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Ausgewählte Tag-Kategorie: Lateinamerika

Hugo zeigt Sportsgeist

03.07.2008 15:54 - Notizen aus dem U-Boot by jo@chim - 35 Kommentare

Durch eine gelungene Militäraktion wurde gestern die kolumbianisch-französische Politikerin Íngrid Betancourt nach sechsjähriger Dschungelhaft aus der Gewalt des marxistischen Flügels der kolumbianischen Drogenhändlersyndikate (”FARC”) befreit. Der venezolanische Caudillo Hugo Chávez gratulierte seinem kolumbianischen Amtskollegen Álvaro Uribe umgehend telefonisch zur Befreiung ist in der TAZ zu lesen.

Respekt. Das ist echter Sportsgeist, den Hugo da zeigt, hatten doch z.B. seine französischen Genossen von Indymedia Paris noch vor kurzem ihrer Hoffnung Ausdruck gegeben, dass die liberale Hure als Dünger im Dschungel enden möge (”cette fois c’est certain la putain liberale Betancourt va finir comme engrais dans la jungle”)

Schon im März musste er einen empfindlichen Schlag an der Destabilisierungsflanke einstecken, als nach der ebenfalls erfolgreichen Aktion kolumbianischer Truppen gegen den FARC-Kader Raúl Reyes Dokumente auf beschlagnahmten Computern gefunden wurden, die eine langjährige enge Zusammenarbeit zwischen der Linksregierungen in Venezuela und Ecuador und der FARC belegen. So sollte, offensichtlich zusammen mit den weissrussischen Freunden, ein 250 Mio.US$ Waffendeal für die Terrororganisation eingefädelt werden.

Als Libero des Team Terror Latinoamericano wirkt Chávez seit der Niederlage bei der Volksabstimmung über sein sozialistisches Ermächtigungsgesetz im Dezember letzten Jahres zunehmend angeschlagen.

Zeit ihn vom Platz zu nehmen, ¿no?

Jean, Nelson, Fidel

23.02.2008 12:32 - Notizen aus dem U-Boot by jo@chim - 10 Kommentare

Laut UNO-Sonderberichterstatter Jean Ziegler dürfte Castro künftig eine ähnliche Rolle einnehmen wie Nelson Mandela.

So die schweizerische Tagesschau SF1 am 19.02.08 über die weiteren Perspektiven des greisen “Maximo Lìder” Fidel Castro, der im Gegensatz zu seinem bereits verblichenen nordkoreanischen Genossen Kim Il Sung nicht auf einen Vater-Sohn-Wechsel innerhalb der Dynastie setzt, sondern die Macht an seinen “jüngeren” Bruder übergibt.

Der “profunde Kubakenner” (sic! sollte das nicht heissen: treue Kollaborateur der Diktatur?) Jean Ziegler - der Bush schon mal die Unterstützung “der schrecklichen Kriegsverbrechen der Regierung Scharons in Palästina” vorwirft - meint, Castro könne nach seinem altersbedingten Abgang zukünftig noch “vermittelnd und friedensstiftend” wirken. Ich vermute mal (bzw. hoffe) nicht mehr so erfolgreich wie 1962, als der Diktator mit der Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen auf Kuba die Welt an den Rand eines dritten Weltkrieges trieb. Wenn wir noch etwas Geduld haben, werden wir wohl erleben, wie Jean Ziegler ihn posthum für den Friedensnobelpreis vorschlägt.

Mit Verlaub Manfred, Ihr habt auch ganz schön heftige Hornochsen in der Schweiz… hat der Typ irgendeinen realen Einfluss?

Communist Chic Reloaded

11.11.2007 19:27 - Notizen aus dem U-Boot by jo@chim - 60 Kommentare

“¿Por qué no te callas? - Kannst du nicht die Klappe halten?” Eine angebrachte Aussage, wenn einer, der nicht an der Reihe ist, unter Missachtung jeglicher zivilisierter Umgangsform penetrant dazwischen quasselt. Für mich gut nachvollziehbar, dass da selbst ein Juan Carlos einmal die Contenance verliert.

