Ausgewählte Tag-Kategorie: Nobelviertel

Maskin et al.

15.10.2007 13:44 - Statler & Waldorf by Statler - 14 Kommentare

Damit hätte ich jetzt nicht gerechnet, denn mechanism design ist eigentlich ein Thema, das seinen Aufmerksamkeitshöhepunkt eigentlich seit etwa zehn Jahren hinter sich hat. Nebenbei: Welcher Journalist schreibt eigentlich gerade bei welchem ab? Überall wird in deutschen Medien aus mechanism design gerade die “mechanische Design”-Theorie, was natürlich Quark ist. Es geht bei diesen Arbeiten vielmehr um das effiziente Design von Anreizmechanismen, beispielsweise um Leute dazu zu bringen, ihre wahre Zahlungsbereitschaft von öffentlichen Gütern zu offenbaren und sich nicht als Trittbrettfahrer zu verhalten. Oder um die Frage, welche Arbeitsverträge man einem Bewerber zur Auswahl geben sollte, damit dieser durch die Wahl eines dieser Verträge signalisiert, ob er sich selbst für eher produktiv oder eher weniger produktiv hält.

Das sind alles Fragen, die sehr schnell sehr kompliziert werden, wenn man alles bedenkt, was es da zu bedenken gibt. Insofern: Kein Zweifel daran, daß Maskin, Hurwicz und Myerson den Preis verdient haben, denn sie betreiben Theorie am Rande des Nervenzusammenbruchs — jedenfalls für den normalsterblichen Leser. Ein wenig tragisch ist wohl, daß ein Nobelpreis für mechanism design vier Jahre zu spät kommt, denn Jean-Jacques Laffont hätte zweifellos zum Kreis der Preisträger gehören müssen, wenn er noch leben würde.

Update: Man kann es natürlich auch so einfach erklären, daß sogar Oma es versteht.

Überbewertet

12.10.2007 20:48 - Statler & Waldorf by Statler - 18 Kommentare

Okay, in der Liste der Friedensnobelpreisträger finden wir nun also Namen wie Al Gore, Yassir Arafat, Kofi Annan und Henry Kissinger. Bei den Literaturnobelpreisträgern solche Talente wie Dario Fo, Elfriede Jelinek und nun auch noch Doris Lessing.

Was soll man dazu sagen? Die nicht-wissenschaftlichen Nobelpreise sind überbewertet. Oder auch entwertet, vor allem durch einige Preisträger der letzten Jahre. Aber glücklicherweise sind davon eben nur die nicht-wissenschaftlichen Nobelpreise betroffen. Gerüchten, daß nun der Ökonomie-Nobelpreis für Rudolf Hickel und Herbert Schui nur logisch folgerichtig wäre, würde ich daher keinen Glauben schenken.

Krugman dagegen… hmmm, gut möglich.

Schnäppchen im ehemaligen Ostblock

27.08.2007 14:56 - Statler & Waldorf by Statler - 2 Kommentare

Umgerechnet ungefähr 28 Euro nehmen sie im Hilton-WestEnd in Budapest für 24 Stunden WiFi-Zugang. Wäre ich nicht zu träge gewesen, mir vor dieser Reise die Vollversion von Launch2Net zu kaufen, dann käme ich hier mit Bluetooth-Handy und UMTS billiger ins Netz. Unfaßbar.

Coase für Ehrenfeld

23.08.2007 19:50 - Statler & Waldorf by Statler - 7 Kommentare

In direktem Zusammenhang mit dem vorherigen Eintrag hätte ich noch einen Vorschlag für die Ehrenfelder: Sammelt Geld! Wenn die empfundene Belästigung durch die Moschee tatsächlich so groß ist, dann kauft der Ditib doch einfach das Grundstück ab. Für irgendeinen Preis wird sie es schon hergeben. Und dann geht sie mit dem Geld und ihren Bauplänen halt irgendwo hin, wo sie ein wenig mehr willkommen ist.

Und wenn Ihr nicht genug Geld zusammen bekommt — dann ist die Belästigung durch zwei Minarette in der Nachbarschaft (die nicht höher werden sollen als gewöhnliche Industrieschornsteine) ja vielleicht doch nicht ganz so schlimm.

Pay up or shut up. Oder so.

Disclaimer: Ich bin ein großer Fan von Ralph Giordano als Autor, und schon allein für sein Engagement in der kritischen Phase zu Beginn der 1990er hat er sich allergrößte, bleibende Hochachtung verdient. Vermutlich stand er bisher in so ziemlich jeder politischen Auseinandersetzung auf der richtigen Seite. Aber diesmal hat er sich ganz fürchterlich verrannt.

Nachrichten aus dem Nobelviertel

21.08.2007 17:37 - London Calling by Oliver M.H. - 10 Kommentare

Eine schöne Geschichte von einem “verwöhnten Bürschchen aus dem Nobelviertel” gibt es wieder einmal aus London zu berichten. Ob der Mann, um den es ging, ein Liberaler war, ist nicht überliefert, aber zumindest hat er einen guten Geschmack bei der Wahl seines Autos bewiesen. Er fährt nämlich einen Corsa, genauer: den Maserati Cambiocorsa.

Seinen Maserati hatte der Franzose Bertrand Des Pallieres 65 mal durch die Londoner City gefahren, ohne die Congestion Charge zu entrichten. Da er auch weder Knöllchen noch seine Kfz-Steuer bezahlte, wurde der Wagen nun von der Londoner Verkehrsbehörde abgeschleppt und sichergestellt.

Wir Bürschchen aus dem Nobelviertel

Die Liberalen - die Partei der Besserverdienenden. Rein sachlich mag der Slogan, im 1994er Wahlkampf vom damaligen FDP-Generalsekretär Werner Hoyer in die Welt gesetzt, zu der Zeit berechtigt gewesen sein (inzwischen ist der Kelch bei den Grünen). Der Ausdruck zeugt aber nicht nur von der konzeptionslosen klientelistischen Bräsigkeit, in der sich das Führungspersonal dieser Partei in der ausgehenden Kohl-Ära befunden hat, sondern vor allem auch von unfassbarer Naivität hinsichtlich der Relevanz einer der deutschen Grundbefindlichkeiten: dem Neid.

Wenn der mit einer anderen deutschen Grundbefindlichkeit - dem Ressentiment - zusammen kommt, dann entstehen Blogeinträge, wie die Westropolis Revierflaneurs Manuel Hessling zum Antibürokratieteam-Relaunch: Von dynamischen Freiheitskämpfer(n) im Maßanzug, der feinen Gesellschaft und verwöhnten Bürschchen aus dem Nobelviertel ist da die Rede. Und die komplette Assoziationskette nur, weil Statler unvorsichtigerweise über seine, zugegebenermassen etwas extravaganten, Drogenpräferenzen geplaudert hat!