Ausgewählte Tag-Kategorie: Finanzkrise

Übertreibungen

22.09.2007 15:09 - Statler & Waldorf by Statler - 2 Kommentare

Manchmal hat man ja doch das Gefühl, daß Übertreibungen weniger ein Problem der Finanzmärkte, als vielmehr der die Märkte beobachtenden Presse sind. Thomas Fischermann beispielsweise darf in dieser Woche auf der Titelseite der ZEIT behaupten, daß das amerikanische Wirtschaftswachstum der letzten Jahre doch eigentlich nur auf einem großen Trickbetrug beruhe, daß da ja eigentlich gar kein richtiges Wachstum stattgefunden habe, sondern sich der amerikanische Konsument nur hemmungslos auf Kosten argloser europäischer oder asiatischer Banken amüsiert habe. Ach, es ist schon bizarr, was dabei herauskommt, wenn klassischer, deutscher Antiamerikanismus und eine eklatante Unkenntnis der Entwicklung der amerikanischen Fundamentaldaten in den letzten Jahren, wie etwa der Arbeitsproduktivität, in der Feder eines Wirtschaftsjournalisten zusammenfließen.

Therapieversagen

29.08.2007 14:15 - IUF Comments by Sascha Tamm - 5 Kommentare

Die weltweiten Finanzmärkte funktionieren nicht! Sie müssen also reguliert werden, mehr Transparenz muss per Gesetz hergestellt werden, kurzfristig muss Liquidität zur Verfügung gestellt werden, von der Pleite bedrohte Banken müssen gerettet werden – besonders wenn es sich um öffentliche Unternehmen handelt. Man konnte vorausahnen, was im Anschluss an die Abwärtsbewegungen der letzten Wochen an den Weltbörsen folgt. Doch warum sind eigentlich Abwärtsbewegungen ein Zeichen für „Marktversagen“ (was immer das sein mag)? Warum nicht der Aufwärtstrend davor, der immerhin einige Jahre anhielt?

Die Intransparenz verschiedener Finanzderivate sei die Ursache für die Turbulenzen, so wird behauptet. Die Anleger können die Risikostruktur gar nicht mehr durchschauen, sie wussten gar nicht, welche Risiken einige Banken in ihren Büchern hatten. Außerdem hätten die Ratingagenturen versagt (und müssen auch irgendwie reguliert werden, wie Minister Steinbrück meint). Vielleicht haben die Ratingagenturen tatsächlich versagt, vielleicht haben viele Banken und Fonds zu riskant investiert. Wenn es also jetzt großes Misstrauen gegenüber Bankaktien gibt, so ist das nur gesund. Es spricht gerade dafür, dass die Märkte funktionieren. Wenn in den USA Banken und Fonds vom Markt verschwinden, die sich gründlich verkalkuliert haben, so ist das ebenfalls ein ganz normaler Prozess.

Zu keinem Preis?

16.08.2007 14:00 - Statler & Waldorf by Statler - 2 Kommentare

Bernd Ziesemer vom Handelsblatt fragt sich:

Niemand will gegenwärtig Asset Backed Securities kaufen – zu keinem Preis. Wie ist das Marktversagen zu erklären?

Eine ganz schnelle Antwort, da ich etwas in Eile bin: Es ist falsch, von Marktversagen zu sprechen, nur weil gerade keine Transaktionen stattfinden. Und ich gehe jede Wette ein, daß es irgendeinen Preis größer als Null gibt, zu dem sich Käufer für die Asset Backed Securities finden würden. Ehrlich gesagt, wenn sie sonst niemand will, würde ich sie selbst nehmen — solange der Preis zwar positiv, aber hinreichend klein ist.

Wenn hier gerade keine Transaktionen stattfinden, dann liegt das nicht an den Käufern, sondern an den (potentiellen) Verkäufern der ABS — deren Preisforderung ist offenbar höher als das, was die Käufer zu zahlen bereit wären. Wie Ziesemer richtig feststellt, haben wir eine erhebliche Unsicherheit über den wahren Wert der ABS, aber wir können davon ausgehen, daß diese Unsicherheit nicht beide Seiten des Marktes gleichermaßen betrifft. Die Verkäufer werden eher abschätzen können, was ihre ABS noch wert sind. Die verhinderten Käufer haben mit größerer Unsicherheit zu tun (Kann ein Verkäufer den wahren Wert glaubhaft signalisieren? Wohl kaum). In diesem Fall mit einer riesigen Unsicherheit die den ganzen Markt betrifft, das ist nochmal was ganz anderes als z.B. ein Gebrauchtwagenkauf auf Akerlof’s market for lemons. Also verlangen sie Preisabschläge, die niemand zu gewähren bereit ist.