Es soll wohl Communist Chic Reloaded sein, den Chavez - der sich in Venezuela im unblutigen Übergang in die Dikatur versucht - vorführt: mich erinnert das an Chruschtschow, der auf einer UNO-Vollversammlung einmal mit seinem Schuh herumgefuchtelt hat. Die Ausfälligkeiten (unter anderen gegen den spanischen Ex-Ministerpräsidenten Aznar, den er als “Faschist” beschimpfte) gingen sogar dessen Nachfolger, dem Sozialisten Zapatero, zuweit, der dem zeternden Chavez “Respektlosigkeit” vorwarf. Was SPON daraus macht? Na klar, das hier.

Venezuelas Weg in die Diktatur

02.11.2007 19:12 - Statler & Waldorf by Statler - 19 Kommentare

Diese Woche lohnt es sich, die ZEIT zu kaufen, denn im Dossier berichtet Hans Christoph Buch ausführlich aus Venezuela. Er beschreibt den Weg des Landes in die Diktatur, und eigentlich müßte man über dieses Regime lachen. Aber leider ist es nunmal so, daß Chavez nicht nur ein ungebildeter Pausenclown ist, der in endlosen Fernsehauftritten bizarre Dinge von sich gibt. Nein, Chavez ist auch der Mann, der Journalisten verfolgen läßt, nur weil sie Stipendien in den Vereinigten Staat angenommen haben. Chavez ist derjenige, der in der Verfassung die Beschränkung seiner Amtszeit aufheben will, der 450 Millionen Dollar an Lukaschenkos Weißrußland verschenkt während er die Ölförderanlagen als einzige Quelle venezolanischen Reichtums verrotten läßt (die Fördermengen sinken bereits), der Listen mit Namen und Adressen derjenigen veröffentlichen läßt, die beim Referendum im Jahre 2004 gegen ihn gestimmt haben und der sie so offener Repression aussetzt.

Das pure, ungefilterte, totalitäre Denken

09.10.2007 13:18 - Statler & Waldorf by Statler - 4 Kommentare

Ernesto Guevara, in seinen eigenen Worten:

In dieser Periode des Aufbaus des Sozialismus können wir miterleben, wie der neue Mensch entsteht. Sein Bild ist noch nicht ganz vollendet, kann es gar nicht sein, weil der Prozeß parallel läuft zur Entwicklung neuer ökonomischer Formen. Abgesehen von denen, deren mangelnde Erziehung sie auf den Weg des Einzelgängers treibt, zur Selbstbefriedigung ihrer Ambitionen, gibt es solche, die auch in diesem neuen Rahmen gemeinsamen Voranschreitens dazu neigen, isoliert von der Masse zu gehen, welche sie begleitet. Entscheidend ist, daß die Menschen jeden Tag mehr Bewußtsein erlangen von der Notwendigkeit ihrer Eingliederung in die Gesellschaft und zugleich von ihrer eigenen Bedeutung als Triebkräfte derselben.

Kult, Teil 2

06.10.2007 14:51 - Statler & Waldorf by Statler - 2 Kommentare

Auch Richard Herzinger kontrastiert den populären Heldenmythos mit dem historischen Ernesto Guevara, dem todessüchtigen Stalinisten:

In Guevaras Forderung, die Revolution müsse selbst um den Preis von Millionen Opfern in einem Atomkrieg unbeirrt voranschreiten, offenbart sich eine apokalyptische Sehnsucht nach der totalen Auslöschung jener verhassten modernen Zivilisation, in der er nicht leben konnte und wollte.

Guevara, der von antiautoritären Studenten und Jugendlichen als libertäre Alternative zum grauen Starrsinn kommunistischer Funktionäre vergöttert wurde, bekannte sich in Wahrheit nicht nur zu einem orthodoxen Marxismus-Leninismus und betrieb von Anfang an die Errichtung einer kommunistischen Einparteiendiktaur in Kuba, in der abweichenden Stimmen rücksichtslos zum Schweigen gebracht wurden. Er hielt auch stets an seiner Verehrung für Josef Stalin fest. Bei seinem ersten Besuch in Moskau 1960 legte Guevara Blumen am Grab des massenmörderischen Diktators nieder - zum Missfallen seiner sowjetischen Gastgeber, die seit Chruschtschows Enthüllungen über die Verbrechen des Stalinismus im Jahr 1956 nicht mehr an ihren blutrünstigen Vorfahren erinnert werden wollten. 1953, im Todesjahr des Despoten, berichtete Guevara in einem Brief, er habe vor dem Bild „unseres alten, so sehr betrauerten Genossen Stalin“ geschworen, „nicht zu ruhen, bis diese kapitalistischen Kraken vernichtet sind.“

