches Regime wie das chinesische würde sich “öffnen“, oder gar “demokratisieren“, nur damit im Sommer in Peking zwei Wochen lang reibungslos und harmonisch gelaufen, gehüpft und gehampelt werden kann.

Sind wir eigentlich völlig bescheuert? Ich fürchte schon.

Auch keine dumme Sache.

20.03.2008 23:05 - Notizen aus dem U-Boot by jo@chim - 7 Kommentare

An Nazideutschland denken wäre in dem Kontext übrigens auch keine dumme Sache. Heute boykottieren erspart einem die Mitverantwortung für die Gemetzel, die zur Herbeiführung einer totenfriedlichen Olympiade nötig sind.

Warum sollte nicht auch einmal donalphons Recht haben?

Benedikts Zivilcourage?

30.11.2007 12:48 - Statler & Waldorf by Statler - 13 Kommentare

Es kommt ja selten genug vor, aber diesmal muß ich Alan Posener mal widersprechen. Er kritisiert Benedikt XVI dafür, daß dieser sich nicht mit dem Dalai Lama treffen möchte. Dies zeige nicht nur einen Mangel an Zivilcourage, sondern eben auch einen Werterelativismus: Ausgerechnet der Papst, der sonst immer gegen einen solchen Relativismus zu Felde zieht, verhalte sich nun gegenüber China als Duckmäuser, der gerade nicht zu westlichen Werten stehe.

Die Kritik ist einerseits verständlich. Man fordert andauernd von gewöhnlichen Politikern Mut gegenüber China ein, man ist froh, endlich eine Bundeskanzlerin zu haben, die auch gegenüber China zu ihren Prinzipien steht — und dann scheint ausgerechnet der Papst zu einem Kotau vor den kommunistischen Diktatoren und Besatzern Tibets bereit. Man sollte doch eigentlich gerade von einem Papst, dem wirtschaftspolitische Beziehungen zu China ja nun herzlich egal sein können, eine offensivere Politik erwarten.

Nur, ganz so einfach ist es nicht. Es ist tatsächlich etwas anderes, denn im Falle des Vatikans hat China Geiseln. Echte Geiseln; da geht es nicht nur um die Drohung, ein paar Autos oder Transrapidzüge weniger zu bestellen. In China leben etwa 15 Millionen Untergrundkatholiken, die sich weigern, die staatliche Kontrolle über die christlichen Kirchen Chinas anzuerkennen. Diese Untergrundkatholiken werden schon im normalen Alltag verfolgt. Sie landen grundlos im Gefängnis, Kirchen werden geschlossen, Priesterseminare zerstört. Gelegentlich verschwinden auch mal Bischöfe und Priester spurlos von der Bildfläche, und man kann sich ausmalen, wo diese landen.

China hat also 15 Millionen katholische Geiseln. Man kann sich denken, daß der Preis einer symbolischen Begegnung mit dem Dalai Lama für den Papst damit möglicherweise wesentlich höher ist als für Angela Merkel. Oder genauer gesagt: nicht für den Papst selbst, sondern für die Katholiken in China. Kann man es da nicht nachvollziehen, wenn Benedikt vor einem Fototermin zurückschreckt, wenn er damit riskieren würde, die chinesischen Katholiken verschärfter Verfolgung auszusetzen?

Weltgrösstes Gefängnis für Journalisten und Cyber-Dissidenten

28.08.2007 10:45 - Notizen aus dem U-Boot by jo@chim - 6 Kommentare

Peking 2008Weil wir schon bei China sind (und Merkel dort weilt): ein Jahr vor den olympischen Spielen gehen Zensur und Verfolgung von Regimekritikern unvermindert weiter. Mit dem Internetaktivisten Lu Gengsong ist jetzt, wie heise.de berichtet, ein weiterer prominenter Dissident wegen “Angriffen auf die Kommunistische Partei” und unter dem Vorwurf der “Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt” festgenommen worden.

Klopft den Chinesen auf die Finger

BMW und DaimlerChrysler erwägen, juristisch gegen chinesische Autohersteller vorzugehen. Die Deutschen wollen verhindern, dass auf der Internationalen Automobil-Ausstellung im September asiatische Modelle präsentiert werden, die ihren eigenen Karossen zum Verwechseln ähnlich sehen.

Plagiate sind auch ein gravierendes Problem für die Schweizer Uhrenindustrie. Die weltweite „Fälschungsindustrie“ wird auf fünf bis sieben Prozent des Gesamtumsatzes geschätzt.

An der weltweit grössten Uhren- und Schmuckmesse, der Baselworld, wird seit über zwanzig Jahren rigoros gegen Uhrenfälscher aus Fernost vorgegangen. Mit Erfolg.

Alle 2186 Aussteller der Baselworld müssen sich verpflichten, die Richtlinien des Panel einzuhalten. Wer mit kopierten Produkten in der Vitrine erwischt wird, muss diese sofort entfernen und sich verpflichten, den Vertrieb der Plagiate einzustellen. Schon die öffentliche Blossstellung ist für die meist asiatischen Aussteller ein harter Schlag.

Seit 1985 gab es 617 Beschwerden, davon mussten 527 von der Jury entschieden werden. In 457 Fällen wurde die Verletzung eines Schutzrechtes festgestellt.