Ausgewählte Tag-Kategorie: Demokratie

Klüger werden in Zeiten des Internets

03.02.2008 13:32 - Statler & Waldorf by Statler - 9 Kommentare

Wenn heute noch, na sagen wir mal, 1992 wäre, dann hätte sich vermutlich kaum jemand die Mühe gemacht, vierzehn Jahre alte Mitschnitte aus einer Wahlkampfdebatte um einen Senatssitz herauszusuchen. Wozu auch? Man hätte sich die Arbeit machen müssen, in die Archive eines Fernsehsenders hinabzusteigen und dort zu suchen. Und hätte man sie gefunden, dann wäre nicht einmal sicher gewesen, daß jemand die Fundstücke nochmals gesendet hätte, um jetzt, in diesem Wahlkampf, vierzehn Jahre später zu beweisen, daß Mitt Romney ein wankelmütiger Geist ist.

Meta-Paul

29.12.2007 11:10 - Statler & Waldorf by Statler - 33 Kommentare

Je mehr man sich mit der aktuellen Diskussion um Ron Paul beschäftigt, desto stärker wird ein Verdacht: Vielleicht ist dieser republikanische Präsidentschaftskandidat ja einfach nur ein weiteres Symptom der völligen Irrationalität von Politik. Oder genauer gesagt: der Irrationalität von Wählern, und zwar auch von eigentlich informierten Wählern. Es geht nicht um Hillbillies, die noch nie im Leben eine Zeitung in der Hand hielten, sondern um Journalisten, politische Blogger und professionelle Kommentatoren.

Von der Freiheit, Schwachsinn sagen zu dürfen

Also diese Rubrik hier nennt sich ja “Eidgenössisch Eigensinniges”. Dann lasst mich mal noch ein Wort zu Frau Herman sagen. Denn inzwischen habe ich beim Herumzappen die entscheidenden Stellen bei Kerners Show gesehen - und ich verstehe die Welt nicht. Was soll die Aufregung?

Wenn man wie ich ausserhalb der sprachlichen Kodierung der Bundesrepublik Deutschland und von ein paar offensichtlich überdrehten Deutschsprach-Sittenwächtern steht, dann ist es etwas schwer auszumachen, was die Frau Herman eigentlich gesagt haben soll, das die Frau Berger, die Frau Schreimacher (oder so ähnlich) und offensichtlich eine breite Öffentlichkeit derart empört.

Frau Herman ist nun nicht unbedingt ein Ausbund an Intelligenz und die Frau war in Herrn Kerner Talkshow ganz offensichtlich gestresst. (Ich bin schon des Öfteren in Live-Diskussionssendungen des Fernsehens aufgetreten und kann die Situation durchaus nachfühlen). Was man also sagen kann, ist, was alle wissen, Nachrichtensprecherinnen müssen vor allem gut aussehen und einen Text ohne zu stottern vom Teleprompter ablesen können. Deshalb sollten sie, wenn immer möglich, keine unvorbereiteten Statements von sich geben.

Hamburger! Tut was!

13.10.2007 13:28 - Statler & Waldorf by Statler - 6 Kommentare

In Hamburg gibt es morgen einen Volksentscheid, bei dem darüber entschieden wird, ob es in Hamburg für die politischen Repräsentanten in Zukunft schwieriger wird, Volksentscheide zu übergehen. Das klingt paradox, aber trotzdem: Hier gibt es eine Riesenchance, endlich etwas mehr direkt-demokratische Mitbestimmung in einem kleinen Winkel Deutschlands zu etablieren. Also: Morgen raus zur Abstimmung, Ihr Hamburger!

Gesinnungsabsolutismus

Es gibt zuhauf politisch denkende Menschen, die meinen, die grösste Gefahr für den liberalen Rechtsstaat und die offene Gesellschaft drohe von rechts.

Und weil man sich in dieser Gewissheit häuslich eingerichtet hat, ist man froh, um die handvoll sogenannter Neonazis in Deutschlands Osten. Mit wortreichen Erklärungen und ab und an einer Lichterkette kann man nach “Vorfällen” aller Welt zeigen: Nie wieder - wir haben aus der Geschichte gelernt!

Aus der Geschichte gelernt? Wenn man tatsächlich aus der Geschichte etwas lernen will, dann beispielsweise dies: Der Mensch hat die fatale Neigung, sich immer auf den Kampf gegen den schon bekannten Feind vorzubereiten. Wegen dieser Fixiertheit auf das Bekannte, übersieht er die neue Gefahr, die ihn schleichend zu bedrohen beginnt.

Schäuble-Ecke ade?

Einfach mal so eidgenössisch eigensinnig nachgefragt wegen der “Schäuble-Ecke” rechts oben: Gibt es vor dem Hintergrund der Verhaftungen von heute eine Justierung in der Beurteilung der Schäuble-Pläne?

Auf der Heimfahrt hörte ich beim Deutschland Funk, dass man die Überwachung effizienter, heisst personalsparend, hätte laufen lassen können, wäre die Online-Überwachung zugelassen gewesen. Die Internettechnologie spielte während der Bombenbastelaktion doch eine erhebliche Rolle. Oder ist das nur Staatspropaganda?

Die Grundsatzfrage ist gestellt: Wieviel Freiheit muss für wieviel Sicherheit über Bord geworfen werden? Oder umgekehrt.

Viel, viel weniger Demokratie wagen!

23.08.2007 19:39 - Statler & Waldorf by Statler - 19 Kommentare

Nehmen wir mal an, in Köln dürfte per Referendum darüber entschieden werden, ob in Ehrenfeld die Moschee gebaut werden darf. Hätte der Bau eine Chance? Wenn schon nicht in Köln — an welchem anderen Ort in Deutschland hätte der Bau eine Chance?

Oder harmloser: Wenn ich einen Architekten beauftrage, mir als Wohnhaus einen gewagten Stahl-, Glas- und Waschbeton-Bau zu entwerfen, und die Nachbarn dürfen darüber abstimmen, ob sowas gebaut werden darf — hätte ich eine Chance? In sehr vielen Gegenden sicher nicht.

Kurz und gut, wer Vielfalt will, sollte die Demokratie meiden. Genauer gesagt, er sollte den Bereich so weit wie möglich ausweiten, in dem Eigentümer ohne Einmischung über ihr Eigentum entscheiden können. Nur dann wird die Welt interessant. Demokratie hingegen macht sie langweilig.

Nicht, daß ich falsch verstanden werde. Öffentliche Güter können nunmal nicht auf Märkten bereitgestellt werden, und um über reine öffentliche Güter zu entscheiden, ist Demokratie der bestmögliche Mechanismus. Wenn es nach mir ginge, unbedingt auch direkte Demokratie. Aber je mehr wir die demokratische Sphäre über diesen sinnvollen Bereich hinaus ausweiten, desto langweiliger wird die Welt.