Mehr hier. Unbedingt hörenswert ist auch Alan Posener im Deutschlandradio zum gleichen Thema (danke an Thomas Wolf für den Hinweis).

Kult

05.10.2007 14:05 - Statler & Waldorf by Statler - 11 Kommentare

Wie es scheint, läßt der in Kürze bevorstehende Geburtstag (Todestag? Egal.) von Ernesto Guevara bei seinen Anhängern und Anhängerinnen bereits die Oxytocin-Konzentration im Blut in bedenkliche Höhen schnellen und die armen Leute ganz rollig werden, politisch jedenfalls. Da ist kein Personenkult zu pompös, keine Eloge zu peinlich, um aus einem Stalinisten und vielfachen Mörder einen Befreiungskämpfer und ein politisches Vorbild zu machen.

Höchste Zeit, mal wieder auf eine drei Jahre alte Kolumne von Paul Berman hinzuweisen, der die Dinge etwas klarer sieht:

Che was a totalitarian. He achieved nothing but disaster. Many of the early leaders of the Cuban Revolution favored a democratic or democratic-socialist direction for the new Cuba. But Che was a mainstay of the hardline pro-Soviet faction, and his faction won. Che presided over the Cuban Revolution’s first firing squads. He founded Cuba’s “labor camp” system—the system that was eventually employed to incarcerate gays, dissidents, and AIDS victims. To get himself killed, and to get a lot of other people killed, was central to Che’s imagination. In the famous essay in which he issued his ringing call for “two, three, many Vietnams,” he also spoke about martyrdom and managed to compose a number of chilling phrases: “Hatred as an element of struggle; unbending hatred for the enemy, which pushes a human being beyond his natural limitations, making him into an effective, violent, selective, and cold-blooded killing machine. This is what our soldiers must become …”— and so on.

[...]

I wonder if people who stand up to cheer a hagiography of Che Guevara, as the Sundance audience did, will ever give a damn about the oppressed people of Cuba—will ever lift a finger on behalf of the Cuban liberals and dissidents. It’s easy in the world of film to make a movie about Che, but who among that cheering audience is going to make a movie about Raúl Rivero?

Der Sozialismus des 21.Jahrhunderts

21.08.2007 16:39 - Liberté d'abord! by Oliver Luksic - 9 Kommentare

Während Evo Morales über die Einführung der Todesstrafe für Privatisierungen nachdenkt müssen für Hugo Chavez die Uhren umgestellt werden. Die populistischen südamerikanischen Neosozialisten haben eindeutig einen Schatten. Wenn das der Sozialismus des 21.Jahrunderts ist, gute Nacht! Nicht nur Lafontaine hat dies wohl immer noch nicht verstanden. National-sozialistische Diktatoren stehen weiter hoch im Kurs bei Europas Linken. Auch der rote Ken schreckt vor einem Pakt mit dem Diktator Chavez nicht zurück.

Demokratischer Sozialismus à la Chavez

16.08.2007 11:52 - Liberté d'abord! by Oliver Luksic - 3 Kommentare

Heil Chavez! Der venezolanische Präsident Hugo Chavez will sich mit einer Verfassungsänderung die Möglichkeit für eine unbegrenzte Verlängerung seiner Amtszeit verschaffen. Zudem plant er die Aufhebung der Autonomie der Zentralbank sowie die Kontrolle der Devisenrücklagen des Landes durch den Staatschef. Die Mehrheit in seinem Marionetten-Parlament ist Chavez sicher. Dann kann er endlich ganz wie Fidel Castro regieren. Was sagt eigentlich Chavez-Bewunderer Lafontaine dazu?