Jetzt haben wir also das Jahr 2007, und das geht auch schon wieder in sein letztes Drittel. 2007, und wenn ich aus meinem Fenster gucke, dann sehe ich immer noch grüne Idylle unter blauem Himmel. Wenn ich Mittags die Arbeit im großartigsten Job der Welt kurz unterbreche, um Essen zu gehen, dann sehe ich in der Stadt lauter wohlgenährte, halbwegs zufrieden aussehende Menschen, fast alle scheinen zumindest nicht totunglücklich zu sein, sondern ein Leben zu genießen, von dem man vor zwei, drei Generationen nur träumen konnte.
Seltsam eigentlich, denn es ist ja schon 2007. Sollte die Welt nicht inzwischen so aussehen, wie die Kulisse von Bladerunner? Hatte nicht der Club of Rome in seiner größenwahnsinnig-malthusianischen Weltuntergangsprognose schon für das Jahr 2000 die endgültige ökologische Riesenkatastophe angekündigt? Sollten wir nicht inzwischen alle nur noch soylent green zu essen haben? Na gut, okay, dieser Film spielt erst im Jahr 2022, da kann sich die weltweite Monopolisierung der Lebensmittelproduktion also doch noch 15 Jahre Zeit lassen.
Trotzdem, ich verstehe es nicht. Sowas hier. Den Fortschrittspessimismus, die Düsternis dahinter, die apokalyptischen Erwartungen — wieso denn das alles, verdammt nochmal? Wenn ich mal kurz die Welt von heute mit der von, na sagen wir mal 1967, vergleiche, dann kann ich doch gar nicht anders als festzustellen, daß seitdem alles besser wurde. Es geht uns materiell besser. Wieviele Optionen mehr haben wir heute, als jemand, der 1967 in unserem Alter war? Zehnmal soviele? Hundertmal? Wenn man sieht, welche Möglichkeiten der Kapitalismus, diese alte Fortschrittsmaschine, uns in den letzten 40 Jahren neu eröffnet hat, wie er nicht zuletzt auch den gesellschaftlichen Wandel hin zu mehr individueller Freiheit angetrieben hat — wie kann man da für die nächsten 40 oder auch 400 Jahre einen derartigen Pessimismus entwickeln?