Das kanadische Gesundheitssystem: Ein Modell für Deutschland?
Jonathan Gagnon, 06.12.2010
Nach den Sozialdemokraten sind die Grünen die zweite Partei, die eine Bürgerversicherung als Lösung für das deutsche Gesundheitssystem vorschlägt. Als Kanadier, kann ich über die Naivität des Vorschlags nur lachen. Kanada, das in den 60er Jahren das Gesundheitswesen vollständig verstaatlicht hat, ist nicht immun gegen die Probleme, die in Deutschland erlebt und von den linken Parteien denunziert werden. Deutschland sollte aus unseren Fehlern lernen, statt sie wiederzuholen.
Kanada verbietet private Krankenversicherung und auch jede finanzielle Beteiligung der Patienten für eine medizinische Behandlung. Damit befinden wir uns in der selben Kategorie wie Länder wie Nordkorea und Kuba. Oder, wie einige von euch persönlich erlebt haben, der DDR. Die Kanadier sind sehr stolz auf diese sogenannte “Kostenlosigkeit”. Sie wurde sogar zum Mythos erhöht, ein Symbol des nationalen Stolzes in Vergleich zu den USA zum Beispiel. Diese Vereinigten Staaten, wohin wir gehen, wenn wir auf eine „kostenlose“ Behandlung nicht länger warten können/wollen. Es ist gut, dass kein Kanadier in den letzten 45 Jahren aufgrund von Arztrechnungen in die Pleite getrieben wurde. Aber es gibt Gründe, sich zu fragen, wie viel dieses „kostenlose“ System wirklich kostet.
Europäer und Kanadier prangern gerne die sogenannte Unmenschlichkeit des amerikanischen Gesundheitssystems an, weil die Menschen bezahlen müssen. Aber wo ist die Menschlichkeit eines Gesundheitssystems, wo Menschen sterben, bevor sie einen Arzt gesehen haben? Es passiert oft in Kanada. Im letzten Monat starben mindestens zwei Menschen in den Gängen und Warteräumen von Kliniken und Krankenhäusern in Montréal. Wir müssen auch die Menschen zählen, die starben während sie auf der Warteliste für eine Operation standen. Einige Provinzen schicken Patienten in die USA, wenn es nicht möglich ist, sie hier innerhalb einer angemessenen Zeit behandeln zu können. Dänemark macht auch so in Richtung Deutschland.
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