Im aktuellen Konjunkturaufschwung wird die Arbeitslosigkeit in Deutschland so schnell abgebaut wie lange nicht mehr. Und das betrifft interessanterweise sogar ältere Arbeitslose — solche, bei denen man bisher davon ausging, daß sie mit ihren fünfzig oder mehr Jahren überhaupt keine Chance mehr hätten, wieder eine Beschäftigung zu finden. Diese Arbeitslosen, die bisher den Weg über einen langen Bezug des Arbeitslosengeldes direkt in die Frührente gingen, finden nun häufig wieder Arbeit. Und auch das ist sicher eine Frage der Anreize: Der Weg in die Frührente war nicht unbequem und jetzt, wo er nicht mehr offen steht, bemühen sich auch die Bequemeren unter den älteren Arbeitslosen wieder selbst eifriger um Arbeit.
Schröders “neoliberale” Arbeitsmarktreformen funktionieren also, so halbwegs. Trotzdem gibt es von der damaligen, liberalen Kritik an Schröders Politik nichts zurückzunehmen. Sie war kleinmütig. Sie hat einen unerträglich ineffizienten Arbeitsmarkt ein wenig erträglicher, aber noch lange nicht effizient werden lassen. Da wurde eine Baustelle vorsichtig eröffnet, aber nichts zuende gebracht. Wenn die Resultate dennoch spürbar positiv sind, so ist das vor allem ein weiteres Indiz für die völlige Unhaltbarkeit des vorherigen Status Quo, für die riesigen Effizienzreserven, die damals vorhanden waren, und die man sogar mit der hasenfüßigen Politik Schröders schon anzapfen konnte.
Und damit wären wir bei der aktuellen Diskussion, im Herbst 2007. Da funktioniert eine politische Idee, sie sorgt für einen relativ schnellen Abbau der Arbeitslosigkeit — und wie reagiert die deutsche Politik auf so eine positive Erfahrung? Indem sie ausgerechnet die Umsetzung dieser funktionierenden Idee wieder rückgängig machen will. Klar, den Sozialpopulisten um Kurt Beck und dem sogenannten “Arbeitnehmerflügel” der Union geht es um billigen Stimmenfang. Aber wie benebelt ist eigentlich eine Wählerschaft, die ihre Stimmen für sowas hergibt?